laut.de-Kritik

Radikale Abkehr von gängigen Spielarten des Techno.

Review von

Mit "Gens" legt Berghain-Resident Patrick Gräser alias Answer Code Request seine zweite LP vor. Die klingt mit ihrer düsteren Atmosphäre einerseits absolut typisch nach schwerem Berliner Techno, macht gleichzeitig aber vieles anders. Direkten Anschluss an den Dancefloor mit rasanten 4/4-Tracks im bekannten BPM-Spektrum sucht man vergebens. Answer Code Requests Ansatz ist sperrig und erzeugt seine Anziehungskraft mit einer radikalen Abkehr von standardisierten Spielarten des Techno.

Der Titeltrack und Opener "Gens", der mit undefinierbaren Noise-Elementen beginnt und den Hörer daraufhin mit bedrohlichen Synths in die Tiefe zieht, ehe die immer wieder aufflackernden Kickdrums nach über zwei Minuten von einem brüchigen Beat unterstützt werden, ist Vorbote auf einen düsteren Trip durch einen Sumpf aus Breakbeats, hektischen Hi-Hats und unbequemen Klangfarben.

"Sphera" agiert anschließend mit einem schleppenden Dubstep-Beat in bester Shackleton-Manier, bis zur Unkenntlichkeit verzerrten Funkspruch-Samples und gegen Ende sogar mit helleren, sphärischen Pads. Der unbehagliche Grundtenor bleibt aber bestehen.

Die Chance, erstmals durchzuatmen, bietet der Vorab-Release "Knbn2": Die glasklaren Breakbeats mit weichen D'n'B-Snares ragen auf einem Album, auf dem ansonsten undurchsichtige Strukturen dominieren, heraus. Gräser beweist an dieser Stelle Feingespür und begrenzt den Track auf knapp vier Minuten, weswegen die auf Dauer etwas zu aufgeweckte Fusion aus Uptempo und quietschigen Synths nicht weiter ins Gewicht fällt.

Intelligent in die Mitte des Hörerlebnisses platziert, dehnen die Ambient-Nummern "Orarum" und "Mora" die Regenerationsphase aus und leiten gelungen in die zweite Hälfte über. Vor allem Ersteres überzeugt mit synthetischen Orgelflächen und meditativem Insektenzirpen.

An dieser Tiergattung scheint Answer Code Request ohnehin einen Narren gefressen zu haben, wie das Albumcover und nicht zuletzt "Cicadae" (lateinisch für "Zikade") beweisen. Doch auch das theoretisch tanzbarste Stück des Albums, inklusive 4/4-Kicks, will nicht um jeden Preis gefallen und schleppt sich dezent seiner Wege, nimmt sich reduzierte Pausen und visiert keinen künstlichen Höhepunkt an.

Von der stetig aszendierenden Bleep-Orgie "Res" über das kurze aber wirkungsvolle "Audax" bis hin zum ungleich zugänglicheren "Tu" und dem auf seltsame Art beruhigenden, obskuren Closer "An Unattainable Distance" fällt auch gegen Ende des Albums kein Track ab.

So bleibt als Fazit, dass die, besonders im Bereich der elektronischen Musik, bis zum Erbrechen durchexerzierte Phrase vom "unverwechselbaren Stil, der sich aus der Flut an Artists abhebt" im Falle Answer Code Requests absolut zutrifft. Betrachtet man dazu die Vielfalt des Genres, kann es ein größeres Kompliment kaum geben.

Trackliste

  1. 1. Gens
  2. 2. Sphera
  3. 3. Ab Intus
  4. 4. Sensa
  5. 5. Knbn2
  6. 6. Orarum
  7. 7. Mora
  8. 8. Cicadae
  9. 9. Res
  10. 10. Audax
  11. 11. Tu
  12. 12. An Unattainable Distance

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3 Kommentare mit 2 Antworten

  • Vor einem Jahr

    Sehr vielfältig, ohne dass man stimmige Spannungsbögen vermisst. Braucht seine Zeit, aber nach ein paar Durchgängen kommt man doch gut in den Fluss des Albums. Echt gut geworden.

  • Vor einem Jahr

    Langweilig und unterscheidet sich auch kaum von anderen Ostgut-Releases der letzten paar Jahre. Das letzte wirklich hervorragende Album darauf war 'Arc Angel' von PAS. Kann man sich lieber den Fiedel-Mix von neulich geben. Der Club hat auch schon bessere release parties gesehen als zu dieser Veroeffentlichung.

    Die Leute dahinter sind mal richtig widerlich, aber die Voitax-Compilation ist grossteils exzellent.

  • Vor einem Jahr

    Trifft genau meinem Geschmack. Ostgut ist seit Jahren ein Garant für herausragende Produktionen. Vom Feinsten!