laut.de-Kritik

Puppa Albo brennt. Noch immer.

Review von

"Ich betrachte dieses Jahr als Beginn einer neuen Zeit. Es geht darum, sich von der Vergangenheit zu befreien. Dafür steht 'Freedom' und 'Fyah', weil Musik wie Feuer brennen muss. Da muss Kraft dahinter stecken."

Wie Alborosie vor einigen Wochen im Interview mit einem einschlägigen Szene-Magazin zu verstehen gab, ist sein neues Album "Freedom & Fyah" für ihn ein persönlicher Einschnitt, ein Neubeginn. Es ist der musikalische Auftakt Alberto d' Ascolas als 'Zion Youth'. Als ein von His Majesty Haile Selassie berufener Jünger des Glaubens.

"Wir haben ein gutes Verhältnis. Deswegen hat er mir gesagt, dass ich der Zion Youth bin", heißt es da weiter. Musik sei seine Art, dem Allmächtigen zu danken. Die neue LP ist sozusagen von höchster Stelle legitimiert, könnte man etwas blasphemisch resümieren. Ungeachtet dessen liefert der auf Jamaika lebende Italiener Alborosie mit "Freedom & Fyah" jedoch ein Album, das sich jedem Zweifel enthebt.

Spiritualität spielt seit jeher eine große Rolle im Reggae-Kosmos - und auch wenn man meinen könnte, der 38-jährige Sizilianer reizt diesen Umstand mit dem gebetsartigen "The Prophecy" zum Auftakt der LP etwas zu weit aus - "Can't Cool" bringt sofort den richtigen Vibe. Hier trifft ein relativ klassisch gehaltener Riddim auf Alborosies sägende Stimme, der Kopf beginnt zu nicken, der Refrain ist bereits nach einmaligem Hören fest im Gedächtnis eingebrannt.

Allerdings neigen Reggae-Platten auch häufig dazu, nur ein oder zwei richtige Höhepunkte zu beinhalten. Wenn ein Dancehall-DJ den einen, neuen, heißen Riddim der Szene voict oder ein Roots-Artist die neue Hymne für den Sommer kreiert. Auf Albumlänge wird dieses Niveau aber dutzendfach nicht gehalten, die restlichen Tracks sind oft nur Beiwerk ohne wirkliche Kontur. Meist hört man diese Songs nicht ein einziges Mal live, sie verschwinden schneller aus dem Repertoire des Künstlers, als ein durstiger Tourist am Strand von Negril ein Red Stripe öffnen kann.

Nicht so jedoch bei "Freedom & Fyah". Mit "Fly 420" schiebt der Wahl-Jamaikaner direkt den nächsten potentiellen Hit nach. Alborosie zog schon immer gerne die verschiedensten Genre-Schubladen auf. So besticht auch dieser Ganja-Tune mit einem sehr elektronischen Klanggewand, das gleichzeitig auch mit dem folgenden "Cry" verwoben ist. Dub und Dubstep flossen zu großen Teilen in die Produktion des Albums ein. Next-Level-Reggae sozusagen. Wobei sich der Multiinstrumentalist Alborosie ja gerade dadurch auszeichnet.

Das Feature "Strolling" mit Reggae-Shootingstar Protoje ist dann wieder klassisch gehalten, rund, melodisch, eingängig. Ebenso "Everything" und "Carry On". Roots-Lieberhaber kommen also voll auf ihre Kosten, trotz der bereits genannten Genre-Experimente.

Auch das leicht poppige "Life To Me" gewinnt dank des Refrains von Ky-Mani Marley an Ausdruckskraft und Stärke und vermeidet so das Abdriften in seichte Gewässer. Diese Gefahr besteht bei "Freedom & Fyah" allerdings generell nicht. Alborosie setzt Track für Track neue Höhepunkte und erfüllt mit dem Unerwarteten die Erwartungen - oder übertrifft sie sogar. Sei es der Autotune-Effekt auf "Rich", veträumte Dub-Effekte auf "Rocky Road" oder dem schon etwas länger bekannten "Poser" - oder eben der reine Dancehall-Kracher "Judgement" (Anspieltipp!).

Alborosie meistert mit "Freedom & Fyah" den Spagat zwischen Roots und Modern Music. Ohne Schwachstelle. Sein neues Album avanciert dadurch sicher zu einer der Reggae-Platten des Jahres. Puppa Albo brennt also. Noch immer!

Trackliste

  1. 1. The Prophecy
  2. 2. Can't Cool
  3. 3. Fly 420
  4. 4. Cry
  5. 5. Strolling
  6. 6. Rocky Road
  7. 7. Poser
  8. 8. Judgement
  9. 9. Life To Me
  10. 10. Rich
  11. 11. Carry On
  12. 12. Everything
  13. 13. Zion Youth

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