4. August 2011

"Auf Festivals siehst du zu viel Nackte"

Interview geführt von

Wir haben auf dem Gurten-Festival in der Schweiz Gitarrist Jamie Cook und Bassist Nick O'Malley im Backstage vor ihrem Konzert getroffen.Gut gelaunt erzählten uns die beiden, was sie auf Festivals auf keinen Fall sehen wollen und was sie von illegalen Downloads halten. Weitere Themen: Der Oasis-Split, der Stilwechsel beim neuen Album und die Arbeit mit Josh Homme.

Nick, Jamie, wie ihr hört, spielen gerade Beady Eye. Habt ihr sie schon live spielen sehen?

Nick: Ja, überraschenderweise haben viele Festivals die gleichen Line-Ups. Speziell in Europa. Wir haben schon fünf bis sechs mal mit ihnen auf dem gleichen Festival gespielt.

Mögt ihr sie?

Jamie: Oh yeah!

Was denkt ihr über den Oasis-Split?

Jamie: Ich weiß nicht so recht. Wir waren sicher sehr enttäuscht. Schließlich waren wir alle große Fans von Oasis.

Nick: Es ist sicher schwierig, mit seinem Bruder in einer Band zu spielen. Die beiden konzentrieren sich jetzt Solo-Projekte, aber ich denke, die werden wieder zusammen kommen.

Was können wir von Noel erwarten?

Jamie: "High Flying Birds" heißt ja das Album. Er ist wirklich ein guter Songwriter. Die Erwartungen sind sehr gut. Ich bin zuversichtlich.

Habt ihr auch manchmal Konflikte in der Band?

Nick: Überraschenderweise nicht. Wir waren ja schon Freunde, bevor wir die Band gründeten. Ich denke, das hilft.

Geht ihr eigentlich manchmal auch ganz privat, also mit Freunden an Festivals?

Jamie: Ja, wir waren am Glastonbury und hingen da bisschen ab. Das wars dann aber auch. Ich werde wohl in diesem Jahr für eine lange Zeit auf keine Festivals mehr gehen. Wir spielen ja selber auf sehr vielen Festivals. Vielleicht wieder im nächsten Jahr.

Was ist das Schlimmste, das euch je auf einem Festival passiert ist?

Nick: Das Schlimmste? Hm. Du siehst Leute nackt, die du definitiv lieber nicht nackt sehen möchtest. Das ist wohl das Schlimmste. Die Leute sind gut drauf, betrinken sich und ziehen sich dann aus. Das willst du echt nicht sehen.

Und dir, Jamie?

Jamie: Dem stimme ich absolut zu. Das ist wirklich schlimm.

Welche Rolle spielt es denn für euch, auf einem Festival oder in einem Club zu spielen?

Nick: Wenn du in einem Club spielst, weißt du, dass das Publikum nur wegen dir da ist. Auf einem Festival sind viele vielleicht gar nicht wegen dir gekommen. Aber das ist auch eine Chance. Du kannst Leute auf dich aufmerksam machen, die dich bis jetzt nicht kannten.

Ist es denn schwierig, diese Leute zu erreichen?

Nick: Nein, nicht für uns (lacht).

"Wir wollten nicht vier Alben, die gleich klingen"


Auf dem neuen Album sind ja viele ruhige Lieder. Kommen die bei Live-Shows gut an?

Nick: Wir performen nicht viele ruhige Lieder live. Schon gar nicht auf Festivals, wo das Publikum unterhalten werden will. Die ruhigeren Lieder spielen wir dann lieber in Club-Shows, wo es intimer ist. Wir spielen aber trotzdem ungefähr sieben Lieder des neuen Albums. Der Rest besteht aus älteren Songs.

Eure Musik hat sich ja von eurem Debüt bis zu "Suck It And See" unglaublich verändert. Speziell von "Favourite Worst Nightmare" zu "Humbug" gab es eine enorme Veränderung des Stils und eine lange Pause. Wie kam es dazu?

Jamie: Alex brachte ja in dieser Zeit ein eigenes Album mit den Last Shadow Puppets raus. Zwischen den Alben gab es ja eine Pause von neun Monaten. Für uns fühlte sich das aber viel kürzer an. Wir alle haben einfach in dieser Zeit verschiedene Musikstile gehört und ausprobiert. Ich denke, es ist wichtig, seinen Stil ab und zu zu ändern. Ich selber mag Bands, die das tun.

Nick: Es ist auch einfach langweilig, wenn du immer das Gleiche spielst. Den gleichen Stil hast. Es ist wichtig, sich weiter zu entwickeln. Wir wollten nicht vier Alben, die gleich klingen.

Habt ihr nicht befürchtet, eure Fans, speziell in England, zu enttäuschen? Ihr klingt ja nicht mehr sehr britisch.

Jamie: Nein!

Nick: Nein! Eher befürchteten wir, die Fans mit immer dem gleichen Sound zu langweilen.

Okay, daran war ja auch Josh Homme wesentlich beteiligt. Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Jamie: Als wir die Stücke für Humbug in Leaders Farm (Tonstudion in Wymondham, Norfolk UK, Anm. d. Red.) geschrieben und einige wirklich rohe Demos aufgenommen haben, kam Lawrence (Laurence Bell, der Gründer von Domino Records, bei dem die Arctic Monkeys unter Vertrag sind, Anm. d. Red.) vorbei und fragte, ob wir einen Vorschlag hätten, mit wem wir zusammen arbeiten möchten. Wir dachten damals an Josh Homme - Lawrence sagte: "Warum fragt ihr nicht einfach". Wir haben dann unsere Demos an Josh geschickt, der uns dann in die Wüste eingeladen hat.

Wart ihr überrascht, plötzlich mit Josh Homme zusammen zu arbeiten?

Jamie: Klar. Er hatte bis dahin ja nur mit wenigen Bands außerhalb der Queens was aufgenommen. Er achtet sehr darauf, mit wem er zusammen arbeitet. Es war wirklich toll, dass das geklappt hat.

Gibt es Pläne für eine zweite Produktion mit ihm?

Jamie: Oh, ich hoffe es! Das wäre toll.

Aber konkrete Pläne gibt es noch nicht?

Nick: Nein, bis jetzt nicht.

Warum nicht?

Nick: Nun, du kannst diese Dinge nicht forcieren. Wir haben nie gesagt, dass wir nie mehr mit Josh zusammen arbeiten werden. Vielleicht verabreden wir uns wieder mal. In ein paar Jahren oder so.

Ist es nicht ein wenig seltsam, dass "Suck It And See" ziemlich ähnlich wie "Humbug" klingt, obwohl ihr es an einem komplett anderen Ort, nämlich in L.A, aufgenommen habt?

Jamie: Wir haben die Stücke ja nicht in L.A. geschrieben, sondern während zwei bis drei Monaten zu Hause in England. Dann gingen wir ins Studio in L.A, um die Songs live einzuspielen. In diesem Studio wurden übrigens "Nevermind" und andere großartige Alben aufgenommen. Das Wetter war war im Januar auch wirklich besser als in England.

Nick: Es wurden richtige Ferien draus.

"Vielleicht bringen wir den Glam zurück"


Wenn ich euer Album "Suck It And See" anhöre, habe ich das Gefühl, dass ihr nun euren Stil gefunden habt. Es ist die Symbiose zwischen "What ever People Say I am, That's What I am Not" und "Humbug". Wie seht ihr das? Oder seid ihr immer noch in einem Prozess und das nächste Album wird wieder ganz anders klingen?

Jamie: Hm, möglicherweise. Aber wir haben uns jetzt noch nicht einen speziellen Stil für das nächste Album ausgedacht. Das aktuelle Album ist ja noch ziemlich frisch, selbst für uns. Ich bin sicher, wir werden wieder etwas anderes versuchen.

Nick: Ja, es ist noch ziemlich früh über ein nächstes Album zu reden. Vielleicht machen wir ja was mit Eyeliner, bringen den Glam zurück (lacht).

Wisst ihr, ob Alex was Neues mit The Last Shadow Puppets plant?

Nick: Keine Ahnung. Miles (Miles Kane, neben Alex der zweite Part der Puppets, Anm. d. Red.) veröffentlicht bald sein eigenes Soloalbum. Der wird sicher die nächste Zeit damit beschäftigt sein.

Ihr wurdet in den Anfängen vor allem durch das Internet bekannt. Wie konsumiert ihr eigentlich Musik? Ladet ihr sie runter, kauft ihr CDs oder Platten?

Nick: Alles davon. Je nachdem, wo ich bin und was ich will. Wenn ich einen guten Plattenladen finde, kaufe ich auch ganz gerne alte Vinyls.

Jamie: Ich versuche immer CDs zu kaufen, ich verliere viele Sachen.

Nick: Er verliert iPods.

Jamie: Ja, leider. Aber es ist schön, CDs zu besitzen.

Viele laden ihre Musik illegal herunter. Was sagt ihr dazu?

Jamie: Nun (seufzt schwer). Das Ding ist: Viele entschuldigen illegale Downloads mit der Ausrede, dass diese Musiker sowieso schon Rockstars und Millionäre sind und Geld gar nicht mehr nötig haben. Darum geht es aber nicht. Es geht um die Nachwuchsbands, um die kleinen Plattenlabel. Die Leute müssen begreifen, dass viel mehr Leute in der Musikindustrie tätig sind, als man auf den ersten Blick wahr nimmt. Da hängen eine Menge Jobs dran. Was denkst du darüber?

Sorry, ich würde dir die Frage gerne beantworten, wir haben leider keine Zeit mehr und ich möchte dir noch eine letze Frage stellen.

(Die A&R Managerin der Monkeys steht schon neben den beiden und macht auf die abgelaufenen 15 Minuten aufmerksam)

Was sind eure nächsten Pläne?

Nick: Wir werden noch bis Ende des Jahres live spielen. Danach weiß ich ehrlich gesagt noch nicht, was ansteht. Ich habe zumindest noch keine großen Pläne.

Alles klar, vielen Dank für das Interview.

Jamie: Danke, gleichfalls, cheers.

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