laut.de-Kritik

Oha, hier klingeln die Loveparade-Alarmglocken.

Review von

Der Offenbacher Electro-Meister Anthony Rother meldet sich mit dem zweiten Longplayer auf seinem eigenen Label Datapunk zurück. Sein "Super Space Model", Nachfolger von "Popkiller", will eine stylishe Modenschau eines zeitgemäßen Techno-Electro-Hybrides aufs Parkett bringen, stolpert dabei aber ziemlich über den Catwalk. "Nature is a supermodel, full of beautyness and happiness"; die prägnanten, aufdringlich platzierten Vocals auf dem neuen Album steuert Rother höchstpersönlich bei.

Teils gesprochene, teils gesungene formelhafte Phrasen, die den schwachbrüstigen Tracks Gesicht und Wiedererkennungswert geben sollen. Lyrisch hochwertig geht es dabei natürlich nicht zu: "We are the youth, we are the future". Bei solch markigen Worten klingeln unweigerlich sämtliche Loveparade-Alarmglocken. Dazu noch ein "th", wie es deutscher nicht mal bei Rammstein klingt. So gut das in bestimmten Situationen kommen kann, hier wirkt es dämlich. Auf der Tanzfläche spielt das letztendlich zwar keine Rolle mehr, trotzdem mag man durchaus eine gute Gesangsstimme dieser langsam ausgelutschten Electroclash-Ästhetik vorziehen. Aber das ist Geschmackssache.

Gravierender ist da schon der enttäuschende Mangel an Ideen und Liebe zum Detail. Der musikalische Rahmen von "Super Space Model" setzt sich aus schlanken Electro-Beats, Synthiespielereien und ein bisschen Vocoder zusammen. Reduziert, retro und in ein DJ-Set an passender Stelle eingebaut sicher ein gefundenes Fressen für das Partyvolk. Für sich allein steht hier aber in fast allen Tracks viel zu wenig. Die Generierung "unglaublich intensiver Bilder", die der offizielle Promotext in dem Album sieht, muss sich auf eine andere Schaffensperiode des Datapunks beziehen. Rother hörte sich jedenfalls schon mal wesentlich spannender an.

Ansätze von richtigen Blockbustern wie das eingängige "Nature" arbeitete er nicht konsequent genug heraus, bei anderen Tracks lässt Rother jeglichen Esprit vermissen. Und die paar kompakten Clubhits können das viele Stückwerk und Mittelmaß auf dieser CD nicht mehr aufwiegen. Schade! "Super Space Model" klingt eher wie ein spontanes Liveset und weniger als ein Album mit Substanz, Tiefgang und Nachhaltigkeit. Wenn das alles ist, was man von modernem Electro erwarten darf, dann viel Spaß damit!

Trackliste

  1. 1. Nature
  2. 2. Don't Worry
  3. 3. Youth
  4. 4. Space Rock
  5. 5. Push To Talk
  6. 6. God
  7. 7. Lucifer
  8. 8. Why?
  9. 9. Brainshaker
  10. 10. Roses
  11. 11. Sleep
  12. 12. Who Dies ?

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