laut.de-Kritik

Wer hat die dicksten Eier im deutschen Hardrock?

Review von

Wer hat die dicksten Eier im deutschen Hard Rock? Ganz klar: Axel Rudi Pell. Schon seit knapp 30 Jahren spielt der Bochumer seinen Solo-Stiefel geradezu erbarmungslos runter und lässt Kritik oder gar Änderungsvorschläge einfach von sich abprallen. Bereits in seinen Anfängen als hoffnungslos in der Vergangenheit lebender Hardrock-Jünger mit einer unheilbaren Vorliebe für Größen wie Deep Purple oder Rainbow verspottet, bringt es Pell (inklusive des nagelneuen "Knights Call") inzwischen auf 18 fast ausnahmslos in den Charts gelandeten Studioalben, etliche Livemitschnitte und Zusammenstellungen (die übrigens kaum minder erfolgreich sind).

Erst letztes Jahr hat Pell bei der Konkurrenz wieder für ungläubiges Staunen gesorgt. Während sich andere mit dem Problem herumschlagen, überhaupt ein Album veröffentlichen zu können, stürmt der Meister mit "The Ballads V" mal eben im Vorbeigehen die Top 20. Eine Leistung, die Respekt einfordert. Auch "Knights Call" bietet die gewohnte Pell-Kost aus melodischen Hard-Rock-Hits, großen Gesangsmelodien und handwerklich hervorragender Gitarrenkunst.

Songs wie der Opener "The Wild And The Young", "Long Live Rock" oder die überlangen "Crusaders Of Doom" beziehungsweise "Tower Of Babylon" sind der Tradition verpflichtet, ohne dabei altbacken zu wirken. Natürlich klingt vieles vertraut, aber, mal ehrlich, man kann diese Art Musik kaum besser komponieren. Dass Pell nicht der Erste ist, der ein Duell von Saiten und Tasten inszeniert ("Truth And Lies") versteht sich von selbst. Dennoch liefert er keine lieblose Fließbandarbeit ab, sondern holt aus fast jedem Song das Optimum heraus.

Sein Glück, dass er sich auf Recken wie Sänger Johnny Gioeli, den ehemaligen Rainbow-Schlagwerker Bobby Rondinelli, den musikalischen Tausendsassa Ferdy Doernberg und Volker Krawczak (einem der unterbewertetsten Bassisten überhaupt) verlassen kann. Zwar gelingt auch den besten Könnern nicht zwingend ein guter Song, doch Pell umschifft auch diese Klippe mühelos. Dem Mann will einfach kein schlechtes Album gelingen.

"Knights Call" ist kein Album für jedermann und die immer nach dem nächsten Hype gierende Generation schüttelt hier sowieso verständnislos den Kopf. Also versuchen wir es mal in deren Sprache: Axel Rudi und seine Jungs leben den Scheiß einfach. Word, Excel und Powerpoint.

Trackliste

  1. 1. The medieval overture (intro)
  2. 2. The wild and the young
  3. 3. Wildest dreams
  4. 4. Long live rock
  5. 5. The crusaders of doom
  6. 6. Truth and lies
  7. 7. Beyond the light
  8. 8. Slaves on the run
  9. 9. Follow the sun
  10. 10. Tower of Babylon

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1 Kommentar mit 3 Antworten

  • Vor 10 Monaten

    Puh ... Hin und wieder schau ich ein bißchen neidisch auf die Rap Szene. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es da eine natürliche "ich bin zu alt für diesen Scheiss" Auslese.
    Das würde dem Rockgenre auch ganz gut tun! Natürlich muss es auch dort Ausnahmen geben.
    Axel Rudi gehört da nicht dazu!

    • Vor 10 Monaten

      Lieber Scientologe,
      doch, diese Auslese gibt es: nennt sich Grindcore, Metalcore, Deathcore, Nu Metal - da bin ich, zumindest als Hörer, „zu alt für den Scheiß“. Doch etwas ARP geht ab und zu, wenn man einen „neue-Sachen-von-früher-Abend“ braucht. Deshalb haben ja auch fast alle alten Metal-Helden aus den 80ern noch ihre Daseinsberechtigung, obwohl mittlerweile aus der Pubertät entwachsen. Ob man dann auch alle „neue-alten“ Alben weghören muss, ist dem geneigten Hörer überlassen. Und dem Musiker ist es zu gönnen, wenn er sein Genre gefunden hat, sich dort wohl fühlt und Erfolg hat.

    • Vor 10 Monaten

      Mir tut dieser körperliche Verfall der alten Recken einfach weh. Wohl auch weil mir der eigene vor Augen geführt wird. Und das ein Nachwuchsproblem in der Hardrockfraktion besteht ist leider ja auch nichts neues. Lemmy war der letzte alte der "alt" sein durfte.

    • Vor 10 Monaten

      "Wohl auch weil mir der eigene vor Augen geführt wird."

      So lang du ohne Krücken durchs Leben rennst, ist das Jammern auf hohem Niveau Scientologe! Und ganz ehrlich, bei guter rockender Mucke, ist es mir völlig egal ob mein Vorsteher (Bauch, Plautze) sich im Takt hin und her schmeißt, da die Löwenmähne schon das Zeitliche gesegnet hat. Das Gefühl bleibt das selbe, allerdings hat mit dem Gefühl Axel Rudi nun nicht viel zu tun.