laut.de-Kritik

Kurzweilige Drei-Minuten-Hymnen der irischen Poprocker.

Review von

In der Sturm- und Drangzeit des Britpop galten Ash als eine der großen Genre-Hoffnungen. Doch der Erfolg der ursprünglich vierköpfigen Formation aus Irland gestaltete sich eher überschaubar. Dennoch finden sich im Output der Band eine Menge Song-Perlen, wie die vorliegende Best Of beweist.

Ihr Bekanntheits- und Akzeptanzgrad erreichte nie die Ausmaße von Oasis, doch immerhin die stets hochgelobteren Blur konnten sie in guten Augenblicken kräftig ärgern. Mittlerweile arbeitet die zum Trio geschrumpfte Gruppe als eine Art Phantom-Act, denn klassische Studio-Alben (wie zuletzt "Twilight Of The Innocents") spielen sie nicht mehr ein. Seit 2007 veröffentlichen sie in loser Folge vornehmlich Singles übers Internet, was mit der Anpassung an modernes Konsumverhalten begründet wird.

Noch immer ganz groß: die siegreiche Engelsjagd an Bord des futuristischen "Angel Interceptor" mit krachenden Gitarrenwänden und mitreißendem Schlagzeug-Drive. Dazu ein sich im Ohr einnistender Refrain, der seine Sixties-Herkunft nicht verleugnet und zum Ende hin ein bei The Who trefflich abgeschautes Guitar-Crescendo. Sowieso zieht es die Band thematisch häufig in die unendlichen Weiten des Alls. Tracks wie "Girl From Mars", "Starcrossed" und "Jack Names The Planets" passen bestens in die Jukebox von Alice Coopers Weltraum-Kaschemme aus der Saturn-Werbung.

Gekonnt klauben die Iren populäre Rock- und Pop-Versatzstücke zusammen und bieten viele kurzweilige Drei-Minuten-Hymnen. Ash machen mächtig Lärm, und vor allem richtig Spaß - wenn sie denn den richtigen Song am Wickel haben. Mitunter auftauchende Psychedelik ("Goldfinger") kommt nie bierernst rüber. Aus der höchst unterhaltsamen Zitate-Kiste schaut auch mal Gevatter Grunge vorbei. Cobains berühmte Aufforderung "Here we are now / entertain us" erfüllen Ash voll und ganz.

Der "Wild Surf" bedient sich natürlich im Regal von Dick Dale. Die "Clones" schauen unüberhörbar beim Garagen-Rock vorbei. Neben viel lustvoll ausgespieltem Krach geben sich Ash stets ausgefeilten Pop-Harmonien hin. Selbst ingesamt doch recht durchschnittlich geratene Tracks wie "Shining Light" oder "Sometimes" bergen stets Momente, die das komplette Durchhören lohnen.

Dennoch finden sich die ganz großen Höhepunkte in den Anfangsjahren der Band, mit Ausnahme des eher untypischen "Return Of White Rabbit", das mal ohne die allgegenwärtigen Gitarrenwände auskommt. Für eine gute schnelle Nummer sind die Iren eben immer zu haben.

Trackliste

  1. 1. Girl From Mars
  2. 2. Kung Fu
  3. 3. Angel Interceptor
  4. 4. Goldfinger
  5. 5. Oh Yeah
  6. 6. A Life Less Ordinary
  7. 7. Wild Surf
  8. 8. Shining Light
  9. 9. Burn Baby Burn
  10. 10. Walking Barefoot
  11. 11. Sometimes
  12. 12. Clones
  13. 13. Orpheus
  14. 14. Starcrossed
  15. 15. You Can't Have It All
  16. 16. Twilight Of The Innocents
  17. 17. Return Of White Rabbit
  18. 18. Arcadia
  19. 19. Jack Names The Planets

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