laut.de-Kritik

Nichts zu verlieren: neuer Name, neue Band.

Review von

Die Sonne bahnt sich langsam ihren Weg über die Hügel der großen Stadt. Langsam drängt sie den Frost zurück, der sich in der Nacht unaufhaltsam ans Fenster krallt und erhellt den neuen Tag. Genau in diesem Moment, in dem der alte in Vergessenheit gerät, eröffnen die einst als We Are Augustines bekannte Band aus Brooklyn, New York ihr neues selbstbetiteltes Album unter dem verkürzten Namen.

In "Rise Ye Sunken Ships" blickten Billy McCarthy, Eric Sanderson und Rob Allen in ihr Innerstes. Sie erzählten Geschichten von Schmerz, Verlust und Angst. Songs wie "Book Of James" oder "Chapel Song" umfassen Dramatik und tiefschürfende Erinnerungen. Als Augustines wollen sie aus der Asche auferstehen und nach langen Tourneen und vielen Erlebnissen Neues formulieren.

McCarthys Stimme bleibt sehnsüchtig, rau und leidenschaftlich. Langsam schwingt das Pendel in "Intro (I Touch Imaginary Hands)", noch langsamer nähern wir uns dem ersten Stimmungsaufschwung. "Cruel City" klingt dabei dramatischer, als der Name verspricht. Langgezogene Chöre und eine optimistische Bassline tragen Worte wie "Hey, I love your arms, I still reach for you in the dark / Hey , I miss your skin, I still reach for you in the dark.".

"Nothing To Lose But Your Head" offenbart dann schließlich auch textliche Aufmüpfigkeit gegen das Unvermeidliche. Der aufmunternde Tempowechsel zum Refrain und der trabende Rythmus unterstreichen die Botschaft. Das Lied handelt vom Ende des Wartens auf den richtigen Zeitpunkt. Den gibt es laut Billy McCarthy genauso wenig wie es etwas zu verlieren gibt - Optimismus pur.

Das anschließend etwas zurückgenommene, aber dafür umso poppigere "Weary Eyes" ist Zeuge der neu gewonnenen Euphorie ohne die intensiven Momente der älteren Stücke vermissen zu lassen. Samtweich bzw. episch angehaucht entwickeln sich dann "Walkabout" und "The Avenue" ein. Ein weiterer Schritt in eine neue Richtung.

"This Ain't Me" tendiert dagegen eher zu den guten alten We Are Augustines-Zeiten. Mit dem repetitiven Refrain "I can change, I can change, I can change." greifen sie die Wehmut auf, die sie einst so sehr umgeben hat.

Sehr eindringlich hingegen wirkt "Don't Look Back". Der zunehmend zackige Rhythmus steht in direkter Verbindung zum Text. "Schau nicht zurück, lass alles hinter dir", lautet die Devise zu federleichten Gitarrenparts. " We go up and down you won't see my face again. Come on, get up now, alright." Fast noch schöner: "Kid You're On Your Own" ist wider Erwarten bis oben voll mit positiven Gedanken und Selbstbewusstsein.

Mit jedem Song, der diese das Gemüt erwärmende Sonnenaufgangsstimmung weiter verfolgt, verliebt man sich ein bisschen mehr in die Platte. Hier passt auch endlich der Text: "Stay here, take these shadows off me." Dunkle Gedanken hinter sich lassen, auf der Sonnenseite des Lebens wandeln - die Augustines sind nicht wieder zu erkennen. Es ist schwer, ihren wohl gewählten Worten, der kräftigen Stimme und den vielen Melodien zu entrinnen.

Mit ihrem zweiten Album sind die Augustines eine neu formierte Band. Kurzweilige und gleichzeitig sanft umarmende Songs eröffnen ein neues Selbstbewusstsein. "The depth and the place the first record came from is not something that is repeatable", erzählt der Multi-Instrumentalist Eric Sanderson im Vorfeld und lässt erahnen, was hinter dem Wandel steckt. "It's not something one would want to repeat. We did everything we could - as artists, as men – to learn from that experience, to become better people and move on."

Trackliste

  1. 1. Intro (I Touch Imaginary Hands)
  2. 2. Cruel City
  3. 3. Nothing To Lose But Your Head
  4. 4. Weary Eyes
  5. 5. Don't You Look Back
  6. 6. Walkabout
  7. 7. Kid You're On Your Own
  8. 8. This Ain't Me
  9. 9. Now You Are Free
  10. 10. The Avenue
  11. 11. Highway 1 Interlude
  12. 12. Hold Onto Anything

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6 Kommentare mit 2 Antworten

  • Vor 5 Jahren

    Hab sie mal als Vorband irgendwo gesehen. Kannte sie vorher nciht aber mir kam seine Stimme sehr schnell bekannt vor; klar! von Pela. Die mochte ich ne Zeit lang mal ganz gerne und (damals noch) We Are Augustines haben Live ordentlich eingeheizt. Klang sehr vielversprechend, das Album hat mich dann aber etwas enttäuscht, zwar nicht schlecht aber doch etwas abwechslungsarm und auch leicht langweilend. Mal sehen was die neue kann ich werds mir auf jeden Fall mal anhören, aber ein Blindkauf wirds nicht nochmal...

  • Vor 5 Jahren

    Hab letztens erst zufällig "cruel city" gehört und bin an der band sofort hängen geblieben. Rise ye sunken ships hab ich mir darrauf hin sofort bestellt und kanns wirklich nur jedem empfehlen.

    Zum Probehören würde ich "Nothing to loose but your head", "Call of Juarez" und "chapel song" empfehlen.

  • Vor 5 Jahren

    Dieser Kommentar wurde vor 5 Jahren durch den Autor entfernt.

  • Vor 5 Jahren

    Gefällt mir sehr gut. Deutlich besser als das vorangegangene Album, gerade wegen des Bruchs mit dem früheren Augustines-Stil. Das von JnotY als Highlight ausgemachte "Nothing To Lose" möchte ich auch unterschreiben, aber selbst die schlechteren Stücke fallen nicht weit dahinter zurück.

  • Vor 5 Jahren

    ein wirklich gutes Album, aber es geht nichts ins Herz.

  • Vor 5 Jahren

    Also definitiv ist Rise je sunken ships ein großartiges Album, in das man sich aber reinhören muss. Der Nachfolger ist dann leider wie bei den meisten Bands eher schwächer ausgefallen.