laut.de-Kritik

Roundhouse-Kick durch den Metalcore-Kosmos.

Review von

Erste Aufmerksamkeit erregten Any Given Day zwar mit einem Cover von Rihannas "Diamonds". Seitdem haben die Gelsenkirchener aber hart und erfolgreich daran gearbeitet, nicht darauf reduziert zu werden. Schon mit ihren ersten beiden Alben positionierten sie sich als vielversprechende neue Player in der deutschen Core-Szene und meldeten mit einem Matt Heafy-Feature internationale Ambitionen an. "Overpower" rechtfertigt das allemal.

Maßgeblichen Anteil daran trägt Fronter Dennis Diehl. Er erreicht in harten Passagen beinahe die Durchschlagskraft eines Winston McCall, zeigt aber auch in melodischen Cleans viel Stimmvolumen. In "Devil Inside" schwankt er zwischen aggressivem Parkway Drive-Knurren und klaren Power-Vocals à la Disturbed. "Loveless" dominiert er mit einem Duktus zwischen Nu Metal und Hardcore.

Von Djent bis hin zu groovendem Pop-Metal der Marke Five Finger Death Punch oder Bad Wolves verarbeiten Any Given Day verschiedenste Elemente des inzwischen recht weitreichenden Metalcore-Kosmos'. Weil dabei einerseits die Melodien nur selten zu süffig und süß, und andererseits die brutalen Parts nie zu bloßem Geballer verkommen, sondern stimmig in den Songstrukturen aufgehen, dürften sie sowohl Hörer aus extremen als auch eher Mainstream-orientierten Schichten ansprechen.

Vielleicht gerade deshalb ist die Formel, nach der Any Given Day ihre Songs schreiben, recht schnell durchschaut. In der Regel folgen sie dem bewährten Prinzip, verzwirbelte Riffs und Streams in die Strophe zu verlagern und schaffen dann im Refrain mit breiten Akkordflächen Platz für Diehls Clean-Hooks. Dort tendieren sie sowohl lyrisch als auch musikalisch zu Allgemeinplätzen und opfern zugunsten der Eingängigkeit ein Stück weit ihr eigenständiges Gesicht. "Lonewolf" zum Beispiel wirkt wie aus der Schablone für zeitgemäße Genrekost gepaust, elektronische Texturen inklusive.

Ob nun aber eigenständig oder nicht: Any Given Day präsentieren auf "Overpower" einfach starke Songs. Einige der auffälligsten heißen "Fear", "Take Over Me" und "Defeaning Silence". In ersterem schlagen sie mit guten Gespür für Arrangements den Bogen von Trap-infiziertem Electro-Pop über einen power-balladesken Mittelteil hin zu einer epischen, gegrowlten Klimax.

"Taking Over Me" kratzt am Industrial und kommt mit fiesen Doublebass-Attacken und Breakdowns insgesamt etwas roher als der Rest des Albums daher. Mit "Defeaning Silence" gelingt den Gelsenkirchenern zwischen Blastbeats und Hardcore-Punk-Intermezzo ein Leadgitarren-Hammer mit Trivium-Schlagseite, den man so schnell nicht mehr aus dem Ohr kriegt.

Kurzum: Wer hier zugreift, macht nichts falsch.

Trackliste

  1. 1. Start Over
  2. 2. Loveless
  3. 3. Savior
  4. 4. Taking Over Me
  5. 5. Lonewolf
  6. 6. Devil Inside
  7. 7. Sure To Fail
  8. 8. In Deafening Silence
  9. 9. Whatever It Takes
  10. 10. Fear
  11. 11. Never Surrender

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1 Kommentar

  • Vor 4 Tagen

    Richtig solider Core. Der Sänger ist echt n Tier und es macht echt Bock die Band live zu sehen. Damals noch als Vorgruppe von Eskimo Callboy gesehen. Seitdem gab es in Sachen Produktion und Writing nochmal ne ordentliche Entwicklung. Auf jeden Fall mehr reinhören, wer dem Metalcore nicht abgeneigt ist.