laut.de-Kritik

Sexy aufgemotzter Punk mit Grunge-Anleihen.

Review von

"Barb Wire Dolls sind eine der wichtigsten Bands der heutigen Musikszene. Sie verkörpern alles, was moderne, wilde Rockmusik ausmacht." Diese gewagte Behauptung steht für alle sichtbar als Produktbeschreibung für diese CD auf Amazon. Somit liegt die Messlatte für die Barb Wire Dolls von der rauen Mittelmeer-Insel Kreta schon mal verdammt hoch. Auch die vielen Querverweise auf das (ehemalige) Motörhead-Umfeld, das die junge Band fördert, müssen nicht unbedingt helfen.

Als wesentlich hilfreicher für die Karriere dürfte sich dagegen das Line-Up der bunten Truppe herausstellen: zwei kernige Kerle in Leder und drei punkig-laszive Mädels, aus denen die sexy Frontfrau und Sängerin Isis Queen in jeder Hinsicht noch einmal heraussticht. Der Umzug der Musik-Kommune aus dem armen Griechenland in die Vereinigten Staaten von Amerika und die Kontakte zu einflussreichen Köpfen der Rock-Szene ebendort gelten wohl als weitere Pluspunkte.

All das würde dennoch nichts nützen, lieferten die Dolls nur musikalischen Schrott ab. Das ist aber nicht der Fall. Schon ihr erstes Album von 2013 mit dem provokativen Titel "Slit" und einem ebensolchen Cover-Artwork fand einige Beachtung und positives Echo bei Fans und Kritikern. Der Nachfolger hat ebenfalls genug Qualität, um den eingeschlagenen Weg weiter fortzusetzen.

Die Barb Wire Dolls liefern mit "Desperate" eine beachtliche, zeitgemäß aufgemotzte Punk-Platte ab, die sich sowohl mit Klassikern der späten Siebziger Jahre als auch mit dem Stoff aus der Grunge-Ära zumindest leidlich messen kann. Interessant, dass die Band in ihren Stücken die verschiedenen Einflüsse kombiniert und somit das Ganze teils frisch und neu klingen lässt.

Mit dem Einstieg "Drown" hält man/frau sich noch an Töne, die vage an die alten The Damned oder Peter & The Test Tube Babies erinnern. "Surreal" verrät schon Einflüsse der Grunge-Ikonen Nirvana, die im Verlauf der Scheibe immer deutlicher zutage treten. Gerade die härteren und kompakteren Stücke des Überflieger-Albums "Nevermind", "Breed", "Drain You" oder "Stay Away", scheinen doch mächtigen Eindruck bei den Insel-Hellenen hinterlassen zu haben.

Die haben aber noch mehr in der Hinterhand. "Take Me Home" erinnert in der Rhythmik zunächst an die alten The Cure oder an Joy Division, bevor sich die Sache im Schlussdrittel in Richtung The Cult in ihrer psychedelischen Frühphase entwickelt: ein sehr schönes Stück. Der Titelsong vermittelt dann fast schon lupenreines Nirvana-Feeling, da bewahrt einen nur noch die weibliche Stimme vor der Verwechslungsgefahr. Isis Queen intoniert übrigens recht ordentlich, zu einer Janis Joplin des Punk wird sie aber kaum aufsteigen, dazu fehlen einfach Risiko und Abwechslung.

Die Stacheldrahtpuppen haben also ihre Punk-Lektion gut gelernt. Selbst dezente Anleihen bei Altmeister Tom Petty wie in "I Will Sail" bereiten ihnen kein Kopfzerbrechen. Zum Ende hin verlegen sich die Dolls dann mehr und mehr auf ordentlich schrammelnden Punk alter Schule und bringen ihren Zweitling mit "Rhytm Method" unfallfrei über die Ziellinie. Der Sound der mit 36 Minuten Spielzeit recht kurzen Platte ist darüber hinaus wirklich gut. Ob das alles aber für die im Promo-Text angekündigten höheren Weihen reicht?

Trackliste

  1. 1. Drown
  2. 2. Surreal
  3. 3. Take Me Home
  4. 4. Heart Attack
  5. 5. Desperate
  6. 6. Blind To Your Misery
  7. 7. I Will Sail
  8. 8. Darby Crash
  9. 9. Problem Of The Poet
  10. 10. Rhythm Method

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