laut.de-Kritik

Grandiose Rückkehr des Antifolk-Helden mit Florence Welsh.

Review von

Wer schwelgt nicht gerne in Erinnerungen: Um die Jahrtausendwende mischte die kostümierte Antifolk-Truppe The Moldy Peaches mit rumpeligen Rock'n'Roll-Pop-Songs die New Yorker DIY-Szene ordentlich auf. Hierzulande erlangte das herzlich-schräge Gesangs-Duo Kimya Dawson und Adam Green viel Aufmerksamkeit. Man hörte Songs wie "New York City Is Like A Graveyard" oder "Anyone But You" in Funk, Fernsehen und Kino ("Juno").

Es spielte keine Rolle, ob man mehr als drei Akkorde beherrschte und wie lange man schon sein Instrument spielte. Im Mittelpunkt stand stets der berührende Folk-Punk-Dilettantismus und gute Texte. Auch heute noch sind die meisten von ihnen fleißig: Jeffrey Lewis, Schwervon oder Herman Dune. Sie drehen Filme, malen Comics oder erotische Bilder, schreiben weiter Songs, Gedichte und Bücher, gehen auf Tour und bringen Platten heraus.

So auch Adam Green, der zuletzt Soundtrack und Filmskript zu "Aladdin" konzipierte. Zumindest die visuelle Umsetzung, ein faszinierendes Laien-Spektakel, blieb hier in Erinnerung. Auf "Engine Of Paradise" sind die guten alten Antifolk-Gefühle gleich mit dem Titelsong zurück. Man erfreut sich an Adams vertrauter Stimme, den eingängigen Melodien mit Chorgesang und den barocken 60s-Pop-Orchester-Arrangements. Die Welt könnte ein Paradies sein, findet er, für ein gutes Stück Glück muss jeder selber was tun ("Engine Of Paradise"). "Gather Round" ist ein klassischer EverGREEN mit leicht rumpelndem Schlagzeug, singenden Geigen und der tiefen Stimme des leicht verpeilt wirkenden Künstlers.

Die zahlreichen Hit-Momente des großartigen Albums "Friends Of Mine" (2003) rauschen ins Gedächtnis. Green singt von Maschinen, die unser Konsumverhalten beeinflussen: "I'm gonna freeze my love, because technology has changed me." Das Thema Technologie und die von ihr ausgehende Abhängigkeit beschäftigt Green schon länger und taucht auch in seinem Comicbuch "War On Paradiese" auf, das parallel erscheint. Hier geht es um Weltuntergang, Atombomben und künstliche Intelligenz. Seinen schrägen Humor bilden auch die Videos ab, in denen Menschen durch bunte Pappmaché-Kulissen wandeln.

Seine abgedrehten Inhalte wickelt er immer wieder in verträumte Melodien ein ("Wines And Champagnes"). Nicht nur seine Songs sind kurz und knackig, auch seine Statements: "Let's Get Moving" etwa. Zu viele Worte machen es ja auch nicht unbedingt besser. Green textet romantisch, sicher auch mal kitschig, aber immer aus der etwas abgelegeneren Perspektive. Antifolk gab es schließlich lange vor Trump und Green Friday, doch auch Green ist älter geworden: "Life is not a gameshow" singt der 38-jährige Familienvater nun in "Cheating On A Stranger".

Zu seinen musikalischen Gästen auf "Engine Of Paradise" zählen Gitarrist James Richardson von MGMT und Loren Humphrey, die bei Florence And The Machine am Schlagzeug sitzt und das Album produzierte. Somit ist auch Florence Welch als Gastsängerin dabei. Dass diese doch recht eigenwillige Sängerin so gut mit Adam harmoniert, würde man vielleicht zunächst nicht denken, aber das Hörerlebnis von "Reasonable Man" erweist sich als finaler Höhepunkt.

Trackliste

  1. 1. Engine Of Paradise
  2. 2. Gather Round
  3. 3. Freeze My Love
  4. 4. Wines And Champagnes
  5. 5. Escape From This Brain
  6. 6. Cheating On A Stranger
  7. 7. Let's Get Moving
  8. 8. Rather Have No Thing
  9. 9. Reasonable Man

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