laut.de-Kritik

Das Dresden Doll kommt solo noch opulenter.

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Da liegt sie, auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Tot. Amanda Palmer, Sängerin der Dresden Dolls und so etwas wie die Polly Peachum des Indierock. Ihr weinrotes Kleid ist zurückgeschlagen, einen Pumps hat sie verloren. Auf dem Cover ihres ersten Soloalbums ragt eine zweite Hand ins Bild. Der Liebste, auch tot? Wie kam es dazu? Raubmord, Vergewaltigung? Und: wer war's?

Dass sich Amanda Palmer dem Theater und seinen klassischen Themen verbunden fühlt, liegt auf der Hand. Man muss nur die Dresden Dolls und ihr Punk-Kabarett gehört und gesehen haben.

Ihr Solo hat Palmer in zwei Akte geteilt. Mit "What's The Use Of The Wond'rin?" hat es außerdem ein minimalistisches Singspiel aus dem Broadway-Musical "Carousel" auf das Album geschafft. Der Albumtitel ist darüber hinaus eine Reminiszenz an David Lynch und die Filmleiche Laura Palmer aus Twin Peaks.

Die Songs erinnern zunächst unvermittelt an Palmers Hauptband. Nur ist ohne ihren Schlagzeuger Brian Viglione alles eine Spur größer arrangiert, fast schon orchestral. Zwei Wochen wollte sich Palmer für die Aufnahmen zunächst genehmigen, eineinhalb Jahre sind es letztlich geworden. Das ist auch zu hören.

Der Opener "Astronaut" setzt mit einem hämmernden Klavier ein. Palmer singt zunächst mit belegter, dann exaltierter Stimme, während um sie herum das Schlagzeug punktgenau scheppert und Streicher den Powerpop langsam gen Himmel heben. So etwas können nicht viele, Ben Folds vielleicht noch.

Und siehe da: Folds, der alte Alleskönner, hat das Album miteingespielt und mit Palmer produziert. Es versammelt weitschweifigen, Piano-basierten Pop mit dem Appeal einer opulenten Live-Inszenierung der Dreigroschenoper. Beschwingt und todtraurig, sonnig und düster, Punk und doch Pop – Kurt Weill hätte beim Hören seine wahre Freude gehabt. Und Bert Brecht am Ende einen königlichen Boten geschickt, auf dass Amanda Palmer nicht den Bühnentod sterben muss.

Trackliste

  1. 1. Astronaut: A Short History Of Nearly Nothing
  2. 2. Runs In The Family
  3. 3. Ampersand
  4. 4. Leeds United
  5. 5. Blake Says
  6. 6. Strength Through Music
  7. 7. Guitar Hero
  8. 8. Have To Drive
  9. 9. What's The Use Of Wond'rin?
  10. 10. Oasis
  11. 11. The Point Of It All
  12. 12. Another Year: A Short History Of Almost Something

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20 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    @maedl (« was für ein geiler scheiß. spät aber doch.

    die lyrics!!! oh myyy

    oasis :koks:

    find die platte echt klasse. konnte mit den dresden dolls damals auf albumlänge nicht soviel anfangen, klar coin operated boy, aber sonst. vielleicht hab ich jetz mehr ohr dafür und sollte die noch mal probieren.

    jetz erst mal amanda!! »):

    Machmal, lohnt sich!
    The Dresden Dolls sind zusammen besser als sie allein. Ist einfach so!

  • Vor 11 Jahren

    ich find die solo platte von amanda musikalisch deutlich interessanter als die dresden dolls platten- was nicht heißt, daß sie mir deshalb lieber ist. wirklich nichts hat mich letztes jahr auch nur annähernd so positiv überrascht. wahrscheinlich weil meiner erwartungen eher in richtung ihrer früheren solo-sachen gingen.

    allerdings glaub ich nicht, daß ein konzert ohne brian auch nur halb so gut wird :)

    loe