laut.de-Kritik

Der ideale Soundtrack zu einem Softporno.

Review von

Seine Markenzeichen sind der Wuschelkopf und die samtene Stimme. Zwei Merkmale, aus denen Art Garfunkel seit der Zeit mit Paul Simon Kapital schlägt. Nach der Trennung des Duos 1970 ist die Haarpracht dünner geworden, die Stimme hat aber keinen Alterungsprozess erfahren. Im Gegenteil: Seit der New Yorker das Rauchen aufgegeben hat, ist sein Organ noch herzerweichender geworden, wie die Besucher der S&G-Tour 2004 bestätigen können.

Nachdem Garfunkel 2002 mit "Everything Waits To Be Noticed" zum ersten Mal in seiner Karriere selbst geschriebenes Material darbot, kehrt er nun zum gewohnten Schema zurück und interpretiert Stücke Anderer, nämlich vor allem Material aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Zurück in die Vergangenheit. Also auch unter dem Aspekt, dass Richard Perry produzierte, der auch bei Garfunkels erfolgreichstem Soloalbum "Breakaway" am Mischpult stand. Das war 1975.

Keine wirklich spannenden Vorzeichen, also. Der Opener beweist, dass die Vorbehalte begründet sind: Gezupfte Akustikgitarre, seichtes Schlagzeug und Orchester begleiten eine unverwechselbare Stimme, die viel zu sehr auf die Pathos-Tube drückt. "Someone To Watch Over Me" setzt auf der gleichen Schiene fort, "Let's Break Away" und "Quiet Night Of Quiet Stars (Corcovado)" bieten zumindest noch Bossa Nova-Anleihen. Was wenig erstaunt, stammt das zweite Stück aus der Feder Antonio Carlos Jobim, wobei die Version von Stan Getz und Joao & Astrud Gilberto um Lichtjahre besser ist.

Ein Saxophonsolo hier, eine Trompeteneinlage da – die Beteiligten sorgen sich im Detail um Abwechslung, verlieren dabei aber das Ganze aus dem Blick, das viel zu schmalzig ausfällt. Den grauenhaften Tiefpunkt bildet der Titeltrack mit leicht karibischen Perkussionen. "Once you have found her, never let her go", trägt Garfunkel vor. Bei dieser Musik besteht eher die Gefahr, dass die Auserwählte auf Nimmerwiedersehen abhaut.

Eines dürfte klar geworden sein: "Some Enchanted Evening" bietet einen sehr hohen Schnulzfaktor. "Ich wollte Ruhe in diese nervöse Welt bringen. Es ist der richtige Zeitpunkt, um zu vermitteln, zu trösten, nachzudenken, miteinander zu reden und die Dinge mit einer Prise Humor zu nehmen. Es ist der richtige Moment für liebliche Klänge und eine verführerische, nachdenkliche Musik, die aus dem Inneren kommt", erklärt Garfunkel auf seiner Webseite. Wird durch diese Platte der weltweite Frieden einkehren? Jedenfalls ist ihm der ideale Soundtrack zu einem Softporno gelungen.

Trackliste

  1. 1. I Remember You
  2. 2. Someone To Watch Over Me
  3. 3. Let's Fall In Love
  4. 4. I'm Glad There Is You
  5. 5. Quiet Nights Of Quiet Stars (Corcovado)
  6. 6. Easy Living
  7. 7. I've Grown Accustomed To Her Face
  8. 8. You Stepped Out Of A Dream
  9. 9. Some Enchanted Evening
  10. 10. It Could Happen To You
  11. 11. Life Is But A Dream
  12. 12. What'll I Do
  13. 13. If I Loved You

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