laut.de-Kritik

Mit festem Sänger zieht's die Finnen in leblose Alternative-Welten.

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Nach dem man sich im Hause Apocalyptica in den vergangenen Jahren der Fähigkeiten diverser Gaststars bediente, machen die Finnen auf ihrem neuen Album "Shadowmaker" nun Nägel mit Köpfen. Die Zeitarbeiter-Phase ist vorbei, von nun an gehen Apocalyptica mit einem festen Sänger auf Reisen. Dieser heißt Franky Perez, seines Zeichens Ex-Gitarrist bei Scars On Broadway.

Nach einer knappen halben Minute des Openers "Cold Blood" werden bereits die ersten Schubladen geöffnet. Wo könnte man das Organ des Amerikaners wohl am ehesten verstauen? Hardrock, Classic-Rock, Alternative - letztlich bekommt jede Abteilung ein Stück vom Perez-Kuchen ab, denn der neue Mann an vorderster Front lässt sich nur ungern einengen. So mimt er auf Stücken wie dem bereits erwähnten "Cold Blood" und den beiden gesanglich ähnlich gestrickten "House Of Chains" und "Come Back Down" den Hardrock-meets-Alternativ-Aggressor, während der Rest des Materials eher mit Classic-Rock-Gesangsdarbietungen unterlegt wird.

Wobei "der Rest des Materials" nicht ganz zutrifft, denn auf Songs wie "I-III-V Seed Of Chaos", "Reign Of Fear", "Riot Lights" und "Till Death Do Us Part" lassen es sich die drei Cellisten Eicca Toppinen, Paavo Lötjönen und Perttu Kivilaakso nicht nehmen, ihre Instrumental-Fertigkeiten mal wieder eindrucksvoll unter Beweis zu stellen. Schneller, höher, weiter heißt wieder die Devise, wenn die drei Flitzefinger ihre Klassik-Instrumente bis zum Äußersten reizen. Große Spuren hinterlassen die Skandinavier aber nur mit Letztgenanntem; einer detailverliebt arrangierten Dynamik-Achterbahnfahrt, die kaum Zeit zum Luftholen lässt.

Nun aber zurück zum eigentlichen Spannungsfeld des Albums, das am Ende dann irgendwie doch nicht so viele Zuckungen verursacht wie erwünscht, erhofft und sicherlich auch erwartet. Das liegt aber weniger an Franky Perez, der auch während der ruhigeren Momente des Albums durchaus solide, bisweilen sogar bemerkenswert Arbeit abliefert ("Slow Burn", "Hole In My Soul", "Sea Song (You Waded Out)", "Dead Man's Eyes"), sondern vielmehr an der uninspiriert vor sich hin dudelnden musikalischen Grundausrichtung des Albums. Diese orientiert sich nämlich an leblosem Alternativ-Allerlei.

Es gibt keinen Song, der wirklich heraussticht. Und das Schlimmste: Man hört dem Album während seiner Kollektiv-Momente nicht mal mehr an, dass es sich hier um eine Band handelt, deren Trademarks eigentlich aus dem klassischen Bereich stammen. Die Cellos sind oftmals kaum noch als solche wahrzunehmen. Der Sound, der durch die Boxen quillt, gleicht eher dem jeder x-beliebigen Radio-Rock-Combo, die zwischen verzerrten Gitarren hin und wieder ein Klang-Gimmick einstreut, um sich von der Masse abzuheben. Das gelingt aber nur selten bis gar nicht. Auch nicht in diesem Fall.

Trackliste

  1. 1. I-III-V Seed Of Chaos
  2. 2. Cold Blood
  3. 3. Shadowmaker
  4. 4. Slow Burn
  5. 5. Reign Of Fear
  6. 6. Hole In My Soul
  7. 7. House Of Chains
  8. 8. Riot Lights
  9. 9. Come Back Down
  10. 10. Sea Song (You Waded Out)
  11. 11. Till Death Do Us Part
  12. 12. Dead Man's Eyes

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8 Kommentare mit 16 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    leider die richtige bewertung. enttäuschend.

  • Vor 3 Jahren

    Enttäuschend kann es doch nur sein, wenn man mit positiven Erwartungen herangegangen ist. Und das hier ist schließlich ein Apocalyptica Album...

  • Vor 3 Jahren

    Haben ein paar echt gute Songs. Ein komplettes Album schaffe ich zwar auch selten, aber ich picke mir einfach die Songs heraus, die ich für gut halte. Der Sound der Finnen war bis jetzt dank der Celli auch immer sehr interessant, zumal die Mischung aus Klassik und Metal ziemlich gute Stücke hervorgebracht hat. Bin ja mal gespannt, wie das auf der neuen Platte ist, wenn es heißt, dass Apocalyptica jetzt x-beliebig klingen....

    • Vor 3 Jahren

      Siehe mein Kommentar. Wenn du auf den letzten Alben Songs für dich gefunden hast, wirst du auch auf dem neuen Albem welche finden. Der Sound hat sich im Vergleich dazu nicht wirklich gewandelt.

  • Vor 3 Jahren

    Gegen The Great Kat kommt diese Musik nicht mal ansatzweise ran. Ok, das Wagneralbum von Apocalyptica war nicht übel. Apocalyptica können Wagner aber nur nachahmen, The Great Kat kann Wagner shredden. :D

  • Vor 3 Jahren

    Richtig innovativ waren sie nur auf der "Cult". Die lief damals ziemlich häufig bei mir. Spätestens seit sie vermehrt auf Schlagzeug-Begleitung setzen wurde mir das alles zu gewöhnlich.

  • Vor 3 Jahren

    Mein erster Eindruck vom Album, war ernüchternd. Bis auf die drei Songs wo die Jungs alleine ihren "Cellozauber" vollführen, kann ich nicht allzu viel damit anfangen. Zuviel Gitarren geschrammel und viel von diesem furchtbaren "ich tu mal so als wäre ich ein rockstar" Sänger (der für mich wie jeder x-Beliebige Sänger daher kommt) und viel zuwenig Cello.
    Jungs tut uns den gefallen...
    Ihr seit doch eine Streicher- Band, streicht den Sänger ;)