laut.de-Kritik

Das Konzept der Mittelmäßigkeit.

Review von

Ohne Radio würde es dieses Album vielleicht nicht geben. Denn das Medium mag an Relevanz verloren haben, bietet aber gleichzeitig nach wie vor eine lukrative Plattform für Musik, deren oberstes Ziel Geldverdienen bleibt. Musik, die sich über hohe Platzierungen in den Airplay-Charts definiert, weniger über eine künstlerische Vision: Musik, wie Ava Max sie macht.

Female-Pop im Mainstream differenzierte sich in den letzten Jahren immer mehr aus und entwuchs damit auch dem konservativen (Klang-)Bild der Musikindustrie. Künstlerinnen wie Lady Gaga, Charli XCX, Dua Lipa und Miley Cyrus stellen verschiedene Facetten dieses Spektrums dar. Ava Max hingegen wirkt wie aus der Zeit gefallen.

Irgendwo zwischen den aufgesetzt provokativen Karriereanfängen erwähnter Sängerinnen und Oldschool-Turn-up à la ABBA schlüpfte die in Wisconsin geborene Sängerin mit ihren ersten Singles in die Rolle der edgy Außenseitern, deren Image jene ansprach, denen Billie Eilish zu anders, Justin Bieber zu gleich und Drake zu schwarz waren.

Wegen "I Kissed A Girl" hing 2008 vielleicht zwischen Kempten und Rosenheim der Haussege noch schief, "Sweet But Psycho" dürfte aber selbst dem Alm-Öhi nicht mehr als eine hochgezogene Augenbraue entlockt haben. Dennoch, oder gerade deshalb wurde der Song hierzulande zum Radio-Überhit und legte 2018 den Grundstein für "Heaven & Hell". Ein Konzeptalbum, dessen einziges Konzept, so scheint es, die Mittelmäßigkeit ist, die alle fünfzehn Songs eint. Dass sieben davon zuvor als Singles veröffentlicht wurden, untermauert den zusammengewürfelten Charakter.

Der rote Faden von "Heaven & Hell" ist eine glattgebügelte 2000er-Nostalgie. Hier und da schielt Amanda Koci noch verstohlen auf die 80er, aber nur ganz selten schafft sie es, die Magie heraufzubeschwören, die die Musik dieser Epochen ausmacht. Fast alles auf Avas erster LP klingt wie aus der Retorte, gleichzeitig aber auch unfassbar eingestaubt. Als hätte man ein Demotape im Keller von Universal gefunden und es mit dem Hochdruckreiniger geschliffen, bis keine Ecken und Kanten mehr übrig waren.

Es fällt schwer, über die Qualität der Musik zu sprechen, so harmlos und nichtssagend kommt sie daher. Positiv zu erwähnen sind einzig "Torn", "Naked" und "Call Me Tonight", die sich durch ein ABBA-Sample ("Torn") und die besten Retro-Hooks der Platte ein wenig abheben. Im Gegenzug fallen die absolut nervtötende Arena Pop-Hymne im Stile Bon Jovis, "Kings & Queens", und der Schleudertrauma auslösende 2010-Throwback "So Am I" besonders negativ auf. Die restlichen zehn Songs erfüllen als Hintergrundbeschallung im Kaufhaus ihren Zweck.

Popstars, die sich im Rundfunk einen Namen machen, produzieren unweigerlich Musik für eine Zielgruppe, die sich mit dem zufrieden gibt, was das Autoradio so ausspuckt, die auf die Frage nach der Lieblingssängerin 'Ava Max' antwortet und sich letztendlich nicht wirklich für Musik als Kunstform interessiert. Man kann Ava Max deshalb nur wünschen, dass sie der Rolle des konformistischen UKW-Darlings entwächst und es schafft, sich einen eigenen Sound zuzulegen.

Die Anlagen hat sie ja alle: Gesang und Produktion spielen oben mit und einen gewissen Hunger kann man ihr aufgrund ihres Release-Rhythmuses auch nicht absprechen. Bis dahin beschränkt man sich beim Shoppen im H&M aber besser ausschließlich aufs Klamotten kaufen, dreht das Radio aus und legt "Future Nostalgia" in den Player.

Trackliste

  1. 1. H.E.A.V.E.N.
  2. 2. Kings & Queens
  3. 3. Naked
  4. 4. Tattoo
  5. 5. OMG What's Happening
  6. 6. Call Me Tonight
  7. 7. Born To The Night
  8. 8. Torn
  9. 9. Take You To Hell
  10. 10. Who's Laughing Now
  11. 11. Belladonna
  12. 12. Rumors
  13. 13. So Am I
  14. 14. Salt
  15. 15. Sweet But Psycho

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5 Kommentare mit 9 Antworten

  • Vor 2 Monaten

    Diese Kritik trifft so ziemlich jeden Punkt den man sagen muss zu diesem Album leider 100%ig.
    'Naked' und 'Torn' sind tatsächlich ziemlich großartig, 'Belladonna' und 'So Am I' wirklich ganz harter Schlonz... Hatte tatsächlich Hoffnung in das Album aber gibt selbst mir leider so gut wie garnix.

  • Vor 2 Monaten

    Immer so schön, wenn Popmusik-Hasser ein Popmusik-Album kommentieren und rezensieren. Deshalb gebe ich ja auch immer meinen Senf zu neuen Ergüssen der Böhsen Onkelz ab, weil ich da so viel Ahnung von habe. Und nicht mal verstanden hat der gute Herr Leier das Ding, obwohl das nun wirklich nicht schwer ist. Im Jahr 2020 gibt es absolut nichts, aber auch gar nichts, was dem Genre, in dem sich dieses Album bewegen will, gerechter wird als eben jenes Album. Es soll nicht anspruchsvoll und kompliziert klingen, es reicht völlig aus, wenn die Stimme gut klingt (wenn auch mit gelegentlich starken Autotune-Einflüssen), die Melodien einprägsam sind (ja, Einflüsse von früheren Erfolgsliedern sind dabei. Na und? Im Metal-Genre klingt auch alles gleich und da beschwert sich keiner, weil man irgendwann eh so taub ist, dass es völlig wurscht ist) und man das Ding gut nebenbei laufen lassen kann, ohne dass man depressiv wird oder den Player (oder was auch immer) genervt aus dem Fenster werfen will. Zwei Sterne wären vielleicht gerechtfertigt, wenn das Album direkt nach der ersten Single rausgekloppt worden wäre, um schnell nochmal Kasse zu machen, weils gerade so gut läuft. Das Gegenteil ist der Fall. Es ist nichts Verwerfliches daran, schon mehrere Singles vorher draußen zu haben - denn die waren alle Ohrwürmer, die man im Kopf behält.
    Bitte, Herr Leier, bleiben Sie mal schön bei dem, was Sie in Ihrer Freizeit „freiwillig“ hören und lassen Sie die Finger von Musik, für die Ihnen schon bevor die Platte überhaupt läuft jegliches Verständnis fehlt. Diese Rezension ist so sinnlos wie eine Corona-Demo.
    4 Sterne fürs Album, nicht jeder Song mag zünden, aber mehr als die Hälfte ist mindestens „gut“, vieles sogar „sehr gut“. Hier runde ich mal auf, nur für den Durchschnitt.

    • Vor 2 Monaten

      Bla
      Bla Bla Rezensent hat keine Ahnung Bla
      Bla Soll Bla Bla lieber die Musik rezensieren Bla Bla die er sonst so hört Bla Bla.

      Bla Bla

      Bla Bla Bla

    • Vor 2 Monaten

      "Immer so schön, wenn Popmusik-Hasser ein Popmusik-Album kommentieren und rezensieren."

      Ich liebe das auch. :trusty:

    • Vor 2 Monaten

      Dachte eigentlich, dass ich zur Fraktion gehöre, die hier Pop am lautstärksten verteidigt, aber vielleicht sollte ich zukünftig weniger Lady Gaga und mehr Feuerschwanz hören.

    • Vor 2 Monaten

      Du kannst dich immerhin sprachlich gut ausdrücken, deshalb fällt es mir bisschen schwer dir direkt das Label "Vollidiot" aufzudrücken. Ich kann von daher nur hoffen das du noch jung bist und genug Intelligenz und Reflexionsvermögen besitzt, um in deiner (pop)musikalischen Sozialisation anständig nachzureifen. Ich bin auch ein Pop-Junkie, aber glaub mir, die Rezi ist absolut fair. Wenn du dir in zwei bis drei Jahren das Album noch mal anhören wirst, wirst du das wahrscheinlich auch erkennen. Bei der qualitativen Bewertung von Popmusik geht es nämlich nicht nur um Eingängigkeit und zugänglich produzierten Sound, sondern auch um Originalität, künstlerischen Ausdruck und vor allem Nachhaltigkeit (also in dem Sinne, wie verbraucht oder unverbraucht Popsongs nach paar Wochen, paar Monaten oder paar Jahren noch klingen, inwieweit sie eine Qualität unabhängig vom Zeitgeist haben). Und im weitesten Sinne geht es auch noch um den Impact auf die Popmusik-Kultur, wenn es um die Qualität von Pop geht.
      Wenn du all diese Kriterien berücksichtigst, musst du einsehen dass Ava Max wirklich nur eine kleine, belanglose Randnotiz ist mit diesem Album. Ist nett anzuhören, der ein oder andere Song macht sogar Spaß (was im übrigen in der Rezension gewürdigt wird), aber das wars auch schon. Hör dir da lieber mal das neue Gaga Album an (obwohl selbst das für mich schon eine große Enttäuschung war und nicht ansatzweise mit ihren bisherigen Alben mithalten kann, aber es ist immerhin abwechslungsreicher und halbwegs eigenständiger Dance-Pop mit ganz okayem Songwriting).
      Wenn also so ein Album wie das von Ava Max für dich schon eine 4 Sterne Wertung verdient, solltest du dringend deinen popmusikalischen Horizont erweitern. Gibt vieles das dir scheinbar entgeht.

    • Vor einem Monat

      @Mon-Robbe Sorry, aber Lady Gaga ist für mich schon seit Jahren im Aus. Die ersten Songs waren gut, so 2008-2014 ca. ist sie auf einer Welle mitgelaufen („Just Dance“, „Poker Face“, „Love Game“, „Paparazzi“, „Born this Way“, „Judas“, „Alejandro“, „Applause“ würden mir da so als positive Beispiele einfallen, aber diese Songs liegen alle schon länger zurück), was in den letzten Jahren von ihr kam, ging bei mir größtenteils links rein und rechts wieder raus. Ausnahme vielleicht noch ausgerechnet die beiden bekannten Balladen zu „A Star Is Born“. Ich muss aber leider sagen, dass die erfolgreicheren Künstlerinnen von der 2000er-Welle wie Rihanna, Pink, Katy Perry oder auch Shakira heute alle regelmäßig zeigen, dass sie ihr Pulver längst verschossen haben. Klar, die 2010er hatten nen veränderten musikalischen Stil als das Jahrzehnt davor. Aber traurigerweise haben sich alle daran angepasst.
      Ava Max ist für mich deshalb umso mehr DAS Popmusik-Sternchen der letzten Jahre. Sie vermischt den Sound der 2000er mit dem von 2020, mal mehr, mal weniger, aber fast immer wirklich gelungen. Bei ihr brauche ich keine zehn Anläufe, um ein Lied zu mögen. Ich würde nach mehrmaligem Hören des Debütalbums sogar auf knappe 5/5 gehen, weil es - das Intro nicht berücksichtigt - mit „Tattoo“, „Naked“ und „Rumors“ gerade mal drei Lieder gibt, die mir weniger gefallen (aber alle keine Totalausfälle darstellen). Abgesehen von den vorher veröffentlichten sieben Singles sind „Call Me Tonight“, „Born to the Night“ und vor allem „Take me to Hell“ und „Belladonna“ großartig geworden. Und das werde ich auch in fünf Jahren noch so sehen.
      Übrigens unterstelle ich den Rezensenten hier, dass sie einem solchen Album nur maximal einen Durchgang geben und das sicher auch nicht mit voller Konzentration. Manchmal braucht’s aber ein paar Versuche mehr. Das ist nicht nur hier der Fall.
      Ich gebe gerne zu, ich bin in kürzester Zeit Fan von Ava Max geworden. Auch die Zusammenarbeit mit Alan Walker „Alone Pt. II“ oder den Song „Blood, Sweat and Tears“, beide leider nicht auf dem Album, vielleicht ja in ner Deluxe Edition, mag ich sehr gerne. Sie hat definitiv Talent und ich hoffe sehr, man drückt sie nach ihrem Debütalbum nicht in die Schiene, die die bereits von mir erwähnten Künstler mittlerweile fahren (müssen?). Meghan Trainor zB hat sich bei ihrem zweiten Album so stark gewandelt, dass ich es nicht mal komplett durchgehört habe.

    • Vor einem Monat

      Dieser Kommentar wurde vor einem Monat durch den Autor entfernt.

    • Vor einem Monat

      Wenn man einmal davon absieht, dass das alles ziemlicher Quatsch ist, den du da schreibst, hast du eigentlich schon nicht ganz Unrecht.

    • Vor einem Monat

      Na, unbedingt Senf dazugeben, aber eigentlich gar nichts zu sagen?

  • Vor 2 Monaten

    Sing me a song, you're a singer...

  • Vor 2 Monaten

    Aber das Album Cover ist immerhin sehr schön. Hätte ich gern als Kaffeetasse.