laut.de-Kritik

Sowas hört man im Post Hardcore nicht alle Tage.

Review von

So ganz loslassen konnten Alazka doch nicht vom alten Namen Burning Down Alaska. Jedenfalls stecken sie auf dem Coverartwork zu "Phoenix" ein paar Rosen in Brand. Sinn ergibt der Bannerwechsel gleichwohl allemal. Im letzten Jahr stieß mit Kassim Auale ein neuer Sänger hinzu und mit ihm der Klargesang. Entsprechend veränderte sich der Stil der Band. Weniger Core, mehr Indie-Vibe lautet die Devise.

Und so blöd es klingt: Die Recklinghauser scheinen wirklich ihre Identität gefunden zu haben. Fünf Jahre haben sie sich Zeit gelassen, um ein Debütalbum zu veröffentlichen. Das hat sich gelohnt, denn nicht viele Bands klingen auf ihrem Erstlingswerk derart ausgewogen.

"Ghost" beginnt mit luftiger Delay-Gitarre und der klaren Stimme Kassims. Mit voller Wucht krachen dann Schlagzeug und Tobias Risches heisere Screams hinein. Die Atmosphäre, die Alazka aufbauen, gleicht der verzahnter Post-Rock-Konstrukte. Dazu gesellt sich die Energie eines Hardcore-Konzerts. Sich mit geschlossenen Augen in die Stücke zu vertiefen, funktioniert ebensogut, wie sich die Verzweiflung im Moshpit aus den Gliedern zu raufen.

Wenn Kassim in "The Witness" und "Everglow" übernimmt, schielt die Band ganz unverhohlen gen Pop, baut um diese Parts jedoch eine dichte Struktur aus Gitarrensoli, abwechslungsreichem Songwriting und vollkommener Kitschfreiheit, sodass das Endergebnis weit entfernt vom üblichen Radiostandard ist. Trotzdem sind die griffigen Hooks geradezu prädestiniert dafür, ein Mainstream-Publikum zu erreichen. Man möchte sich vorstellen, dieses würde durch Alazka sogar Screams zu schätzen lernen.

Einen besonderen Höhepunkt liefern die Musiker mit "Legacy" – ein Paradebeispiel für ihre stilistische Offenheit und die Fähigkeit, sie in stimmigen Kompositionen auf den Punkt zu bringen. Kassim und Tobias performen hier stellenweise zweistimmig. Romantische, von Pop-Elektronik dominierte Fingerschnips-Parts wechseln sich mit druckvollen Gitarrenwänden ab, aus denen sich schließlich zur Krönung ein flinkes Solo schält. Am Ende leiten Alazka nahtlos in einen Spiritual-artigen Chor inklusive Handclaps über. Sowas hört man im Post Hardcore-Bereich nicht alle Tage.

Zum positiven Gesamteindruck trägt auch die Produktion bei. Einerseits bewahren sich Alazka Hardcore-typische Streetklänge und klingen roher als zu Burning Down Alaska-Zeiten – allerdings auch ungleich kraftvoller. Denn während an den richtigen Stellen der Punk durchbricht, achten Alazka gleichzeitig darauf, die einzelnen Elemente des Sounds differenziert zueinander zu positionieren und dynamische Spannung zu erzeugen. So schmiegen sich in "The Witness" warme Klaviertöne in den Klangteppich, und die Songs pendeln häufig zwischen brachial lauten und sehr ruhigen Parts.

Mit Gespür für Melodien - auf der Gitarre genauso wie gesanglich – und mitreißender Emotion packen Alazka Deutschland auf die Post Hardcore-Karte. "Phoenix" ist ein Album geworden, das sowohl auf der schicken Stereoanlage als auch im verschwitzten Kellerclub ankommen dürfte. Hoffen wir, dass Alazka für den Nachfolger nicht wieder fünf Jahre verstreichen lassen. Wobei, wenn der dann wieder so gut wird ...

Trackliste

  1. 1. Echoes
  2. 2. Ghost
  3. 3. Empty Throne
  4. 4. The Witness
  5. 5. Everglow
  6. 6. Ash
  7. 7. Phoenix
  8. 8. Everything
  9. 9. Hearts Of Gold
  10. 10. Legacy
  11. 11. Blossom
  12. 12. Fading Flame

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LAUT.DE-PORTRÄT Alazka

Alazka kennt man jahrelang unter anderem Namen: 2012 gründen drei Jungs aus dem nordrhein-westfälischen Recklinghausen die Band Burning Down Alaska.

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