18. April 2019

"I'm not fucking pure!"

Interview geführt von

Ihre Karriere begann Alice Phoebe Lou auf den Straßen Berlins eher durch Zufall. Inzwischen hat die in Südafrika aufgewachsene Musikerin zwei Studioalben veröffentlicht.

Nach "Orbit" vor drei Jahren erschien im März der Nachfolger "Paper Castles". Obendrein spielte Alice Phoebe Lou eine Arena-Tour mit "Sugar Man" Rodriguez und füllt in Deutschland mittlerweile selbst Hallen mit mehreren Tausend Menschen.

Nicht mal eine Woche bleibt Alice zwischen ihrer ersten großen Tour durch Nordamerika und der Fortsetzung in Europa. Das hindert die 24-Jährige aber nicht daran, in den wenigen Tagen dazwischen beladen mit Verstärker, Gitarre und Busking-Wägelchen durch ihre Wahlheimat Berlin zu tingeln und zwischen Presseterminen und Videodrehs noch einige spontane Straßengigs zu spielen. Auch wenn das mit wachsender Bekanntheit zunehmend komplizierter wird...

Obwohl du erst vor vier Tagen aus Toronto von einer Nordamerika-Tour zurückgekommen bist, hast du vorgestern einen spontanen Straßengig an der Warschauer Straße gespielt, und gerade eben noch einen für einen Videodreh. Ist dir das nicht zu stressig? Zumal du übermorgen nach Istanbul fliegst und dort eine Europa-Tour startest...

Alice Phoebe Lou: Sollte man meinen, nicht wahr? (lacht) Für manche Leute wäre das wahrscheinlich stressig, nach einer Tour gleich wieder auf der Straße zu spielen. Aber wenn ich heimkomme, habe ich viel Arbeit zu erledigen, muss aus- und wieder einpacken. Wenn ich allein zuhause sitze und nichts zu tun habe, drehe ich durch. Auf der Straße zu spielen entspannt mich irgendwie. Es ist sehr erfüllend. Alles ergibt plötzlich Sinn. Ich bin Sonntag aufgewacht, fühlte mich komisch und etwas deprimiert, da ich plötzlich nicht mehr auf Tour war, sondern zuhause. Ich hatte total Lust, auf der Straße zu spielen. Also habe ich fünf Freunde angerufen, um jemanden zu finden, der mit mir spielen wollte, weil ich das momentan nicht alleine tun will. Ich hab' jemanden gefunden und es war sehr schön. Heute Nachmittag werd ich das nochmal machen.

Warum möchtest du momentan nicht alleine auftreten?

Naja, zunächst einmal habe ich in letzter Zeit nicht sehr oft auf der Straße gespielt. Das ist zwar meine alte Komfortzone, aber ich bin es nicht mehr total gewohnt. Da ist es gut, jemand Vertrauten dabei zu haben. Und auch, weil ich inzwischen in Berlin bekannter geworden bin. Das lockt auch weirde Leute an, besonders wenn ich es auf Instagram stelle. Ich habe gern Backup, falls jemand zu weird wird. Das passiert. Der dritte Grund: Ich habe einen Stalker. Er taucht manchmal auf. Am Sonntag ist er nicht aufgetaucht, das war gut. Ich habe überhaupt keine Angst vor ihm – wenn wir ihn einen Kampf geraten würden, würde ich ihn wahrscheinlich fertigmachen. Aber ich fühle mich sehr unwohl, wenn er da ist. Da ist mir auch lieber, wenn jemand dabei ist, den ich kenne.

Gegen den Stalker hattest du schon vor einer Weile rechtliche Schritte eingeleitet oder? Hat das nichts gebracht?

Nein. Ich habe über tausend Euro in einen Anwalt investiert und bin den gesamten vorgeschriebenen Prozess durchlaufen. Die Polizistin, die meinen Fall übernommen hat und mir auf der Station half, alle Details, Daten, Erinnerungen und Aktionen, die er gegen mich unternommen hat, zu sammeln, meinte, ich würde auf jeden Fall eine einstweilige Verfügung gegen ihn erwirken können. Sie hätte Fälle gehabt, in denen für viel weniger welche ausgestellt wurden. Jeder bestätigte mich dabei. In der Sammlung findet sich sogar eine handgeschriebene Morddrohung. Keine Ahnung, was durch den Kopf der Leute geht, die die Entscheidung über solche Fälle treffen. Ich möchte nicht zu glühend feministisch klingen, aber ich glaube, es war ein alter Mann, der sich das fünf Minuten angeguckt hat. Das geht nicht vor Gericht, sondern nur zu einem Richter, der dann darüber entscheidet, ob der Typ ab sofort einen bestimmten Abstand von mir halten muss. Total einfach, es berührt kaum sein eigenes Leben – es bedeutet nur, dass ich mich sicher fühle. Man sollte meinen, genau das sollte man Opfern von Missbrauch und Stalking zugestehen. Der Grund für die Ablehnung war, dass es kein Beweismaterial aus den letzten zwei Monaten gegeben hatte. Natürlich nicht! Ich ging ihm schließlich aus dem Weg und tat alles, damit nichts passiert. Das war so frustrierend. Ich weiß wo er wohnt – hätte ich etwa zu seiner Haustür gehen sollen und ihn bitten, dass er mir schnell eine reinhaut, damit mich jemand ernst nimmt? Ich werde es irgendwann nochmal versuchen, aber zuletzt kostete das einfach zu viel Kraft und fühle sich nutzlos an.

Da das unser erstes Interview mit dir ist, würde ich gern kurz auf den Anfang deiner Karriere zu sprechen kommen. Deine ersten Street-Performances hast du nicht als Musikerin, sondern als Feuertänzerin absolviert. Was hat dich eigentlich veranlasst, zur Musik zu wechseln?

Als 18-Jährige war ich zum ersten Mal in Berlin und probierte es hier mit Feuertanz. Ich verdiente einen Euro. Mein Bankkonto war leer und ich wusste nicht, was ich tun sollte. (lacht) Gut, ich war kein armes Mädchen und hätte meine Eltern um Geld bitten können, wenn es wirklich nötig gewesen wäre. Aber so wollte ich das nicht lösen. Ich saß am selben Ort, wo ich es mit Feuer probiert hatte – an der Warschauer Straße –, und sah dort einen Mann. Idris heißt er. Er stammt aus Nordafrika. Er hatte einen sehr netten Verstärker und begann zu spielen. Ein Freund ging ohne mein Wissen zu ihm hin und fragte: "Hey, da ist dieses Mädel, sie hat ein paar Songs. Kann sie einen spielen?" Meine erste Reaktion war: "Nein, ich hab Angst!" Auf der Straße, oder einfach nur vor Leuten zu spielen, ist so furchteinflößend, wenn du das noch nie gemacht hast! Aber ich habs versucht und plötzlich standen da Leute und warfen Geld in den Hut. Ich spielte einen Coversong, wahrscheinlich "Knocking On Heaven's Door". Aus irgendeinem Grund hat das funktioniert und ich dachte mir: "Okay, vielleicht sollte ich das machen."

Du sagtest mal, dass du in heutiger Musik oft tiefere Bedeutung vermisst. War es auch ein Ansporn für dich, das auf deine Weise, mit deinem Beitrag zu ändern?

Ja schon. Meine Meinung heute ist, dass es einfach unterschiedliche Musik für unterschiedliche Gelegenheiten gibt. Wenn für manche Leute der oberflächlichste Popsong etwas bedeutet, ist das auch super. Aber persönlich möchte ich, dass es um mein Leben geht und ich möchte es nachvollziehbar für andere Menschen machen. Ich will den Menschen Gefühle vermitteln, statt zu versuchen, einen Hit zu schreiben, oder ordentlichen Pop-Strukturen zu folgen. Ich schreibe von Herzen und hoffentlich können die Leute eine Verbindung dazu herstellen. Mir ist wichtig, dass es menschlich und persönlich ist und dass man dabei etwas fühlt.

"Frauen stehen unter Druck, jung zu bleiben"

Du hast dein neues Album "Paper Castles" am Internationalen Frauentag veröffentlicht. Ich nehme an, bewusst?

Nee, tatsächlich nicht. Aber ich kann nachvollziehen, dass das so rüberkommt. Als wir vor ein paar Monaten die Kampagne planten, schickte unser dortiger Booker gerade auch die ersten Daten für die US-Tour rein. Am 8. März hatte er eine Show im Rough Trade, New York ins Auge gefasst. Das ist ein Plattenladen mit coolem Venue im Hinterbau. Wir fanden, das würde sich super auch als Releasedatum eignen. Im Plattenladen könnte ich direkt auch Signieren. So trafen wir die Entscheidung. Einen Monat später erklärte mein Manager dann noch: "Oh, übrigens: 8. März ist Internationaler Frauentag." Hätte ich das vorher auf dem Schirm gehabt, hätte ich vielleicht ein anderes Datum gewählt.

Warum das? Thematisch passt der Tag doch gut zum Album.

Es wäre mir glaube ich zu vorsätzlich vorgekommen. Ich bin eine Frau, die Songs sind über Frauen, es ist Frauentag ... Das ist beinahe etwas too much. Aber dadurch, dass es eher zufällig passiert ist, fühlte es sich letztlich schön und ehrlich an. Es ist passiert und das war gut so. Denn du hast: Mit den Themen der Songs ergibt das total Sinn.

Es wirkt dabei nicht, als würdest du lehrerhaft die gesamte Gesellschaft ansprechen wollen, sondern eher direkt einzelne Personen direkt. Nach dem Motto: Dich betrifft das, und dich und dich und dich. War das deine Absicht?

Ja, schon. Als 19-/20-Jährige dachte ich immer, jeder Song müsste sich um alles drehen, eine wahnsinnige Gravitationskraft haben, ein Spiegel für die Gesellschaft sein und solches Zeug. Irgendwann fing ich an, lieber einfache Songs zu schreiben, die zwar gewisse Themen ansprechen, aber eher auf Gefühle als auf Revolution aus waren. Unterschiedliche Leute reagieren unterschiedlich auf Songs und natürlich auch die Videos. Ich mag, dass die Stücke offen für Interpretation sind und es nicht zu offensichtlich ist, worum es geht. Die Leute können Verschiedenes daraus mitnehmen.

Einige Songs hast du trotzdem sehr deutlich gestaltet. In "My Outside" singst du zum Beispiel: "Didn't wanna be told what makes a woman look right." Besonders als Performerin, die täglich vor Hunderten Menschen auftritt, ist es vermutlich recht schwierig, sich von den Erwartungen und Normen der Leute komplett zu lösen oder? Du entscheidest ja im Grunde jeden Abend, wie du dich den Menschen präsentieren möchtest.

Total. Es wird einfacher und einfacher, wenn du eine starke Fanbase hast, der du wichtig bist und die möchte, dass du du selbst bist. Aber klar ist es schwierig. Nimm zum Beispiel jetzt meine erste richtige US-Tour. Einige Fans dort kannten mich seit fünf Jahren, mochten aber vor allem meine alte Musik. Sie hatten vielleicht das neue Material noch nicht wirklich gehört und hingen sehr an der Persona meines 21-jährigen Ichs – die meines Songs "Berlin Blues", den ich inzwischen nicht mehr spiele, weil ich mich dem nicht mehr verbunden fühle. Dann muss ich dem Publikum erklären, dass es wichtig ist, einen Künstler wachsen zu lassen. Von mir kann nicht erwartet werden, für den Rest meines Lebens dieselben Songs zu spielen. Das würde mich in den Wahnsinn treiben. Die Leute sind wahrscheinlich ein bisschen enttäuscht, wenn ich einen Song nicht spiele, den sie gerne gehört hätten. Aber wenn man es ehrlich und vernünftig erklärt, kann man dem Publikum helfen zu verstehen, dass sie mit dir mitwachsen müssen und dir erlauben müssen, zu wachsen.

Eine Sache, über die ich inzwischen zum Glück hinweg bin, machte mich letztes Jahr psychisch echt fertig: Es schien als wollten die Leute mich konservieren und jung halten. Ich sollte die Person bleiben, als die ich angefangen hatte, Musik zu machen: süß, engelsgleich, und wie die Leute immer sagen: "pure". Ich fing endlich an, mich dagegen zu wehren. I'm not fucking pure. Ich bin ein menschliches Wesen. Ich verändere mich und wachse. Ich bin eine 25-jährige Frau. Ihr müsst mich wachsen und entwickeln lassen. Sonst lasse ich euch zurück. Das gab mir viel Kraft. Besonders Frauen stehen unter Druck, jung zu bleiben, jung auszusehen. Altersdiskriminierung betrifft Frauen wesentlich mehr. Es ist beinahe schon ein Fetisch. Mich macht das wahnsinnig. Ich werde älter! Ich werde wachsen! Ich werde mich verändern! Damit muss einfach jeder klarkommen.

In den neuen Videos trittst du als sehr dominante Figur auf. Ich nehme an, genau deswegen? Um den Leuten mit dem anderen Extrem zu zeigen, dass du eben nicht mehr das süße Mädchen von vor ein paar Jahren bist, das sie gerne in dir sehen.

Für mich ist das nicht einmal ein Extrem. So wie ich die Videos inszeniert habe und wie ich mich nun präsentiere, fühle ich mich schon sehr lange. Aber ich hatte noch kein neues Werk, mit dem ich es den Leuten zeigen konnte. Alles fühlte sich sehr natürlich an. Es ging nicht darum, zu einem Extrem zu pushen, um die Meinungen der Leute zu ändern oder meinen Miley Cyrus-Moment zu haben. Ich fühlte mich einfach schon lange so und war schließlich in der Lage, mit meinen Freunden diese Videos zu drehen und andere Seiten von mir auszudrücken, die ich zuvor unterdrückt hatte, damit ich den Leuten gefalle. Jetzt versuche ich die Balance zu halten zwischen mir und meinem Publikum. Natürlich will ich sicherstellen, dass ich meine Fans unterhalte; sie liegen mir am Herzen. Aber an erster Stelle stehe ich selbst. Sonst macht das deinen Kopf kaputt.

Obwohl du über sehr irdische Themen singst, bedienst du dich in deinen Texten gerne aus dem Wortfeld "Weltall". Entsprechende Metaphern ziehen sich quasi als roter Faden durch dein Werk. Woher kommt die Affinität dazu?

Wie du schon sagst, nutze ich das Weltall-Motiv oft als Metapher, um irdische Dinge auszudrücken. Es geht um das menschliche Befinden, darum, dass wir unbedeutend und klein sind. Das Weltall dient dazu, das auszudrücken und in größtmöglichem Ausmaß zu zeigen. Andere Leute nutzen Religion, um sich besser zu fühlen, wenn sie darüber nachdenken, was wohl passiert, wenn sie sterben. Ich bin nicht religiös und nutze um mich besser zu fühlen das All, die Unendlichkeit von Allem und die Tatsachen, dass ich unbedeutend und nicht besonders bin. Für andere mag es beängstigend und tragisch sein, dass nach dem Tod nichts kommt. Aber ich mag diese Vorstellung ehrlich gesagt. Ich finde sie ermächtigend. Ich spiele keine Rolle, ich bin nicht besonders, ich bin bedeutungslos – cool, also lass mich die Zeit nutzen, die ich habe, um damit coolen Shit anzustellen! Das ist doch alles, was du machen kannst. Das All ist mein Äquivalent zur Religion. So viel daran ist mystisch und interessant und liegt außerhalb unseres Wissens. Du kannst dein ganzes Leben lang darüber nachdenken und wirst trotzdem nichts verstehen. Verstehst du? (lacht)

Wie entscheidest du, ob du über ein Thema metaphorisch oder direkt schreibst? "Skin Crawl" zum Beispiel ist sehr direkt, "Ocean" ist einer deiner metaphorischsten bisher.

Insgesamt stütze ich meine Songs lieber auf Metaphern als didaktisch oder direkt vorzugehen. Aber eine echte Entscheidung steckt nicht dahinter. Die Songs kommen aus mir heraus, manchmal weiß ich gar nicht, woher die Worte kommen und stelle eben fest: "Oh, hier gibts Metaphern." Wenn Songs so direkt sind, wie "Skin Crawl" im Besonderen, bereut man manchmal beinahe, sie geschrieben zu haben. Du denkst dir: "Fuck, es ist so offensichtlich, was ich hier sage. Das ist keine Poesie." Doch bei einigen Themen kannst du nicht poetisch sein. Manches muss man einfach sagen – so direkt wie möglich, damit die Leute verstehen, was du sagst. In diesem Kontext musst du die Songs auch spielen. Wenn ich diesen Song live vortrage, kann ich wütend sein und anschuldigen: "Fick das Patriarchat!" Oder aber ich trage den Text mit einem Lächeln und positiver Energie. Dann genießen es die Leute mehr und hören eher zu. Du erreichst dein Ziel, aber sanft.

In diesem Punkt unterscheidest du dich von vielen anderen Singer/Songwritern, finde ich. Du erzählst selten komplette Geschichten, sondern konzentrierst dich auf kurze Texte, mit vielen Wiederholungen, und nutzt deine Stimme, um sie zu beugen und ihnen so Bedeutung zu verleihen. Kommen diese "Stimmübungen" also schon im Narrationsprozess zum Tragen?

Klar, auf jeden Fall. Welche Tonalität und welchen Ausdruck du hinter ein Wort legst, kann die Bedeutung total verändern. Ich habe Songs, deren Bedeutung sich dadurch sehr verändert haben. Sie verändern sich für mich, wenn ich sie anders singe, und sie kommen auch bei anderen anders an. Es ist wichtig, den Ausdruck zu verändern. Du spielst die Songs immerhin jede Nacht aufs Neue. Es ist gut, die neu auszurollen, sie zu wandeln. Den Song "Paper Castles" habe ich vor vier, fünf Jahren geschrieben. Von damals gibt es auch eine Aufnahme, aber seitdem haben wir das Stück komplett neu erfunden. Songs neu zu arrangieren oder ihren Ausdruck neu zu gestalten, hilft dir dabei, deine eigene Musik weiterhin zu genießen. Das ist wichtig.

War das auch der Grund, warum du irgendwann eben nicht mehr nur auf der Straße gespielt hast, sondern deine Songs mit größerer Produktion im Studio ausgebaut hast?

Das war weniger eine bewusste Entscheidung, sondern mehr meine Lust daran, in einer Band zu spielen. Vorher habe ich nie jemanden getroffen, mit dem ich unbedingt in einer Band sein wollte. Eine Band ist etwas sehr Intimes und ich würde nicht in einer spielen wollen, die ausschließlich Business ist und wo es heißt: "Guter Drummer, guter Bassist, wir sind nicht wirklich befreundet, aber wir kriegen den Job gebacken." Das würde mich sehr verwirren. Die einzige Möglichkeit für mich, mich auf diese Weise auszudrücken ist, mit Leuten zusammen, die ich liebe und mit denen ich auch abseits der Musik gerne zusammen bin. Es macht einfach Spaß und ist so cool! Wer wäre denn nicht gern in einer Band? (lacht)

"Was hat eine südafrikanische Flagge auf der Bühne zu suchen?"

Du führst deine Musik gerne in besonderen Venus auf. Wie kommt man dazu, von der Straße in Planetarien und Kirchen zu wechseln? Hast du aktiv nach solchen Möglichkeiten und Locations gesucht, um deine Musik dort zu zu präsentieren, oder kam das von selbst?

Ein bisschen von beidem. Die meisten Künstler beginnen mit Open-Mic-Nights, haben irgendwann ihre erste Clubshow. Ich habe überall gespielt, ich könnte alles zu meiner Bühne machen. Mit meinem tragbaren Amp kann ich auf der Brücke spielen, vor der Mauer oder wo auch immer sonst. man ist gewohnt, seine Umgebung zu beeinflussen und den Ort zu wechseln. Der Ort wird irgendwann Teil der Performance. Straßenmusiker verstehen die Psychologie eines Raums und welche Gefühle er in den Leuten weckt auf einer anderen Stufe. Typische Venues können total uninspirierend und super langweilig sein. Sie sind wie eine Box und vermitteln den Leuten nicht das Gefühl, sie könnten sich öffnen und entspannen. Straßenmusik lehrte mich, zu verstehen, wie man Leute zum Wohlfühlen bringt. Als ich anfing, zu verstehen, dass man durchaus in anderen Venus auftreten kann und Dinge anders machen kann, wurde das zu einer kleinen Sucht. Es macht echt Spaß, Verschiedenes auszuprobieren und zu sehen, wie unterschiedlich Leute auf verschiedene Locations reagieren. In der Kirche ist jeder in seinem eigenen Kopf, genießt. Ein andermal spielst du an einem Ort, wo die Leute tanzen können. Je mehr Abwechslung desto besser. Das machts interessant.

Vor ein paar Jahren hast du in deiner Heimat Südafrika eine ziemlich große Tour im Vorprogramm von Rodriguez gespielt. Wie hast du dich daran angepasst, für jemand anderen zu eröffnen – gerade in dieser Dimension? In Deutschland spielst du ja mittlerweile hauptsächlich eigene Headline-Shows oder eben auf der Straße.

Naja, hier bin ich ja auch schon als Supportact getourt. Bei meinen ersten Touren habe ich mich einfach an eine andere Band rangehängt. Solche Gigs waren recht einfach zu kriegen, da ich allein unterwegs war. Dann kam das Angebot für die Rodriguez-Tour. Es klang spannend und bot eine gute Gelegenheit, mein südafrikanisches Publikum auszubauen. Damals hatte ich dort kaum Fans. Aber Südafrika ist ein ziemlich gebeutelter Ort und es herrscht immer noch viel Rassentrennung. Das hatte einen unangenehmen Beigeschmack. Versteh mich nicht falsch: Es war eine super Erfahrung, die Shows und Reaktionen von tausenden Menschen waren toll. Doch als Backdrop hing jeden Abend eine riesige südafrikanische Flagge auf der Bühne. Und das Publikum bestand zu 95 Prozent aus Weißen, die sich zwar Rodriguez irgendwie zugehörig fühlen, wegen seiner Anti-Establishment-Lyrics und natürlich seiner tollen Musik. Aber die meisten dieser Leute haben absolut nichts getan, um die sozialen Umstände in Südafrika zu verbessern. Immer noch sind viele dort ziemlich rassistisch. Und dann hast du dort die südafrikanische Flagge und den Gedanken dieses seltsamen White South-African Nationalism...

Das ist alles so fake. Es heißt zwar: "Rainbow Nation – we're free now!" Dabei bezahlst du jemandem wenn es hoch kommt 20 Dollar pro Tag, um dein verdammtes Haus zu putzen. Ich werde nicht zu tief einsteigen, aber ich fühlte mich unwohl vor dem Hintergrund dieses Patriotismus' ... zu was eigentlich? Leute kommentieren unter meine YouTube-Videos: "Oh, du machst mich so stolz, Südafrikaner zu sein." Was ist das? Eine solche Einstellung begrüße ich überhaupt nicht. Aber es ist schwer, das den Leuten zu erklären, weil es eben diesen seltsamen Stolz in Südafrika gibt. Und ich finde es nicht angebracht, stolz zu sein.

Bereust du, die Tour gespielt zu haben?

Nein, nein. Das war nur meine Beobachtung. Mich hat das überrascht. Was hat eine verdammte südafrikanische Flagge auf der Bühne zu suchen? Es gibt so viele Probleme in Südafrika – das ist bestimmt kein Weg, die Menschen zu einen. Wenn sie Tickets für unter 40 Euro angeboten hätten, sodass auch Menschen aus den unteren Gesellschaftsschichten das Konzert hätten genießen können, wäre das was gewesen. Oder wie wärs damit, sich einfach bewusst zu sein, wie elitär das alles ist und dass es Kultur generell in Südafrika häufig nur für ein Prozent der Bevölkerung gibt. Darüber habe ich viel nachgedacht. Ich hatte zuvor nie wirklich so viele Leute ein Konzert schauen sehen und war überrascht davon.

Du sprichst dich immer wieder dafür aus, dass Musik für alle da sein sollte und dass du gegen die unternehmerischen Strukturen der Industrie bist...

Ich bin nicht unbedingt 'dagegen'. Nur für mich selbst ist das nichts. (lacht)

Wenn du merkst, dass jemand wie im eben genannten Fall dein Konzert für fragwürdiges Gedankengut oder zur Bereicherung instrumentalisiert, versuchst du dann auch aktiv in diesem Rahmen dagegen anzugehen, um vielleicht etwas zu verändern?

Total. Bei den Shows mit Rodriguez habe ich jeden Abend ein bestimmtes Problem thematisiert – und das auch sehr deutlich. Hauptsächlich sprach ich über bewussten Konsum. Damit kann jeder etwas anfangen. Achtet einfach darauf, was ihr unterstützt, was ihr kauft und dass ihr gewissermaßen mit eurem Geld wählt. Ich nutze diese Gelegenheiten also, um genau so etwas anzusprechen. Aber ich versuche meinen Werten sehr treu zu bleiben, wenn mir viel Geld von Leuten oder Marken angeboten werden, die gerne etwas mit mir anstellen würden. Ich habe noch nie "Ja" zu einer gesagt. Momentan kommen sehr viele Kleidermarken auf mich zu, doch meist reicht ein bisschen Recherche, um festzustellen, dass die Klamotten in Taiwan hergestellt werden. Ich würde niemals meinen Namen oder mein Gesicht für so etwas hergeben. Das ist fucking hart, weil ich kein Geld habe! (lacht) Verlockend wäre es schon, sowas wahrzunehmen. Aber wenn es um Musik, Elitismus und darum, den Menschen Kultur zugänglich zu machen, geht, gibt es so viele Möglichkeiten. Ich brainstorme ständig dazu. Für meine Konzerte in Südafrika habe ich eine E-Mail-Adresse eingerichtet, an die jeder schreiben kann und wenn man kein oder wenig Geld hat, kann man entweder einen Preisvorschlag machen oder ich lasse sie umsonst rein. Es geht um die Geste, dass man sich kümmert, nicht darum, den Profit zu maximieren. Wenn du ein Konzert in Südafrika spielst, wo nur zehn Prozent der Bevölkerung weiß sind, aber das meiste Geld besitzen, dann musst du mehr dafür tun, um es für mehr Leute zugänglich zu machen.

Zum Schluss möchte ich noch kurz aufs Artwork von "Paper Castles" eingehen. Interessanter Kontrast, den du da mit Schwarz-Weiß-Fotografie und Ausblick ins bunte Universum kreierst. Was hast du dir dabei gedacht? Und bist das eigentlich du auf dem Foto?

Ja, das bin ich. Es hat eine ganze Weile gedauert bis ich wusste, was ich mit dem Artwork anstellen will. Es ist beängstigend! Irgendwann entschied ich, dass es auf jeden Fall doppelbödig sein sollte und man die Bedeutung nicht klar erkennen kann. Ich arbeitete mit meinem Freund Mikey Burey aus London. Er ist 21 Jahre alt und betreibt digitale Zeichnung. Er ist wahnsinnig gut. Ich schickte ihm Fotos, die ich geschossen habe, und Fotos von meiner Familie, meiner Mum und meinem Dad. Auf der Rückseite des Albums ist mein Dad zu sehen, als er so als war wie ich. Wir suchten nach Wegen, diese Fotografien mit surrealen Hintergründen und Landschaften zu collagieren, um ein nostalgisches aber auch surreales Feeling zu schaffen. Wenn ich meinen Dad dort sehe, fühle ich etwas Bestimmtes, aber auch jeder andere wird so verstehen, dass dem etwas Bedeutungsvolles innewohnt. Im Booklet sind weitere solcher Bilder, zum Beispiel das Gesicht meiner Mum auf einer Fotokopiermaschine. Das Artwork sollte warm sein, persönlich und irgendwie nostalgisch.

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1 Kommentar mit 28 Antworten

  • Vor einem Jahr

    "Momentan kommen sehr viele Kleidermarken auf mich zu, doch meist reicht ein bisschen Recherche, um festzustellen, dass die Klamotten in Taiwan hergestellt werden. Ich würde niemals meinen Namen oder mein Gesicht für so etwas hergeben. "

    ich verstehe den ganzen satz nicht. taiwan ist doch ein tolles land. die einzige chinesische demokratie, weit im umweltschutz, kein stress mit menschenrechten. weiß sie überhaupt, wovon sie redet oder meint sie evtl ein ganz anderes land?

    • Vor einem Jahr

      Ist einfach ne Diva und will keine Billig-Klamotten tragen, so meine Vermutung.

    • Vor einem Jahr

      das macht den satz im grunde noch schlimmer. aber nassforsches sendungsbewusstsein, mit dem der eigene intellekt nicht mithalten kann, empfinde ich als ...räusper... kontraproduktiv.

    • Vor einem Jahr

      Du Schlingel!

    • Vor einem Jahr

      Eventuell hat die Frau mit der zitierten Aussage ja nicht das Andenken an die glorreiche, aus einer Präsidialdiktatur hervorgegangene taiwanesische Demokratie angreifen wollen, sondern nach Anfrage eines Modelabels schlicht "taiwan working conditions clothing" gegoogled.

    • Vor einem Jahr

      Dieser Kommentar wurde vor einem Jahr durch den Autor entfernt.

    • Vor einem Jahr

      "Momentan kommen sehr viele Kleidermarken auf mich zu, doch meist reicht ein bisschen Recherche, um festzustellen, dass die Klamotten in Taiwan hergestellt werden. Ich würde niemals meinen Namen oder mein Gesicht für so etwas hergeben. "

      "ich verstehe den ganzen satz nicht."

      Übersetzung für gute Deutsche:

      Zunächst einmal, lese ich da ZWEI Sätze. Der erste Satz beinhaltet den Irrglauben, das Kleidermarken so was wie Verstand bzw. Gewissen besitzen. Erste Zweifel am Verstand der Sprecherin, melde ich gleich mal an.

      Der zweite Satz, ist der komplette Irrsinn. Namen sind bekanntlich Schall und Rauch, dann aber sich gleich dem Verdacht aussetzen ein Vermummungsverbot zu umgehen, weil man seine Schlüpfer im Gesicht trägt, geht gar nicht!

      Vollstes Verständnis, das man als angehender seriöser Journalist mit der Art Sätzen seine Schwierigkeiten hat. Ich als nur Leser und nun Übersetzer kann aber sagen (Achtung Sexismus Alarm), an ihrem Schlüpfer würde ich trotzdem schnüffeln wollen. Ist halt blond!

      Gruß Speedi

    • Vor einem Jahr

      ihr könnt das drehen und wenden wie ihr wollt. wer in einer zeit, in der nahezu die gesamte fukking welt vor peking kuscht und das asterix-dorf taiwan nicht mal als staat anerkennt, so etwas ohne weitere erklärung, begründung derartig formuliert, dass es irgendwo im niemandslad zwischen hetzereisch, dämlich und oberflächlich rangiert, ist nicht die sorte musiker, die sich zu fragen jenseits der eigenen klampfe äußern sollte.

      denn bei unbedarften lesern und/oder ihren fans bleibt dann nur "taiwan, voll das kakkland! lass mal boykottieren, wa!" hängen. mich pisst solch hirntoter rotz mit demagogenpotential echt an.

      ps: speedi, ich verstehe nicht, was du sagen willst. das fängt bei "angehend" an und hört bei "schlüpfer" auf. traue mich aber auch nicht recht, nach zu fragen....

    • Vor einem Jahr

      "Ich als nur Leser und nun Übersetzer kann aber sagen (Achtung Sexismus Alarm), an ihrem Schlüpfer würde ich trotzdem schnüffeln wollen."

      Oy vey. :rolleyes:

    • Vor einem Jahr

      Teuerster Anwalt, dreißig Sekunden Recherche genügen um festzustellen, dass es vor wenigen Jahren in Taiwan einen massiven Skandal um unter sklavereiähnlichen Bedingungen beschäftigte Zeitarbeiter in der Textilindustrie gab. Vielleicht ist da seitdem das Arbeiterparadies ausgebrochen, vielleicht auch nicht, allein das würde mir aber an ihrer Stelle reichen, dreimal hinzuschauen. Der Frau jetzt ihr Recht auf Meinungsäußerung abzusprechen, weil deine geostrategische Analyse nicht oberste Maxime ihres Handelns und Sprechens ist, finde ich auch eher gewagt.

    • Vor einem Jahr

      Also ich habe jetzt über 30 Sekunden gegooglet und nichts gefunden. Und allgemein hat der Anwalt schon recht, dass verglichen mit anderen südostasiatischen Textilstandorten die Arbeitsbedingungen in Taiwan sowohl auf gesetzlicher Ebene als auch in der Praxis oft (deutlich) besser sind. Wobei es da natürlich immernoch Verbesserungsbedarf gibt und sich in der Praxis dann auch nicht immer an alle Vorschriften gehalten wird. Die wirklich miesen Sachen mit taiwanesischer Beteiligung laufen dann eher im Ausland, wo sich solche Vorschriften noch leichter und systematischer umgehen lassen, siehe z.B. Foxconn (und hier hat google dann auch tatsächlich einen Bericht zu Sweatshops taiwanesischer Firmen in Nicaragua ausgespuckt). Aber da steht dann halt nicht "Made in Taiwan" dran.

    • Vor einem Jahr

      Ich bezog mich da speziell auf das Bekanntwerden oben beschriebener Zustände 2015 in Betrieben, die Patagonia zuliefern, welche die Firma selbst öffentlich gemacht hat.

    • Vor einem Jahr

      "Der Frau jetzt ihr Recht auf Meinungsäußerung abzusprechen,"

      darum geht es nicht. ich spreche ihr nur den meinerseitigen respekt ab.

      denn solche sachen der vergangenheit immer sofort in alle ewigkeit verallgemeinernd auf die gegenwart zu beziehen und per duktus gleich das ganze land ins üble licht zu rücken, finde ich persönlich nicht halb so ethisch, wie sie es von sich sicherlich meint.

      nimmt sie auch keine päckchen an, weil die paketauslieferer so gefikkt werden? verscherbelt sie ihre mucke nicht auch über amazon?

      ich meine das nicht als whataboutism. ich finde einfach, dass es keine gute ummer ist, beim negativisieren ausgerechnet jenes asiatische land heraus zu greifen, dass sich echt mühe gibt und mit weniger unterstützung gesellschaftlich teilweise mehr zustande bekommt als andere, nicht bedrohte, reiche länder.

      dennoch gebe ich gern zu, zwar politische künstler zu schätzen, aber diese moralhansel a la grass und co eher als scharlatane wahr zu nehmen. sie gehört auch dazu, weil sie an details und aktualisierung anscheinend nicht interessiert scheint. mene tekel upharsin!

    • Vor einem Jahr

      Naja, ich finde du fixierst dich da etwas krass auf deine Idee von "Taiwan" als Leuchtfeuer des Guten vor der chinesischen Küste. Kannst du natürlich so sehen, nur hat sie bei ihrer Aussage wohl kaum an "Taiwan" als untrennbares Subjekt gedacht, dem sie jetzt aber mal ordentlich einen reinwürgen will, sondern an Konzerne, die in diesem Land unter teils unwürdigen Zuständen produzieren lassen. Deswegen finde ich deine ad-hominem-Kritik an dieser Stelle ziemlich überzogen.

    • Vor einem Jahr

      "traue mich aber auch nicht recht, nach zu fragen...."

      Das doch klar, solchen "Brains" kann man gar nicht anders begegnen, außer man zieht sie ordentlich durch den Kakao. Deshalb das "angehend" war nur der hinter deinem Ofen "Hervor locker", hat geklappt. Deshalb mich zufrieden zurück lehnend, nö!

      Das Zapata da durchaus nach haken hätte können, unterschreibe ich dir sofort. Nur gebe ich zu bedenken, das war vermutlich ein vom Zeitrahmen übliches Presseinterview, maximal 30 min schätze ich. Dann wurde das wahrscheinlich auf Englisch geführt, also erst im Nachhinein teils übersetzt. Die Textzeile war dann etwas untergegangen? Ob im dann die Musik wichtiger war? Vermutlich!

      Zu dem Fass was du da aufmachst und ob das angebracht ist bzw. nötig? So richtig überzeugt bin ich nicht. Gebe mal zu bedenken, das wir um den halben Erdball reisen müssen, um wirklich zu verstehen. Auch ein Anwalt! Unser Verständnis über andere Kulturen endet oftmals schon an der Sprachgrenze, die sich mitten durch Europa zieht. Da ist es einfach zu viel verlangt, finde ich, da ins Detail zu gehen. Bis da was schlüssigeres kommt, bleib ich bei Zapata, so hört sich das wirklich so an, als müsstest du journalistisch was nach holen. ;)

    • Vor einem Jahr

      "Ob im dann....."

    • Vor einem Jahr

      @zappi: "hat sie bei ihrer Aussage wohl kaum an "Taiwan" als untrennbares Subjekt gedacht, dem sie jetzt aber mal ordentlich einen reinwürgen will, sondern an Konzerne, die in diesem Land unter teils unwürdigen Zuständen produzieren lassen"

      das mag sein. genau hierin liegt wohl die fahrlässigkeit. "ich würde nie" und dann ein land nennen ist ja ne eindeutige kiste. das problem bei solch unreflektierten und ins blaue geflöteten statements ist ja nicht, dass viele künstler das böse meinten. das problem liegt in der potenzierung, die heutzutage per socialmedia-mentalität zur verbreitung solcher halbwahrheiten führt.

      wie gesagt: unbefangene fans übernehmen das oft so unreflektiert vom geschätzten musiker. bei fb steht der satz ja auch schon. am ende bleibt bei zu vielen nur das negative hängen. "taiwan - voll der dreckladen, wa!"

      insofern ist es nicht meine kritik, die hier ad hominem einzustufen wäre. ähnlich verhält es sich mit der bds-heiligsprechug etlicher, weit gestandenerer musiker.

      mir ist das alles momenta zu viel polemik, die zwar von idealismus getragen wird, aber oft an der realität vorbeiagitiert.

    • Vor einem Jahr

      "Da ist es einfach zu viel verlangt, finde ich, da ins Detail zu gehen."

      das verlange ich erkennbar nicht. ich hab nur was gegen statements, die zwar unbeleckt sind von detailkenntnis, aber dennoch verallgemeinernd über andere den stab brechen. von südafrika hat sie anscheinend ahnung. da würde ich ihr nie in die parade fahren wollen. wäre halt gut, wenn man sich offensiv nur zu themen äußert, die man drauf hat.

      ob das jemand so sieht wie ich, ist mir eigentlich egal. aber die diskussion mit euch macht ja spaß (erst recht nach so langer abstinenz). zumal zapatas sichtweise ebenso nachvollziehbar ist, wie meine.

    • Vor einem Jahr

      bin leider gleich raus. noch am basteln für nen geburtstagsartikel gen sisters of mercy. andrew wird nächste woche 60. schaue morgen wieder rein. :absinth:

    • Vor einem Jahr

      "aber die diskussion mit euch macht ja spaß"

      Warum habe ich gerade so das Gefühl, am liebsten hätte ich den arroganten Pinsel ordentlich..?...ach nein lassen wir das, nichts liegt mir ferner als Gewalt! Leide wie ein Hund unter dem Zwiespalt, mein ich ernst.

      Anwalt beantworte mir nur noch ein paar Sachen, dann bin ich ruhig und zweifel auch nicht deine journalistischen Fähigkeiten an. Und jetzt keine echauffierte Leberwurst geben, trotz fehlender Smilies, klar ein Joke. ;)

      1. Dein Eingangspost fehlten aus meiner Sicht die Smilies, das du da dann so ein Fass raus machst, findest du nicht das man sich im Vorhinein entscheidet ob es eher spaßig werden soll im Thread oder ein ernsthaftes Vergnügen?

      2. Abschließend Polemik ablehnend darstellen, obwohl man so richtungslos startet, na merkst du was?

      3. War das jetzt echt nur ein Versuch hier bei Laut nach längerer Abwesenheit, seinen Fußabdruck, wieder zu vertiefen?

      4. Wie tief sind die Fußabdrücke eines Mammuts? :)

      5. Zwei Mammuts hinterlasen zumindest einen Trampelpfad? :)

    • Vor einem Jahr

      zu 1.: ich halte uns alle nicht für so beschränkt, dass man mittlerweile smileys zwingend bräuchte, um spaß an zu kündigen. und humor hab ich eh nicht. meine frau hat extra einen keller gegraben, in den ich immer zum lachen gehe.

      zu 2. nein, als dröger teebeutel merk ich eh wenig. außerdem war das keine polemik. ich meine das ernst. es geht mir in diskussionen nicht darum,andere zu überzeugen. es geht mir darum, standpunkte aus zu tauschen und dar zu legen. darin liegt der spaß. das klappt aber nur, wenn eben nicht alle derselben meinung sind. also macht es hier oft besonders spaß.

      zu 3: bin viel zu schmächtig für tiefe abdrücke.

      zu 4 u. 5: als vertreter der dinosaurier kenne ich mich mit derlei zukunfstmusik nicht aus.

    • Vor einem Jahr

      Hat irgendeiner von euch Schlaumeiern denn seinen Prachtkörper schonmal in die ansatzweise Nähe einer Fertigungsstätte in Taiwan/Asien gewuchtet? Die Frage braucht Meuri nicht zu beantworten, bei ihm ist klar, dass er mit Arbeit allgemein eher wenig am Hut hat. :)

    • Vor einem Jahr

      vllt war meuri aus anderen recherchegründen in asien....

    • Vor einem Jahr

      Meinst du etwa einen "Sweatshop" der etwas anderen Art? :ill:

    • Vor einem Jahr

      Eher um die Wirkung von Opium auf den Schreibprozess zu untersuchen.

    • Vor einem Jahr

      "Hat irgendeiner von euch Schlaumeiern denn seinen Prachtkörper schonmal in die ansatzweise Nähe einer Fertigungsstätte in Taiwan/Asien gewuchtet?"

      Vor Jahren hab ich eine "Günstigfertigung" in Asien für die ersten Smartphones (3 Zoll Touch und Android 2.0) mir angeschaut, da ich sicher gehen wollte das die 200 per Container georderten Dinger in Deutschland auch safe ankommen. Den Aufschlag den man hier in DE erzielte, hat der Flug und Reise ins Werk fast aufgezehrt.

      Roch überall im Werk nach Tee und die Arbeitszeiten waren für deutsche Verhältnisse relativ hoch (12 Stunden, 3 mal 15 min Pause). Da rannte keiner mit einer Eisenkukel am Bein rum und sie verließen aufrecht das Werk, als sie nach Hause gingen. Machten einen zufriedenen Eindruck. Das man nach 12 Stunden stupider Fließbandfertigung nicht mehr besonders witzig unterwegs ist, ist glaub ich überall so. Eine Fabrik wo Elektronik hergestellt wird, ist übrigens sehr sauber. Jedenfalls kein Vergleich mit Erdhöhlen im Schwabenländle.

      Weiß nicht ob es zählt, als ich vor 28 Jahren Backpacking in Thailand war, hab ich ein paar Tage auf einer Teefarm gearbeitet. Wunderbar geschlafen auf den Säcken gefüllt mit Tee und das bisschen Geld reichte für die Rückreise nach Bangkok.

      Eine Lehrerin in Madras/Indien verdient etwa 10% des deutschen Nettos, kann aber genauso leben wie hier eine. Das weiß ich aus erster Hand, da ich Briefe der Dame lesen durfte. Reisen ist damit nicht möglich. Ihr Wunsch nach DE zu kommen bleibt damit also unerfüllt. Ist auch besser so, die würde erschreckt direkt zurück reisen, beim Anblick solcher Erdhöhlen wie du eine bewohnst.

    • Vor einem Jahr

      Du hast ernsthaft Probleme, Stephan. Such dir bitte Hilfe!