laut.de-Kritik

Finessen, Frickeleien und große Melodien.

Review von

Trägt man nur der atemberaubenden Virtuosität der Musik von Animals As Leaders Rechnung, landet man schnell bei Attributen wie Hochleistungssport oder ADHS-Musik. Diese Zuschreibungen werden dem Einfallsreichtum in puncto Klangbild und Songwriting aber nicht annähernd gerecht.

Dass man es hier nicht mit seelenlosem Gefrickel zu tun hat, erschließt sich dem Hörer mitunter erst auf den dritten oder vierten Höreindruck. Klar scheint auch, dass die in Musik gegossenen Hirnstürme von Bandkopf Tosin Abasi nicht dazu taugen, sich einen gemütlichen Abend mit Duftkerzen, Räucherstäbchen und Entspannungsbad zu gönnen, wohl aber zu einer Reise einladen, bei der Apollo und Dionysos abwechselnd den Ton angeben sowie Harmonie und Destruktivität im ständigen Wettstreit miteinander stehen.

Zudem bedarf es einem Hang zu höherer Algebra, klassischer Musiktheorie oder Jazz-Harmonielehre, um den Kompositionen im Detail folgen zu können. Dabei nehmen Animals As Leaders bereits dem ungestümen, juvenilen Sturm- und Drang der früheren Veröffentlichungen etwas den Wind aus den Segeln, indem sie ihren Songs mehr Struktur verleihen.

In rein instrumentaler Manier jongliert man gekonnt mit unterschiedlichen Stilen wie Jazz und Elektro, lässt einige weltmusikalische Farbtupfer zu und verharrt nicht zu sehr auf der progmetallischen Basis wie Scale The Summit oder Protest The Hero. So entwickelt man einen Sog der auch die großen New Prog-Großtaten der letzten Jahre - das interstellare Komplex-Bombast-Opus mit Hyperantrieb-Boost von Between the Buried and Me und die psychoanalytische Tiefseefahrt von The Ocean – auszeichnet.

Was wäre diese an Finessen, Frickeleien und Fantasie reiche Mucke ohne die grandios sich entfaltenden Melodien, die die ruppigen Riffpassagen, das minimalistisch eingestreute Sounddesign und die harmonisch wie rhythmisch abgedrehten Parts veredeln und zu Kleinoden komprimieren, die in ihrer Ästhetik die Bandbreite menschlicher Gefühle nachvollziehbar abbilden. Gerade die Gitarrenarbeit offenbart bei stets vorhandener schwindelerregender Virtuosität ein melodisches Feingefühl, von dem die meistens Shredder noch viel lernen können.

In "Para Mexer" beschwört eine spanische Gitarre eine nocturne Kulisse, in der Traum und Realität verschwimmen. "Another Year" entwickelt sich von einem plüschigen Rührstück, das zunächst Pat Metheny im Fahrstuhl vermuten lässt, über einen powervollen Einschub in bester skandinavischer Riff-Tradition hin zu einer gekonnten Zusammenführung dieser beiden Pole. Hervorzuheben sind auch die irrwitzige Slappassage in "The Woven Web" oder das hyperaktive "Tooth And Claw".

Die Songs evozieren Stimmungen und Bildern auf einer intertextuellen Ebene und entziehen sich einem klaren musterhaften Bedeutungsschema und tragen zu einem Flow bei, der sich beim Hören einstellt. Ein sich treiben lassen, The Joy Of Motion eben.

Trackliste

  1. 1. Ka$cade
  2. 2. Lippincott
  3. 3. Air Chrysalis
  4. 4. Another Year
  5. 5. Physical Education
  6. 6. Tooth And Claw
  7. 7. Crescent
  8. 8. The Future That Awaited Me
  9. 9. Para Mexer
  10. 10. The Woven Web
  11. 11. Mind = Spun
  12. 12. Nephele

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