laut.de-Kritik

Hau-den-Lukas in der Augsburger Puppenkiste.

Review von

Hoher Seegang erwartet die Besatzung auf dem apokalyptischen Kahn Avatar. Peitschende Nackenbrecher, rumselige Mitgröhler und heftiges Auf und Ab gibt es nicht nur auf dem Cover – "Hail The Apocalypse" ist beileibe kein Traumschiffurlaub.

Gleich mit dem ersten Riff dürften die Göteborger die Hörer auf ihre Seite ziehen. "Hail The Apocalypse" steigt sofort Vollgas ein. Schreihals Johannes Eckerström brüllt gegen den Sturm aus höllisch groovenden Riffs, fiesen Pinch-Harmonics und schweren Drums an und überzeugt mit gehackten Lines, die sofort hängen bleiben. Dieser Typ vereint die Brutalität eines Till Lindemann mit der Rücksichtslosigkeit Phil Anselmos und der harschen Melodiösität von Anders Fridén. Die Cleanvocals manch anderer Tracks streuen außerdem noch eine gehörige Prise Pain ("What I Don't Know") ein.

Die erwähnten Namen fassen nicht nur Eckerströms wahnsinnigen Gesang hervorragend zusammen, sondern stellen auch das grobe Gerüst für die Musik Avatars allgemein dar. Industrial Melodic Groove Death Metal oder so. Angereichert mit Power-Mitsingrefrains, Humppa-humppa-täterä und The BossHoss. The BossHoss? Ja, richtig gehört. Zu stampfenden Rammstein-Beats gesellen sich in "Vultures Fly" plötzlich Country-Vocals, wie sie Boss Burns und Hoss Power nicht schöner hinbekommen hätten.

So hangelt sich die coopereske Gruselshow von einem Extrem zum nächsten, nimmt sich dankenswerterweise selbst nicht zu ernst und verkommt auch nicht zur Albernheit. Dabei schrecken die Schweden vor keinem Experiment zurück. "Tsar Bomba" kommt mit schrägen deutschen Lyrics daher ("Komm näher! Was siehst du außer mein Gesicht?") und erinnert phrasierungsmäßig an Knorkator.

"Murderer" ergibt einen kranken Cocktail aus System Of A Down, Machine Head und irgendwie auch den Black Veil Brides, während eine Spieluhr im Hintergrund vor sich hindudelt. Moshpitfans kommen genauso auf ihre Kosten wie verträumte Tänzer.

Schunkel- und Bierzeltlaune wartet dagegen bei "Puppet Show" auf. Hau-den-Lukas in der Augsburger Puppenkiste – wer würde das nicht gerne mal vertonen? Das Ergebnis klänge wohl ungefähr so. Zirkusorgel, angeheiterte Blasmusik, Folk-Metal-Gitarren und böses, angepisstes Trollgegrunze. Selbst eine Halbballade, die zum Feuerzeugeschwenken einlädt, lässt sich inmitten der turbulenten Berg- und Talfahrt ausmachen. "Bloody Angel" könnte zum Liveklassiker mutieren.

Fast ein wenig seltsam mutet es an, dass trotz der wilden Stilvariation alles auf eine merkwürdige Art und Weise zusammenpasst. Es ist eindeutig Avatar. Das mag man - oder eben nicht. Nur mit dem Nirvana-Cover "Something In The Way" hat das Quintett ein Eigentor geschossen. Als Bonus ganz nett, aber als vollwertiger Albumsong fällt der Track einfach zu sehr ab. Zumal außer einer großzügig aufgetragenen Bombast-und-Finsternis-Glasur nichts wirklich Neues geboten wird.

Schade ist, dass die meisten Songs zwar ordentlich Wumms haben, der Avatar-Sound allerdings auf Albumlänge irgendwann auch anfängt, langweilig zu werden. Was den Spaß an Killerteilen wie dem Titeltrack trotzdem auch nach mehrmaligem Hören nicht schmälert, denn der steht ja schließlich ganz am Anfang. Damit die anderen Tracks deshalb nicht untergehen, sollte man für dieses Album vielleicht tatsächlich mal die Random-Taste entweihen.

Trackliste

  1. 1. Hail The Apocalypse
  2. 2. What I Don't Know
  3. 3. Death Of Sound
  4. 4. Vultures Fly
  5. 5. Bloody Angel
  6. 6. Murderer
  7. 7. Tsar Bomba
  8. 8. Puppet Show
  9. 9. Get In Line
  10. 10. Something In The Way
  11. 11. Tower

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