laut.de-Kritik

Der kleine Bruder grüßt den großen Onkel.

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Ein provokanter Mittelfinger als Logo, ein Band-Name, bei dem nicht nur die Mitglieder des Archäologievereins um die Ecke die Hände vors Gesicht schlagen und das vielsagende Siegel des Frei.Wild-Labels "Rookies & Kings": Im Fall des Rheinberger Stiernackenensembles Artefuckt bekommt man es schon vor dem ersten gespielten Ton des dritten Studioalbums "Gemini" ein kleines bisschen mit der Angst zu tun.

Haben wir es hier etwa mit der x-ten Version einer Onkelz-Kopie zu tun? Der selbstbetitelte Opener plustert sich gerade in Richtung Refrain auf, da sind auch schon alle Unklarheiten beseitigt. Dem röhrenden "Uh!" zu Beginn folgen abgedämpfte Powerchords und metallische Drums auf der Überholspur. Der kleine Bruder grüßt den großen Onkel. Und ab dafür.

Wer die Onkelz nicht mag, der braucht gar nicht weiterlesen. Artefuckt kleben nämlich so fest am Rockzipfel der Frankfurter wie ein alter Hubba-Bubba unter einem hölzernen Klassenzimmertisch. Allerdings: Für alle Freunde von Stephan, Gonzo und Co gibt es hier und heute auch nicht viel zu feiern. Artefuckt beherrschen zwar das ABC des gepflegten Krachmachens. Aber dafür hapert es an anderen Stellen umso mehr.

Zunächst aber das Positive: Der "Gemini"-Sound ist satt und druckvoll. Technisch kann man den Männern an den Instrumenten keine großen Vorwürfe machen. Das hat alles Hand und Fuß. Auch Sänger André Donay kompensiert seine Defizite in den Bereichen Phrasierung und Melodieführung mit viel Energie und einer gehörigen Portion Aggressivität. Das gelegte Fundament hat also durchaus Potential.

Nun aber zur Mängelliste. Donays Dynamikanzeige ist nahezu permanent im roten Bereich. Der Frontmann röhrt und näselt in einer Tour. Selbst der eigene Nachwuchs zuckt zusammen, wenn der Papa im Kinderzimmer zum Mikro greift ("Du Bist Das Licht").

Was dem Mann im Rampenlicht auch noch auf die Füße fällt, ist ein Packen voller Texte ohne Nährwert und Substanz. Gereimt wird wie in der Vorschule. Und die Botschaften bedienen so ziemlich jedes Genre-Klischee: "Wir haben das Herz am richtigen Fleck / Sind wir da, hauen wir alles weg / Scheissen auf jeden Gegenwind / Wir wissen wer wir sind", poltert es durch die Boxen.

So ziemlich jeder Song auf dem Album trieft vor prolliger Selbstliebe. Das Leben ist hart. An jeder Rheinberger Ecke lauert der Feind. Verlass ist nur auf den besten Freund ("Ein Mann, Ein Wort!"). Mit viel "Adrenalin" im Blut heißt die Devise: "Volle Kraft Voraus"! Man wünscht sich eine "Gute Reise", setzt "Alles Auf Sieg" und setzt alle Widersacher "Schachmatt". Wer nicht mitzieht, der bekommt den Poesiehammer zu spüren: "Du bist nicht was du sein willst / Wirst es niemals sein / Ich weiß was, was du nicht weißt / Du weißt 'nen Scheiß!"

Artefuckt treten auf ihrem dritten Studioalben in so ziemlich jedes Branchenfettnäpfchen. Eingehüllt in schwarze EMP-Garderobe markieren Shouter André und seine Mitstreiter die harten Macker. Spätestens nach dem zweiten Durchlauf geht einem die einfallslose Melange aus Bierzelt-Metal und schlagereskem Straßenköter-Rock aber zunehmend auf den Zeiger. Irgendwann wird man das Gefühl nicht mehr los: Um hier zu applaudieren müsste man schon vor dem Frühstück eine Roth-Händle ohne Filter inhalieren und das Müsli in lauwarmem Dosenbier baden. Nicht wirklich meine Welt.

Trackliste

  1. 1. Artefuckt
  2. 2. Adrenalin
  3. 3. Diese Tage
  4. 4. Volle Kraft Voraus
  5. 5. Weiß Und Schwarz
  6. 6. Schachmatt
  7. 7. Ein Tag
  8. 8. Schwerelos
  9. 9. Seid Ihr Dabei
  10. 10. Ein Mann, Ein Wort!
  11. 11. Gute Reise
  12. 12. Alles Auf Sieg
  13. 13. Du Bist Das Licht

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