laut.de-Kritik

Unmöglich, sich davon nicht berühren zu lassen.

Review von

Mit Pete Doherty assoziiert man längst nur noch Drogen, Skandale und vielleicht noch Kate Moss, die ihn spektakulär in die Wüste schickte. Was darüber gern vergessen wird, ist der Grund, warum Pete überhaupt in den Fokus der Öffentlichkeit geriet: Seine Musik, oder besser, sein Talent gute Musik zu machen.

Deshalb jetzt mal zu den Fakten: Ja, das neue Album erinnert schon ein wenig an den Vorgänger, und ja, es ist keine leichte Kost. Aber der Sound ist um einiges melodiöser und auch nicht mehr so schief und abgehackt wie zuvor. Petes Gesang klingt immer noch, als stünde er völlig neben sich und kämpfe mit letzter Kraft darum, sich an den Text zu erinnern. Wahrscheinlich ist diese Vermutung gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt.

"Carry On Up The Morning" klingt noch ziemlich typisch nach Babyshambles, auch wenn schon hier viel mehr Melodie drin ist als gewohnt. Richtig auffällig wird es bei "Delivery", der Song geht sofort ins Ohr und weigert sich für geraume Zeit, wieder daraus zu verschwinden. Natürlich kommt der Sound immer noch leicht schief und abgehackt daher wie bei "Side Of The Road". Allerdings sind diese Brüche nicht mehr so ausgeprägt, was Petes Stimme in keiner Weise untergräbt, im Gegenteil, sie tritt dadurch sogar noch stärker in den Vordergrund.

Inhaltlich scheint sich die Trennung von Kate Moss schon in den Songs niedergeschlagen zu haben, geht es doch viel um Liebe und den damit verbundenen Kummer. "Yeah you said that you love me, why don't you fuck off? Anyone would think that you own me, you're ripping me off " auf "UnBiloTiteled" klingt verdammt nach verletztem Stolz.

"And tell me how could I let go, since I caught a glimpse of your immense soul" sich bei "There She Goes" hört sich dagegen schon verdächtig nach Liebeskummer an. Es verwundert, dass der Sound so nach Swing klingt, mit einem Pete, der im Refrain richtig nach oben singt. Zuerst etwas gewöhnungsbedürftig, trotzdem richtig gut.

In "Lost Art Of Murder" schließt Pete wohl halbwegs mit dem Thema ab, scheinbar in einer Art Selbstgespräch, das mit der Erkenntnis endet, dass er sein Leben ändern sollte. Keine schlechte Idee, dann stünden vielleicht auch nicht mehr seine Drogengeschichten und anderen Skandale im Rampenlicht, sondern die Musik. Verdient hat sie ein wenig mehr Aufmerksamkeit allemal.

Insgesamt ist eine deutliche Entwicklung auf der Platte zu hören. Der Sound ist harmonischer, die Instrumente sanfter, dabei aber keineswegs langweilig oder angepasst. Es sind immer noch die Babyshambles und es ist immer noch Pete, der immer noch so klingt als sei er leicht weggetreten. Aber gerade das macht den Charme aus. Scheint es, als könne er sich mit Müh und Not an den Text erinnern, trägt er diesen dann aber doch mit so viel Gefühl vor, dass es unmöglich ist, sich davon nicht berühren zu lassen. Fazit: Man muss den Mensch Pete Doherty nicht mögen, sollte aber fair genug sein, um sein Talent zu schätzen, das er mit dieser Platte wieder mal unter Beweis stellt.

Trackliste

  1. 1. Carry On Up The Morning
  2. 2. Delivery
  3. 3. You Talk
  4. 4. UnBioTitled
  5. 5. Side Of The Road
  6. 6. Crumb Begging Baghead
  7. 7. Unstookie Titled
  8. 8. French Dog Blues
  9. 9. There She Goes
  10. 10. Baddie's Boogie
  11. 11. Deft Left Hand
  12. 12. Lost Art Of Murder

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102 Kommentare

  • Vor 3 Jahren

    "Mit Pete Doherty assoziiert man längst nur noch Drogen, Skandale und vielleicht noch Kate Moss, die ihn spektakulär in die Wüste schickte. Was darüber gern vergessen wird, ist der Grund, warum Pete überhaupt in den Fokus der Öffentlichkeit geriet: Seine Musik"
    Gut erkannt.. Und um dann mit diesen Vorurteilen zu brechen, beginnt man eine Review mit solchen Worten?
    Auch in der Kritik zu der "The blinding" EP lief es so ab. Würde das Bild von Pete Doherty unter Musikinteressierten vielleicht anders aussehen wenn die Fachpresse nicht genauso das Privatleben des Künstlers in den Vordergrund rücken würde wie die Boulevardpresse?
    Ich halte es für wenig zielführend, die Reduktion eines Künstlers auf sein Privatleben anzuprangern, während man genau mit diesem Thema die Besprechung eines Albums beginnt. So gesehen öffnet diese Review ungewollt mit einer Kritik an sich selbst und befeuert umso mehr das angesprochene Problem, anstatt diesem etwas entgegenzusetzen.
    Dieser Widerspruch zieht sich nicht nur durch laut.de Kritiken, sondern durch die gesamte Musikpresse.
    (Vgl. z.B. Musikexpress zu Sequel to the Prequel oder der Tagesspiegel zum selben Album)
    Darüber hinaus stellt sich mir die Frage, was für ein Kunstbegriff einem Musikmagazin zu Grunde liegt, dass immer wieder versucht das Kunstwerk (mehrerer!) Künstler auf die privaten Probleme der Künstler zu projizieren?
    Selbst wenn es in richtung echter musikalischer Analyse geht, ist eine Liebesbeziehung Pete Dohertys, die Folie, anhand der man die Songs hören sollte.
    Insgesamt bekommt man bei einer derartigen Albumbesprechung das Gefühl, ein Soloprojekt von Pete Doherty zu behandeln. Dass die Babyshambles aus mehreren Musikern bestehen, die sowohl Einfluss auf den Sound als auch auf die Texte haben, wird schlichtweg ignoriert. Ein Phänomen, dass auch schon bei anderen Bands wie Marilyn Manson zu beobachten war.
    Andere Kritiken lassen sich zwar auch auf diesen Personenkult ein, jedoch ist es umso heuchlerischer wenn man eben diesen im ersten Absatz kritisiert.

    PS: Ich bin mir im Klaren, dass ich für einen Kommentar zu dieser Review ein bis zwei Wochen zu spät komme, aber das musste mal gesagt werden ;D