laut.de-Kritik

Ein zeitloses kleines Folk-Juwel.

Review von

Aus welchem Jahr mag dieses Album stammen? Ist es eines jener verschollenen Meisterwerke, die nach Jahrzehnten aus der Versenkung auftauchen? Oder doch eine zeitgenössische Produktion, die auf Vintage macht?

Mit dem Veröffentlichungsdatum, Oktober 2018 in Deutschland, entpuppt es sich als Letzteres. Vom Inhalt her trifft aber Ersteres zu. Denn die gebürtige Kalifornierin hat in Nashville alles wie zu den guten alten Zeiten gemacht (falls es die jemals gegeben hat): einen Lieblings-Produzenten ausgesucht, ihre semi-akustische Gibson von 1956 ausgepackt und ihre Gedanken über Liebe, Sehnsucht und Tod auf Tonband festgehalten. Eine Vorliebe fürs 'Antike', die sich auch bei den erhältlichen Formaten zeigt, denn neben digitalen Medien sind auf ihrer Webseite auch Vinyl, Tonband und sogar CDs in selbst dekorierten Zigarren-Boxen verfügbar.

Musikalisch orientiert sich Amber Rubarth klar an Gillian Welch. Was sicherlich auch daran liegt, dass Produzent Matt Andrews schon seit vielen Jahren mit der Country-Künstlerin zusammenarbeitet, angefangen bei "Time (The Revelator)" (2000).

Wie bei Welch schimmert bei Rubarth durch eine verletzlich wirkende Fassade ein starker Wille. Was ihr fehlt, ist die symbiotische Unterstützung eines Dave Rawlings, wodurch ihre Stimme eine Spur zu unsicher klingt. Doch das ist das Einzige, worüber es bei diesem bemerkenswerten Album zu meckern gibt.

Die Stücke schrieb Rubarth im Staat New York, wo sie eine Zeit lang im Tal des Hudson-Flusses lebte. Keine einfache Zeit offenbar, auch wenn sie dort ein hörenswertes Album mit orchestral arrangierten Stücken aufgenommen hat ("Scribbled Folk Symphonies", 2016). Nach einem schweren Autounfall dachte sie sogar darüber nach, die Gitarre an den Nagel zu hängen.

Im Opener und Titeltrack besucht sie einen Friedhof. Sie beobachtet, wie an einem Ort des Todes viele Pflanzen gedeihen und die Natur keine Pausen kennt. Ein steter Wandel, der auch die Antworten auf ihre existentiellen Fragen betrifft: Kaum scheint sie eine gefunden zu haben, ist sie schon wieder verflossen. "I'm standing at the edge of where the river meets the sky / Holding my head up and closing my eyes / And all the answers I've been hoping to find are written in the water."

Gedanken aus der Romantik, die wunderbare botanische Abbildungen im Booklet unterstreichen. Überhaupt hat sie viel Arbeit ins Booklet gesteckt, wie auch in die Aufnahmen. Deren Beginn eher beiläufig begann: Rubarth hatte bei Matthews als Praktikantin angeheuert, um das Leben auf der anderen Seite des Mischpults kennen zu lernen. Als sie bei einer Mikrophonprobe den Titeltrack sang, war Matthews so angetan, dass sie nach und nach das gesamte Album aufnahmen, mit gelegentlicher Unterstützung durch Bass, Perkussionen und weiterer Instrumente, die aber dezent im Hintergrund bleiben.

Im Mittelpunkt stehen Rubarths warme Stimme, ihre unaufgeregt gezupfte Gitarre und eine wunderbar träumerische Stimmung, die zum wiederholten Einlegen einlädt. Ein kleines Folk-Juwel aus dem Jahr 2018 (auch wenn es in den USA bereits 2017 erschienen ist), das zeitlos klingt.

Trackliste

  1. 1. Wildflowers In The Graveyard
  2. 2. Moon
  3. 3. Canyon Lines
  4. 4. The Mystery Of Light
  5. 5. If I Fall Asleep
  6. 6. New York
  7. 7. Best I Can
  8. 8. Wishing Song
  9. 9. As We Walk Into The Night

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