laut.de-Kritik

Wer einen Moll-Akkord spielt, wird erschossen.

Review von

Die Originalbesetzung buhlt nach einem missglückten Comeback-Versuch ("Phoenix") wieder um die Gunst des Publikums. Völlig verunglückte Synthetik-Sounds und austauschbare Melodien träufelten in Form akustischer K.O.-Tropfen aus der Anlage in die Ohren und setzten selbst bei den am härtesten gesottenen Fans das Hörzentrum schachmatt.

Gemeinsam mit Produzent Mike Paxton (Uriah Heep) legen die Alt-Rocker nun ein Album vor, das ihnen vorerst den Eintritt in den Musikantenstadl verwehrt. Mit "Finger On The Trigger" eröffnet ein satter Hardrocker mit bombastischen Chören und Keyboards das Geschehen.

"Light The Way" oder "I Believe" zementieren mit tief in den Achtzigern verwurzelten Grusel-Synthie-Orgien und Bon Jovi-Refrains den Status Quo des Klangspektrums.

Warum manch einer diese Musik mit dem Etikett Progressive Rock versieht, bleibt mir schleierhaft. "End Of The World" oder "Holy War" sind nicht etwa irritierende und fordernde Riff-Monster mit vielen Dissonanzen, sondern schmissiger Radio-Rock mit einigen ausufernden Arrangements.

Oder man nennt es eben einfach AOR. Journey, Boston, Toto, Foreigner oder der Soundtrack des letzten Einhorns luken um die Ecke und dienen als klangliche Referenzen.

Mit Blümchen-verzierten Melodien, meterdickem Keyboard-Kleister, Hall-Orgien, 80er-Serien-Themen und Evergreen-Melodien-Recycling begegnen dem Hörer in jedem Song die allgegenwärtigen Ingredienzen des Asia-Klangkosmos. Wohlfühlen ist Pflicht. Das Motto könnte auch lauten: Wer einen Moll-Akkord spielt, wird erschossen.

Gitarrist Steve Howe (Yes) lässt in seltenen Momenten die Rocksau aus dem Stall flitzen, ansonsten hält er sich zurück und spickt den von Geoff Downes Keyboards dominierten Sound mit unnachahmlichen Licks.

Carl Palmer lässt sich von nichts auf die Palme bringen und trommelt ähnlich wie Phil Rudd gänzlich unspektakulär, aber immerhin effektiv. Einzig der Break in "Holy War", einem zwischen melancholischem Moll-Refrain und kitschiger in Dur gehaltener Strophe pendelndem Midtempo-Rocker, muss mit zwei Armen gespielt werden.

Auch wenn man meint bei "Listen, Children" im Refrain Rolf Zuckowski gemeinsam mit dem Kinderchor St. Josef zu vernehmen, bietet dieser Song mit dem 7/8-Takt im Solo-Part und der nostalgisch verträumten Keyboard-Hookline einige hörbare Momente. "I'm Still The Same" zündet mit einer Beach Boys-anverwandten Melodie, einem Shuffle-Rhythmus und Funk-Gitarren.

Der auf dem Cover platzierte und vom Buchstaben Omega eingerahmte Tiger guckt mit seinen blauen Augen putzig und kuschelig. Drollig wirkt er, aber in keinster Weise bedrohlich. Ein schöneres Sinnbild hätte man für diese Platte nicht finden können.

Trackliste

  1. 1. Finger On The Trigger
  2. 2. Through My Veins
  3. 3. Holy War
  4. 4. Ever Yours
  5. 5. Listen, Children
  6. 6. End Of The World
  7. 7. Light The Way
  8. 8. Emily
  9. 9. I'm Still The Same
  10. 10. There Was A Time
  11. 11. I Believe
  12. 12. Don't Wanna Lose You Know

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1 Kommentar

  • Vor 8 Jahren

    Nicht wieder zu erkennen. Insgesamt ein sehr trauriges Bild. Schade um die schönen Erinnerungen an die "guten alten Zeiten" von Asia. Und das Cover: selten so etwas hässliches/unkreatives gesehen.
    Tja, meine Meinung.