laut.de-Kritik

Rockoper mit Staraufgebot.

Review von

Eigentlich sollte nach dem zweiten Teil von "The Metal Opera" ja Schluss sein, war die von Tobias Sammet (Edguy) entwickelte Story doch nur auf zwei Teile ausgelegt. Die Nachricht, dass nun doch ein drittes Avantasia-Album fertig ist, hat somit für einiges Aufsehen gesorgt. Mit der aktuellen Ayreon-Schöpfung "01011001" vermag die Scheibe nicht zu konkurrieren. Dennoch ist dem Sänger/Komponist einmal mehr ein starkes Konzeptalbum gelungen, für das er sich wieder eine ganze Riege erstklassiger Gastsänger eingeladen hat.

Die schon letztes Jahr veröffentlichte Single "Lost In Space" offenbarte ja bereits deutliches Hitpotenzial und ein paar richtig tolle Melodien. Dass der Song auf dem Album an letzter Stelle steht und dort richtige Aufbruchsstimmung verbreitet, spricht für sich. Den Anfang macht somit das starke "Twisted Mind", das zwar kein großes Tempo vorlegt, aber dafür ordentlich Power hat. Durch den vielstimmigen Gesang besitzt das Stück etwas von einem Musical. Daran schließt sich mit dem Titeltrack so etwas wie das Magnus Opus der Scheibe an. Hier werden in über elf Minuten sämtliche musikalischen Stimmungen des Hauptcharakters dargestellt.

Dann nimmt die Scheibe aber richtig Fahrt auf und schickt "Shelter Form The Rain" ins Rennen. Dabei handelt es sich fast um eine typische Helloween-Nummer, was natürlich durch den Gesang von Michael Kiske noch hervorgehoben wird. "Carry Me Over" nimmt das Tempo danach wieder deutlich zurück. Einige Sachen mögen recht poppig sein, aber so großartigen Melodien wie im von Amanda Somerville intonierten "What Kind Of Love", das von der Gesangslinie ein wenig an Joan Osborne erinnert, kann kaum widerstanden werden.

Sehr schön, wie dabei der Kontrast zum deutlich zügigeren "Another Angel Down" hervorsticht, das wieder jede Menge Power hat und sofort ins Ohr flutscht. Dem folgt das mit leicht orientalischen Klängen eher schleppende "The Toy Master". Hier konnte Tobi Alice Cooper als Gastsänger verpflichten, der aber seltsamerweise nicht mehr als solide Ware abliefert und den Song mit seiner Stimme nicht unbedingt auf ein höheres Maß hebt. Nicht überragend.

Mehr Tempo und vor allem wieder eine ausgesprochen gute Gesangsleistung von Jorn Lande (Ex-Masterplan) und Tobi gibt es in "Devil In The Belfry" zu hören. Vor allem der treibende Chorus hat es wirklich in sich und geht so schnell nicht mehr aus dem Kopf. Direkt im Anschluss wird es deutlich besinnlicher. Der Titel "Cry Just A Little" ist Vorwarnung genug für Balladentum. Der Song spart nicht mit Streichern, wird in der Hauptsache aber dennoch nur von Gitarre und Gesang getragen und geht schließlich in einen vielstimmigen Refrain über.

Ein Glück, dass daran direkt wieder das kraftvolle "I Don't Believe In Your Love" anschließt. Der Track überzeugt voll und ganz mit einem gesungenen Dialog zwischen Tobi und Jorn. Den Mann muss man zwar inzwischen wirklich als absolute Gesangs-Nutte bezeichnen, aber was der Kerl an Arbeit abliefert ist jedesmal außergewöhnlich.

Liebhaber von sogenannten Rockopern haben diesen Monat also die Qual der Wahl. Wer es etwas besinnlicher, nachdenklicher und gesanglich vielfältiger mag, greift zu den neuen Ayreon-Scheiben. Wer es direkter, rockiger und eingängiger liebt, liegt bei "The Scarecrow" goldrichtig.

Trackliste

  1. 1. Twisted Mind
  2. 2. The Scarecrow
  3. 3. Shelter From The Rain
  4. 4. Carry Me Over
  5. 5. What Kind Of Love
  6. 6. Another Angel Down
  7. 7. The Toy Master
  8. 8. Devil In The Belfry
  9. 9. Cry Just A Little
  10. 10. I Don't Believe In Your Love
  11. 11. Lost In Space

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17 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    Ich weiß nicht warum...
    Die beiden EPs fand ich großartig und hatte dadurch echt Appetit auf das Album bekommen - und dann so ne Enttäuschung.
    Finde die Scheibe stellenweise dermaßen öde, dass ich mich zwingen muss nicht abzuschalten. "The Toy Master" ist der einzige Song der mich neben "Lost in Space" und "Another Angel Down" wirklich überzeugt hat.

    Ich würde "The Scarecrow" nicht mehr als 3/5 geben.

  • Vor 11 Jahren

    Geht mir ähnlich. Wahrscheinlich leider ein Fehlkauf. Ziemlich abgegriffene Kompositionen, nahezu keine Innovation. Gesang stellenweise zwar sehr cool (vor allem Lande und Hartmann gefallen mir), dafür nervt das Sammet-Gequäke insbesondere in den ruhigen Momenten ungemein.
    Dann noch der Melodie-Klau von What if God was one of us in der Evanesence-Ballade.
    Zwar insgesamt nicht übel, aber damit nicht besser als der Durchschnitt. [\persönliche Meinung]

    3/5

  • Vor 11 Jahren

    Warum soll man sich eigentlich zwischen Ayreon und Avantasia entscheiden. Ich kaufe einfach beide. Die Ayreon aber erst in ein paar Tagen, da a) Studiengebühren zu zahlen sind und b) ich die Avantasia erst noch durchhören möchte.

    PS: Warum mußte ich mich fürs Posten eigentlich anmelden? Ging doch früher auch ohne.

  • Vor 11 Jahren

    @odinchaot
    Saubere Leistung, allerdings liegst Du, wie wir beide wissen, falsch. Du hast selbst zugegeben, dass das neue Abum nicht so gut ist.

    Wer wirklich gute Mucke hören will, sollte sich sowieso ganz andere Musik anhören. Zum Beispiel Fall of the Leafe.

  • Vor 11 Jahren

    @Naura (« Geht mir ähnlich. Wahrscheinlich leider ein Fehlkauf. Ziemlich abgegriffene Kompositionen, nahezu keine Innovation. Gesang stellenweise zwar sehr cool (vor allem Lande und Hartmann gefallen mir), dafür nervt das Sammet-Gequäke insbesondere in den ruhigen Momenten ungemein.
    Dann noch der Melodie-Klau von What if God was one of us in der Evanesence-Ballade.
    Zwar insgesamt nicht übel, aber damit nicht besser als der Durchschnitt. [\persönliche Meinung]

    3/5 »):

    nicht nur bei Evanesence hat er geklaut, sondern auch bei Jorn Lande^^ denn es gibt nen song der nennt sich under the waves, und der ist vor 2jahren rausgekommen, und ich muss sagen, lost in space ist dort wohl sehr dicht rangelehnt^^

  • Vor 11 Jahren

    Im längerfristigen Hörvergleich liegt bei mir im Moment die Ayreon-Scheibe vorne.