laut.de-Kritik

Der Milfhunter ist zurück!

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Mit dem Intro des Albums, das auch die erste Single wurde, hat Al-Gear sich nach vier Jahren eindrucksvoll zurückgemeldet und die Promophase zu seinem dritten Album eröffnet. In dem siebenminütigen Song resümiert der Milfhunter einige Stationen seines Lebens und seinen bisherigen musikalischen Weg. Mit der epischen Untermalung und dem Realtalk-Flair hat er die Messlatte hoch gelegt. "Zu deiner besten Zeit hast du tausend beste Freunde, doch was du dabei vergisst, sind die echten Leute. Hast du was, kommen alle. Hast du nix, dann gehen sie. Jeder kommt bei Sonnenschein, doch keiner, der den Regen liebt."

Al-Gear gab in einem Interview mit MC Bogy zu verstehen, dass einige der Tracks bereits vor Jahren entstanden. Euphemistisch ausgedrückt: Aktueller Sound mischt sich mit vergangenem. Man hört mitunter heraus, welche Tracks älter und welche neuer sind. Nachdem er auf den letzten Alben schon mit einigen Mischproblemen zu kämpfen hatte, klingt "DVC" bedeutend besser. Die älteren Tracks trüben diesen Eindruck nicht negativ. Im Vergleich zu den aktuelleren Nummern und generell dem gängigen Klangbild fallen sie auf, mehr auch nicht.

Musikalisch versammelt Al-Gear vorwiegend Künstler, mit denen er sich bereits seit Jahren öffentlich zeigt. Ob Bass Sultan Hengzt, Farid Bang, Kay One, Kollegah, Mosh36 oder Schwesta Ewa - wenn man sich mit dem Erfinder des deutschen Da-Vinci-Codes befasst, wird einen diese Liste nicht überraschen. Die Tracks klingen daher dementsprechend routiniert. Lediglich der Schweizer Akkurat und die Sängerin Michelle Mendes (bekannt durch Kay One) bilden Ausnahmen. Positiv überrascht hat mich eben jener Kay One, der auf "DVC" wirklich abliefert. Er flowt wie früher und zeigt, dass er es immer noch drauf hat.

Die Anspieler "Alltag 2", "Düsseldorfer 2" und "Multikriminell 2" führen einige von Al-Gears beliebtesten sowie prominentesten Songs fort. "Alltag 2" erweist sich als wirklich unterhaltsamer Storyteller. Die Flucht vor acht Beamten, deren Kumpels und einer netten Frau ist Entertainment auf Al-Gear-Niveau. Spätestens wenn er trocken davon rappt, wie er auf seinem Fluchtweg überfahren wird, kann man sich ein Lachen nicht verkneifen.

Der Song mit Mosh36 hat dagegen recht wenig mit dem Erstling gemein. Inhaltlich ist er zwar kein klassischer Sommertrack, die Hook ist allerdings sehr zeitgemäß und stößt damit sicherlich nicht bei jedem auf Zuspruch. Dafür lässt der Track mit Kollegah und Farid Bang keine Wünsche offen, zumindest dann nicht, wenn man auf ein leichtes JBG-Feeling steht oder sich gerne an die Anfänge der drei Düsseldorfer zurückerinnert.

Wirklich gelungen finde ich "Rille" mit Hengzt und Kay One. Die Kombo funktioniert einfach. Diesen Party-Touch, das lyrisch Stumpfe und die Selbstbeweihräucherung der Jungs muss man natürlich nicht feiern, aber wer hier erwartet, dass inhaltlich die Welt gerettet wird, hat den Song und das Album sowieso nicht verstanden. "Denk bloß nicht, dass du 2Pac warst. Hengzt, woher kennst du die Moves? Usher! Unfassbar! Danke, ich weiß. Ich bin rille und tanz' in den Mai."

Die Anspielung des Covers auf "John Wick 2" ist schon passend gewählt: Wenn man das Album und die Promo zum Album heranzieht, gleicht alles einem Film. Mal düster, mal unterhaltsam, aber immer mit diesem Al-Gear-esquen Augenzwinkern. Sofern Al-Gear nicht erneut jahrelang in der Versenkung verschwindet, werden wir wohl wieder öfter von ihm lesen und hören.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. King Of Davinci Code
  3. 3. Bonnie & Clyde (feat. Schwesta Ewa)
  4. 4. Meine Welt
  5. 5. Vorurteile (feat. Kay One)
  6. 6. Skit Tipico Donnerschlag
  7. 7. Kein Cent
  8. 8. Nightmare On Ellerstreet
  9. 9. Schämst Du Dich Nicht (feat. Akkurat)
  10. 10. Alltag 2
  11. 11. Düsseldorfer 2 (feat. Farid Bang & Kollegah)
  12. 12. Fick Die Polizei
  13. 13. Rille (feat. Kay One & Bass Sultan Hengzt)
  14. 14. Multikriminell 2 (feat. Mosh36)
  15. 15. Outro (feat. Michelle Mendes)

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Für Abdelkader Zorgani sind die Eltern an allem schuld. Als die sich scheiden lassen, ist der Düsseldorfer mit algerischen Wurzeln gerade einmal elf.

4 Kommentare mit 22 Antworten

  • Vor 12 Tagen

    Klassische Lukas Rauer Rezension. Wer sein Machwerk möglichst unkritisch beäugt haben möchte, ist hier genau richtig.

    • Vor 12 Tagen

      aber er hat Recht! Er spricht wahr! Es ist ein wirklich sehr gelungenes Album (einziger kritikpunkt: diese "Lieber bin asozialer NAFRI als Kinder zu ficken"Line. Nichts für ungut, aber wenn mein Religionsstifter eine 6 Jährige und eine 12 jährige Ehefrau gehabt hätte, täte ich da den ball eher flach halten :whiz: ) ich hätte 4 Punkte gegeben.
      Aus irgendwelchen Gründen schafft es L-Gear seine Halbwertszeit nicht zu überschreiten. Anders als so manch anderer Düsseldorfer Rapper. aber gut, er released auch nur alle 4 jahre 1 album und nicht 4 alben pro jahr

    • Vor 11 Tagen

      Du weißt aber schon, dass das ziemlicher Quatsch ist, den du hier vor dich herblubberst, oder?

    • Vor 11 Tagen

      Ja. Die ehe wurde Natürlich erst vollzogen als Aisha Abu bakr 9 war. Man ist ja nicht irgendwie abnorm oder so..

    • Vor 11 Tagen

      Ansonsten hat al Gear seine Halbwertszeit wirklich nicht überschritten. Das Album ist super

    • Vor 11 Tagen

      Dieser Kommentar wurde vor 11 Tagen durch den Autor entfernt.

    • Vor 11 Tagen

      Dieser Kommentar wurde vor 11 Tagen durch den Autor entfernt.

    • Vor 11 Tagen

      Mhh, ja, interessant wie dir die tatsächlich relevanten Alterszahlen, auch wenn die ja durchaus kontrovers diskutiert werden, wohl ganz offensichtlich bekannt sind, du dich aber trotzdem für die extremere, niedrigere Zahl in deiner Darstellung entscheidest, wa? Wobei ein Altersunterschied von sechs zu neun es natürlich nicht wirklich viel besser macht.
      Darum ging es mir aber auch überhaupt gar nicht. Mich würde vielmehr interessieren, wie du so ganz ohne Umwege vom "Nordafrikaner" zum "Mohammed-verklärenden koranzentrischen Muslimen" oder gar zum "Kinderfickertolerierer" kommst, damit eine Anspielung wie deine auch nur irgendeinen Gehalt hat. Muss ich mich jetzt auch jedes Mal explizit von der Sklaverei distanzieren, wenn ich mir antike griechische Moraltheorien zum Vorbild mache?

    • Vor 11 Tagen

      das wird wesentlich weniger kontrovers diskutiert als es dem ein oder anderen lieb ist. Weil Al-Gear, der sich gerne und oft als Nordafrikaner bezeichnet (er ist übrigens Staatsbürger der BRD) eben auch vorgeblicher Moslem ist. Und so Ferkeleien wie Kinderehen usw durchaus von diversen muslimischen Schriftgelehrten legitimiert wird. Das können die machen wie sie lustig sind. Aber diverse Akteure im Deutschrap-Biz, vorgeblich Moslems und "Intensivtäter", öfter mal die "immerhin fahren wir nicht nach thailand zum kinderficken, wie die deutschen"Karte spielen, um sich lyrisch zu rechtfertigen. Zb Al Gear, ALpa gun, Farid, Majoe, KC, PA usw
      Und das ist, in Anbetracht islamischer Praktiken (damals wie heute), dünnes Eis

    • Vor 11 Tagen

      Omik K beispielsweise, der könnte diese Karte spielen. Oder Blumio aber der ist ja nid kriminell. SpongeBOZZ könnte diese Karte auch spielen...

    • Vor 11 Tagen

      ich meine, ich bestreite gar niht, dass die Pervs aus dem deutschsprachigen raum so ihre zeit verbringen...aber halt dünnes eis...

    • Vor 11 Tagen

      mein religionsstifter ist jesus christ allin, daher ist es auch für mich dünnes eis. wie gesagt, soll jeder machen. aber manche können diese karte spielen, andere halt nicht

    • Vor 11 Tagen

      Joa, gebe ich dir größtenteils recht soweit. Nur ist es halt auch sehr dünnes Eis von "diversen muslimischen Schriftgelehrten" einfach so auf muslimischen Rapper XY zu schließen, das ist ja jetzt auch nicht großartig reflektierter als die Thailand-Kommentare sofern du das in Bezug auf den spezifischen Rapper nicht weiter rechtfertigen kannst. Vielleicht kannst du das, dann hast du dich in diesem Fall aber zumindest unglücklich ausgedrückt.
      Allgemein sollte man halt schon darauf achten, dass man einerseits von der Kritik an in bestimmten Kulturkreisen z.T. vorhandenen Strömungen und den dadurch propagierten Ungerechtigkeiten nicht nahtlos in die unreflektierte Kritik eines dem Kulturkreis zugehörigen Individuums rutscht. Deiner generellen Kritik stimme ich ja zu und kaufe es dir z.T. sogar ab, dass du es damit tatsächlich ernst meinst. Das Problem ist da eher wie selektiv oder unselektiv du so etwas anwendest. Das geht dann sehr schnell in Richtung "Ungerechtigkeit im Namen der 'Gerechtigkeit'".

    • Vor 11 Tagen

      Gut passt. Ein Kommentar a la "auch für mich dünnes Eis" ist ja in Bezug auf die von mir angesprochene fehlende Selektivität auch schon was wert. Von daher verabschiede ich mich damit jetzt aus der Diskussion.

    • Vor 11 Tagen

      Man streiche das "fehlende"

    • Vor 11 Tagen

      Tolles Gespräch

  • Vor 12 Tagen

    So viele Knarren und nicht einmal eine Fehlzündung? Ungerechte Welt!

  • Vor 11 Tagen

    Kann der überhaupt irgendwas? Also außer Kumpel von Kolle und Farid zu sein und diese jämmerlichen Video-Bloßstellungen irgendwelcher irrelevanter Kretins?

    • Vor 11 Tagen

      er ist raptechnisch besser als farid. um einiges sogar.

    • Vor 11 Tagen

      Das beantwortet aber noch nicht die Frage, ob er etwas kann.

    • Vor 11 Tagen

      er soll ein gewisses talent für glücksspielautomaten und sportwetten haben. damit kann er mehr als ich

    • Vor 10 Tagen

      Glaub' ich dir sogar, dass er raptechnisch besser als Farid ist. Das Problem ist nur: seine Inhalte sind genauso belanglos. Und Beats pickt er auch von denselben 08/15 Pfuschern, weswegen das auch alles wie 1000x gehört klingt.

    • Vor 10 Tagen

      ja, im prinzip bin ich da bei dir. Aber L- "delivered" recht sympathisch. Er hat (seinen eigenen) Humor und rappt viel mit Augenzwinkern und Selbstironie. Das gabs zuletzt auf AMII und Xatars Frühwerk. Den aktuellen Metastasen aus dem Banger-Camp geht dies fast völlig ab. capital bra und KNM und was weiß ich-> ungehört 1/5
      Zumal L- halt echt nicht jedes jahr x alben raus haut, weshalb er halbwegs fresh und wenig abgenutzt ist

    • Vor 7 Tagen

      Ja, ich finde seinen Humor auch gut, also formulieren wir es mal so: er macht meiner Meinung nach viel zu wenig aus seinem Potenzial, weil er gewissermaßen einfach ein fauler Hund ist und schon immer mehr mit Nebentätigkeiten als mit dem Rappen beschäftigt war. Das ist einerseits zwar gut, weil er, wie du ja richtig anmerktest, längst noch nicht so abgenutzt wie die ganzen anderen Larrys ist, aber man wird trotzdem das Gefühl nicht los, dass er viel mehr als diese Gangster-Bitches-Drogen-Whatever-Schiene drauf hätte, wenn er ernst machen würde.

  • Vor 11 Tagen

    Haha der hat mal jemand sein Pipi und Penner-Wichse trinken lassen. 1/5