laut.de-Kritik

Der wohl schönste Rapper geht einen unerwarteten Weg.

Review von

A$AP Rocky hätte es sich einfach machen können. Zu bequem erschien die Ausgangslage, die sich der vielleicht schönste Rapper im Game mit trivialen Clubhits wie "Fucking Problems" oder "Wild For The Night" geschaffen hatte. Das Problem daran benannte der Pretty Flacko jedoch äußerst selbstkritisch im Interview mit MTV: "Ich hasse diese Songs ... Wenn die Leute an mich denken, sollen sie an etwas Ehrenwerteres denken als das".

Ein künstlerischer Ansatz also, der besonders eine Komponente miteinbezieht: Weiterentwicklung. Vorbei sind die Zeiten von nebelschwadenbehangenen Clams Casino-Instrumentals, die sich frei an der Houston'schen Chopped and Screwed-Ästhetik bedienen und die Welt durch die lilane Brille betrachten. Rocky bewegt sich ganz bewusst aus seiner Komfortzone, in der ihm Labelkollege Ferg den Rang als Trap Lord ohnehin längst abgelaufen hat.

Ein wesentlicher Punkt zieht sich jedoch weiter durch das Schaffen des Rakim Mayers: Drogen. "Them other drugs just don't fit me right / Girl, I really fuckin' want love, sex, dreams". Und "L$D" ist tatsächlich auch das Stichwort, das den psychedelischen, diesigen und repressiven Sound der Platte am treffendsten erklärt. Verantwortlich für diesen sind neben Rocky selbst, der stets nach Einflüssen außerhalb seiner Geburtsstätte Harlem sucht, auch Gorillaz/Gnarls Barkley-Soundtüftler Danger Mouse und der verstorbene A$AP-Strippenzieher Yams.

"Ok, let's get past all this swag, trapping, and fashion talking", bilanziert der Fashion Killa daher treffend auf seiner Kanye-Kollabo, die durch eine soulige College Dropout-Romantik getragen wird. Wirklich etwas zu erzählen hat Rocky abgesehen von christlich-spirituellen Ausflügen ("Holy Ghost"), Hedonismus-Huldigungen und allerlei Frauengeschichten, die mal augenzwinkernd ("Jukebox Joints"), an anderer Stelle recht pietätlos ("Better Things") daherkommen, zwar immer noch herzlich wenig. Daran, dass seine Musik über Vibes, Atmosphäre und Charisma funktioniert, ändert somit auch "At.Long.Last.A$AP" nichts.

Dafür ergeben sich gänzlich neue Inspirationsquellen, die der samplebasierten Platte merklich ihren Stempel aufdrücken. Im Opener liefert ein klebriges Gitarrenriff die Soundvorlage, gegen Ende der Platte wird gar eine eingestaubte 70er Jahre Rod Stewart-Hook neu aufgelegt. Das alles passiert auf einem Album, das in raren Momenten sogar ein Auge in den Stripclub wirft ("Electric Body"), tief im dreckigen Süden diggt ("Lord Pretty Flacko Jodye 2") oder sich an zeitgenössischem Cloud-Rap versucht ("Canal St.").

Unterstützt wird Rocky dabei von ausnahmslos großartigen Gästen. Ein Lil Wayne in 2008er-Form wettert gegen Birdman, Senior Pretty Flacko aka Yasiin Bey aka Mos Def erklärt ein bisschen Mathematik und UGK graben einen bisher unreleasten Pimp C Part aus. Den größten Einfluss auf die Platte hat aber ein gänzlich Unbekannter: Joe Fox, bis vor kurzem noch Straßenmusiker aus London, findet auf ganzen fünf Tracks der Platte statt, was einzig und allein auf eine zufällige Begegnung mit Rocky zurückzuführen ist.

Die Vergleiche mit Bob Dylan, die der Pretty Flacko in Interviews anstrengt, sind zwar ein wenig hoch gegriffen. Dennoch sind die von Joe Fox assistierten Tracks, allen voran das gedankenverlorene "Pharsyde" oder die bedrückende "Max B"-Huldigung, die musikalisch stärksten Tracks auf einem Album, das gänzlich ohne Hochglanzproduktionen auskommt. A$AP Rocky schlägt so einen Weg ein, der nicht zu erwarten war, deswegen aber umso begrüßenswerter bleibt.

Und auch wenn der nach dem God MC benannte Rakim Mayers mit dem Album-Akronym "A.L.L.A." und dessen Bedeutung ("I'm basically saying it's the return of the god) übertreibt, eine solch geerdete und kohärente musikalische Wandlung hätten A$AP Rocky wohl nur die wenigstens zugetraut. "On the side, who gave em style 9 times out of 10 / It was Flacko, Jodye, Flacko, Jodye". Isso.

Trackliste

  1. 1. Holy Ghost (feat. Joe Fox)
  2. 2. Canal St. (feat. Bones)
  3. 3. Fine Whine (feat. M.I.A., Future & Joe Fox)
  4. 4. L$D
  5. 5. Excuse Me
  6. 6. JD
  7. 7. Lord Pretty Flacko Jodye 2
  8. 8. Electric Body (feat. Schoolboy Q)
  9. 9. Jukebox Joints (feat. Kanye West & Joe Fox)
  10. 10. Max B (feat. Joe Fox)
  11. 11. Pharsyde (feat. Joe Fox)
  12. 12. Wavybone (feat. Juicy J & UGK)
  13. 13. Westside Highway (feat. James Fauntleroy)
  14. 14. Better Things
  15. 15. M’$ (feat. Lil Wayne)
  16. 16. Dreams (Interlude)
  17. 17. Everyday (feat. Rod Stewart, Mark Ronson & Miguel)
  18. 18. Back Home (feat. Mos Def, Acyde & Yams)

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12 Kommentare mit 10 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    Der lang Erwartete Nachfolger von Long.Live.A$AP ist endlich da!
    Da ich Long.Live.A$AP eines der besten Alben in diesem Genre "genießen" durfte waren die erwartungen an A.L.L.A sehr hoch.

    Das Album ist nicht so Mainstream/Radiotauglich wie der Vorgänger dafür aber kreativer und Detailreicher.
    Auch ein bischen Psychedelisch.
    Mir fehlen leider ein paar Banger wie z.B Goldie, F*ckin Problems...

    Trozdem ein sehr gutes Album geworden.

    Normal 4,5/5 Sterne
    Nach nem Joint(High) 5/5 Sterne

    In meinen Top 5 Alben des Jahres!^^

  • Vor 3 Jahren

    Nicht so stark wie die Vorgänger, aber einige gute Dinger sind drauf. Holy Ghost passt super als Einstieg, mit Canal St folgt direkt ein weiteres Highlight, Fine Whine gefällt mir bis auf den M.I.A. Part auch und dann wird's belanglos und langweilig.

    Mit Electric Body kommt dann endlich wieder was feines und ab Pharsyde geht's dann wieder bergauf.

    Hätte man gut und gerne auf 13 Tracks abkürzen können. Gerade die Mitte zieht sich. Nach den 7 Durchgängen wird's aber jetzt auch erstmal beiseite gelegt. Jetzt ist Bonchance dran :D

    PS: Wer den Weezy-Part auf M'$ auch gefeiert hat sollte mal den neuen Song Glory auschecken. Macht Hoffnung auf das "Free Wayne" Album.

    http://song.urbanmusicdaily.me/?link=audio…

  • Vor 25 Tagen

    Ich finde, es ist ein sehr melancholisch-nostalgisches Album.
    Pretty Flackos Richtung weg vom Trap und hin zum Boom-Bap mit dreckigen, teils depressiv-manischen Instrumentals tut dem Album sehr gut. Jeder Song hat großartige, musikalische Momente und markante Stellen, die hängenbleiben, sodass es keinen einzigen Ausfall oder Durchhänger gibt. Auf diese Länge gestreckt, die das Album eben aufweist, ist das schon eine Kunst für sich. Die gut ausgewählten und stets ablieferenden Features tragen jeweils ihren eigenen Teil zu den Songs bei, die ohne diese vielleicht nur halb so gut wären. Von mir gibt es für dieses Meisterwerk 5/5 Sterne.
    Das Album ist bis dato sein bestes.