laut.de-Kritik

Überladene Mixtur aus Dancefloor-Euphorie und Wohlfühl-Ambient.

Review von

Seit rund 25 Jahren gehört Andre Tanneberger alias ATB zum festen Bestandteil der internationalen Danceszene. Mit seiner Mixtur aus Trance und EDM bringt er die Dancefloors zwischen Amerika, Asien und Australien zum Kochen. Demgegenüber steht er für ruhigen Chillout-Ambient, der zum Abschalten und Entspannen einlädt. Auch seine zehnte Studioplatte "neXt" bewegt sich musikalisch zwischen diesen beiden entgegengesetzten Polen.

Die erste CD dieses Doppelalbums bestimmen die Dancetracks, die mit einer Reihe an Gastsängern auf die großen EDM-Bühnen schielen. Der Opener "Pages" gibt die Route für den weiteren Verlauf der nächsten gut 50 Minuten vor. Hier ein synthetisches Piano, da eine melancholische Gesangslinie, die auf den nächsten Peak wartet, um das Partyvolk in Ekstase zu versetzen.

Ab und an gesellt sich diese typische ATB-Gitarre wie in "I'm Here" dazu, die aber selten Abwechslung in das Schema bringt. Ruhige Momente wie "Remember When" hinterlassen dagegen kaum bleibenden Eindruck. Die einzige gelungene Gesangsnummer muss man auf der zweiten CD suchen.

"When It Ends It Starts Again (Ambient Version)" hört man hier als Neubearbeitung mit einem filigranen Piano- und Gitarren-Arrangement, während die Stimme Sean Ryans sich in romantisch-berührende Sphären aufschwingt. Kein auf Funktionalität getrimmter Peak stört auf diesem Track das gediegen-sphärische Soundbild.

Dass sich die Gastsänger aktiv am Produktionsprozess beteiligen und eigene Melodien für die Songs beisteuern, über die ATB nur noch trancige Synthies und einem gleichbleibenden 4-/4-Bass für die nächste Kontor-Compilation legt, macht "neXt" nicht unbedingt zu einer guten Platte. Viele Köche verderben schließlich den Brei.

Jedoch überzeugt Andre Tanneberger vor allem dann, wenn er auf seine Fähigkeiten als Produzent vertraut. CD 2 prägen ambiente Stücke, die sich zwar in ihrer verträumten Midtempo-Beliebigkeit aus schleppenden Beats mit Piano- und Gitarrenspuren selten aus der Café-Del-Mar-Zone heraus wagen, aber zumindest einige recht nette Momente beherbergen.

"Back Home" klingt mit seiner wehmütigen Klaviermelodie beinahe neoklassizistisch beeinflusst, ohne die gezwungenen Hall-Effekte könnte man schon fast an eine melodramatische Nummer von Nils Frahm denken. Seine Vorliebe für ruhige Klänge lebt ATB mit diesem Track gelungen aus. "Time" hüllt als zurückgelehnter Trip-Hop-Song mit weitläufigem Gitarrenspiel den Hörer ebenfalls sanft und wohlig ein.

Das instrumentale "Connected" mit Andrew Rayel auf der ersten CD lässt dennoch mit seinem hellen Robert-Miles-Piano als Kontrast zum droppenden EDM-Bass noch einmal Euphorie aufkommen. Man fühlt sich durch die hervorstechende Trance-Charakteristik dieses Stückes angenehm in die späten 90er zurückversetzt, als ATB mit "9PM (Till I Come)" wochenlang die nationalen und internationalen Charts bestimmt hat.

Die bewährte Erfolgsformel aus zurückblickender Nostalgie, modernen, aber vorhersehbaren Dancefloor-Tracks und Midtempo-Songs zum Herunterfahren stößt auf diesem Doppelalbum also an seine Grenzen. Dem Spannungsbogen auf "neXt" hätte eine kompakte Zusammenführung der verschiedenen Elemente deutlich besser getan. Die gesamte Bandbreite seines Ausdrucks deckt Andre Tanneberger auch ohne die vielen Gastfeatures stellenweise eigenständig souverän ab. So wirkt das Ergebnis schlichtweg zu überladen und zu lang.

Trackliste

  1. 1. Pages
  2. 2. Never Without You
  3. 3. If It Takes All Night
  4. 4. Stay With Me
  5. 5. Message Out To You
  6. 6. A Place Like You
  7. 7. Connected
  8. 8. Remember When
  9. 9. Breach
  10. 10. Close Enough To Touch
  11. 11. I'm Here
  12. 12. Heart Of Stone
  13. 13. Flash X
  14. 14. Route 66
  15. 15. Faith
  16. 16. Green Sand
  17. 17. Moving Cloudbreak
  18. 18. When It Ends It Starts Again (Ambient Version)
  19. 19. Back Home
  20. 20. Restart
  21. 21. Never Stop
  22. 22. Time
  23. 23. Pulsar
  24. 24. Within a Dream
  25. 25. Project X

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