laut.de-Kritik

Zukunftsmeditationen, Utopia und ein bisschen Retro.

Review von

Die Beats sind rudimentär, die Instrumentierung sparsam und effektiv. In Wahrheit geht es auf dem dritten Album des kanadischen Synth-Outfits Austra sowieso in erster Linie um eines: die ausdrucksstarke und eindringliche Stimme von Sängerin Katie Stelmanis.

Die führt uns in den Songmeditationen über die Politik der Zukunft durch einen Irrgarten aus Apathie, Utopie und Endzeitszenarien. Geschmeidig und mit viel Vibrato beginnt "Future Politics" mit dem Song "We Were Alive": "Got no time to waste / 'Cause I'm poor and / If I get something good / I’m gonna take it / I shouldn’t laugh but I feel it / I’m inside / I am moribund / It’s what you want: torpidity / But I sigh", singt Stelmanis – und stellt die Frage: was wäre, wenn wir am Leben wären?

Zu diesem Leben führt nur eines: die Abkehr vom Bekannten. "I'm never coming back here / There's only one way / Future Politics / I'm never coming back here / There's only one way / Future Politics", so die ankündigung. Dazu marschiert der Beat nach vorne, der Synth zurrt. Raus aus den Gräbern zum Tanzen: "Realities beating, A grave has been dug / I'm looking for something / To rise up above".

In Utopia trotzt Stelmanis der Entfremdung: "I live in a city full of people I don't know / People riding highways from the workplace to the home / I raise my head, I see they're different than us ( But I only wanna hold your hand my whole damn life!". Die Zukunftsszenarien kommen des Öfteren in 80er-Retro-Sepiaästhetik daher.

Das Utopia von Austra folgt keinem messianischen Fünfjahresplan, aber den Anspruch auf spirituelle und soziokulturelle Erneuerung (mindestens) schwingt durchaus im Timbre mit. Wider der Apathie, wider der Entfremdung. Und was wäre das Spirituelle ohne die körperliche Entgerenzung: "A bag of flesh is a magnet, a scent, a sound corrupt / You took all my dignity, replaced it with a hand / Handle me with ardor and I'll shudder / But my chills are warm / Delusion is persuasion / Tenderizing me inside / I need it / I need it / I need it".

Und weil wir diesen blauen Planeten, der ohne uns alle eigentlich ja ganz schön wäre, so richtig in den Abgrund katapultieren, gibt's gleich noch einen etwas naiven, aber schönen Regentanz an Mutter Erde, Bestandsaufnahme inklusive: "The physical world / Is the only world / If you kill the ground you walk on/ nobody will take you anyway / Gaia, will you meet me in the sand?
Gaia, will you meet me underwater? / Gaia /Gaia, undo the damage before you get an offer
".

Mal geht "Future Politics" in die Offensive, mal will es in den Club, mal kommt es verlockend ätherisch daher – stets mit charmantem Weltverbesserungsanspruch, wie ihn die Popmusik früher gerne mal vor sich hin trug. Tolle Sängerin, durchgehend schöne Platte.

Trackliste

  1. 1. We Were Alive
  2. 2. Future Politics
  3. 3. Utopia
  4. 4. I'm A Monster
  5. 5. I Love You More Than You Love Yourself
  6. 6. Angel In Your Eye
  7. 7. Freepower
  8. 8. Gaia
  9. 9. Beyond A Mortal
  10. 10. Deep Thought
  11. 11. 43

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1 Kommentar

  • Vor 2 Jahren

    Bis ca. Song-Nr. 6 klingt es mitreißend und geradlinig (nix extravagantes, sondern guter Dance-Pop) und dann kommen recht belanglose, dahinplätschernde Songs. Aber egal, mir reichen die ersten paar Songs.