laut.de-Kritik

Die einst wütenden Punks blicken in den Abgrund des Radio-Pop.

Review von

Immer hereinspaziert, "You're welcome"! Frei nach dem Motto "Hier ist für jeden was dabei" laden A Day To Remember alle Generationen und Geschmäcker ein, sich auf ihrem siebten Studioalbum wiederzufinden. Darin liegt zugleich Stärke und Schwäche einer Platte, die früher oder später genau so zu erwarten war.

In einer Entwicklung vom wütenden Metalcore hin zum altersmilden Pop-Punk, war "Bad Vibrations" sowas wie der Blick in den Rückspiegel, ein Versuch, sich auf das zornige Ich aus High School-Tagen zurück zu besinnen. Doch tief im Inneren war eigentlich klar: Das Gefühl lässt sich nicht mehr rekonstruieren.

Warum also nicht nach vorne schauen, mehr Optimismus wagen und den Verführungskünsten des zeitgemäßen Elektro-Pop erliegen? Mit dem Wechsel zum Warner Music-Label "Fueled by Ramen" setzen A Day To Remember einen Reifeprozess fort und entscheiden sich unüberhörbar für mehr sommerliche Leichtigkeit. Das muss gar nicht schlecht sein.

Eingängig und nie penetrant lässt sich "Mindreader" getrost auf jede Roadtrip-Playlist packen. Die Abschlussball-Ballade "Everything We Need" steht dem in Nichts nach. Solche Songs blicken in den Abgrund des peinlich plumpem Radio-Pop, meistern den Drahtseilakt dann aber doch locker-flockig.

Dieses Spiel mit dem Feuer überreizen die Amerikaner allerdings auch oft genug. Egal ob "Bloodsucker", "High Diving", "Fuck You Money" oder "Only Money": All diese Songs sind wie gemacht für den schnellen Chart-Erfolg. Jede Menge "Woohoo"-Lückenfüller, Dosen-Beats und flüchtige Melodien.

Um treue Fans der ersten Stunde nicht im Regen stehen zu lassen, ist "Resentment" sicher der versöhnliche Kitt, der alles zusammenhält. Da hagelt es dann endlich mal einen Breakdown, für den sich das Anschnallen lohnt. Obendrein baut der bittersüße Chorus die Brücke zu alten Zeiten. "Last Chance To Dance" oder "Brick Wall" schließen sich übrigens vorbehaltlos an.

Im Interview spricht Jeremy von nostalgischen, erwartbaren und solchen Stücken, die bisher nie da gewesene Seiten zum Vorschein bringen. Dabei ist "Permanent" mit seinen düsteren 80er Rock-Attitüde sicher eine der interessantesten Überraschungen. Davon gerne mehr!

Wie von der Band selbst angekündigt, hat das verflixte siebte Album einen hybriden Charakter.
Viele Facetten, die eine breite Hörerschaft ansprechen und es irgendwie jedem Recht machen wollen. Dabei geht natürlich ein Stück Eigensinn und Identität verloren. Flexibel oder unentschlossen? Alles eine Frage der Perspektive.

Trackliste

  1. 1. Brick Wall
  2. 2. Mindreader
  3. 3. Bloodsucker
  4. 4. Last Chance To Dance (Bad Friend)
  5. 5. F.Y.M.
  6. 6. High Diving
  7. 7. Resentment
  8. 8. Looks Like Hell
  9. 9. Viva La Mexico
  10. 10. Only Money
  11. 11. Degenerates
  12. 12. Permanent
  13. 13. Re-Entry
  14. 14. Everything We Need

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4 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 3 Monaten

    Hab Bad Vibrations vor 5 Jahren ziemlich gefeiert, weil sie da endlich mal - weitestgehend - dieses Image der Party-Bro-Band abgelegt haben. Dass hier die halbe Tracklist wirklich sehr oberflächlich versucht sich an aktuelle Radiotrends anzubiedern, ist wirklich schlimm.

  • Vor 3 Monaten

    Man muss es einfach mittlerweile akzeptieren, dass der old school Pop-Punk Kram heute kaum noch Abnehmer finden würde(leider). So dachte ich bei den ersten drei Songs, dass ich versehentlich auf die Fall Out Boy Taste gekommen bin. Bedeutet nichts schlimmes, die mag ich ja auch, aber Völlig ungewohnt für ADTR.

    Ich hoffe nur, dass sich der angesprochene old school Pop-Punk wieder etablieren kann. Und wir nicht in diese Elektro-HipHop-Wannabe Machine Gun Kelly/Mud Sun- ich tätowiere mir meine Visage zu- Richtung abdriften und uns somit gänzlich von gepflegten 3 Chord Songs verabschieden müssen.

  • Vor 3 Monaten

    Ich hab schon seit Ewigkeiten keine Song für Song Review mehr gemacht, aber für ADTR mache ich gerne eine Ausnahme.

    Brick Wall: 3/5 Hat einige nette Passagen, aber auch zu viele Tempowechsel. Ausserdem nerven die E-drums und generell die poppige Produktion.

    Mindreader: 2/5 Geht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus ohne einen Eindruck zu hinterlassen. Typische B-seiten Ware.

    Bloodsucker: 2/5 Wäre die Produktion nicht so poppig, hätte es ein gutes Lied werden können. So ist es ziemlich langweilig.

    Last Chance to dance: 2/5 Ich war noch nie ein Fan der härteren ADTR songs. Auch hier wieder zu viele Tempowechsel und zu poppige Produktion.

    F.Y.M: 4/5 Erster starker Song der Platte. Tolle, treibende Strophen. Der Refrain ist mir dann ein bisschen zu gewollt radiotauglich

    High Diving: 5/5 Der nächste starke Pop song.

    Resentment: 4/5 Toller Breakdown, toller Beat. Ganz gutes Lied

    Looks Like Hell: 2/5 Da passiert 3.5 Minuten lang gar nix.

    Viva La Mexico: 2/5 Der nächste langweilige Füller

    Only Money: 2/5 In dem Song passiert auch nichts

    Degenerates: 1/5 Wäre als Joke Song von Blink-182 gut angekommen, als ADTR Single kann man das nicht ernstnehmen. Peinlicher Text, schlechte Musik

    Permanent: 2/5 Der nächste Füller

    Re-Entry: 2/5 Füller

    Everything we need: 5/5 richtig starke Akkustik Ballade, die sehr gut im Ohr bleibt.

    Fazit: Drei gute Songs, die aber besser von einer anderen Band (Blink-182 maybe?) hätten veröffentlicht werden sollen. Grösstenteils besteht das Album aus nichtssagenden Füllern. Dafür, dass es das erste Album seit 4.5 Jahren ist, ist das beinahe schon eine Frechheit. Das die besten Songs auf dem Album, gerade die heftigsten Popsongs sind, sagt schon einiges aus.

  • Vor 3 Monaten

    Kein Meisterwerk aber so schlecht wie das Album größtenteils rezipiert wird (jetzt gar nicht umbedingt hier) find ichs gar nicht. Hätte mir ja das ein oder andere Feature aus dem MGK/Youngblood/etc. Kosmsos erhofft, dann noch ein, zwei filler Songs rausstreichen und es wäre ein knackiges, modernes abwechslungsreiches ADTR Album gewesen.
    So reiht sich das Album eben im unteren Mittelfeld der bisherigen (allesamt guten) Veröffentlichungen ein.