laut.de-Kritik

Neun gebellte Stücke zwischen Punkrock und Avantgarde.

Review von

Ambivalente Geschichte, diese Band. Auf EP-Länge ("Hamburg brennt") macht alles noch so viel Sinn: Fünf hingekotzte Songs, plärrende Anklagen, schrammelschrammel, Schluss. Wir gehen übrigens noch zur Schule, ihr Penner! Das rockte und schockte, aber für einen Longplayer muss man sich schon ein bisschen mehr einfallen lassen.

"Du Nicht Er Nicht Sie Nicht" sind neun gebellte, dringliche Stücke zwischen 77er-Punkrock und Avantgarde vom Typ Palais Schaumburg und ein in gemäßigtem Tempo gehaltenes Cover von Pascal Finkenauers "Ich blicke an dir vorbei" zum Schluss.

Endlich: Das hier ist laut, direkt, schnörkellos, abrupt und roh. Prosaisch geht es nicht um Dosenbier, sondern um Lebenshunger, klingt aber nicht wie EL*KE. Denn: "Beschweren kann man sich immer noch!", finden die drei Hamburger eine Generation nach Tocotronic – und das knallt ziemlich.

Wie könnte man also anders als sich wie bescheuert zu freuen über diese aggressive Antithese zum gefälligen Popbrei deutscher Schauspielersöhne und Casting-Klone? Mit ein bisschen Überwindung ist es sogar möglich, über das eher peinliche Divengehabe der knapp volljährigen Bandmitglieder hinwegzusehen. Das größere Problem ist, dass auch die Musik mit erwähntem tollen Ansatz ziemlich bald ihren Reiz verliert.

Denn sogar auf den knauserigen sechsundzwanzig Minuten von "Du Nicht Er Nicht Sie Nicht" gibt es Stellen, die monoton und überflüssig, sogar aufgesetzt erscheinen. Doofe Texte, die durch das zweistimmige Gerufe wichtig und wütend klingen, aber wenig Substanz haben, tun ihr übriges. Andererseits: "Was will man denn schon sagen, außer dem, was man fühlt?"

Also bleibt eine ordentliche Platte mit Adrenalin und Gang-of-Four-Rollbass zum Austoben, aber auch die Gewissheit: Diesen Befindlichkeitspunk finden auf Dauer nur die Briten geil – weil sie die Texte nicht verstehen.

Für eine aufrichtige Rotzattitüde fehlt den dreien dank Soloshows in London und Hofierungen von anderen Hipstern wie Klaxons und Peaches Geldof schon jetzt die Bodenhaftung. Tocotronic zum Beispiel konnten das besser mit dem Beschweren. Nicht so plakativ, dafür aber mit Nachhall - und viel weniger verbissen.

Trackliste

  1. 1. Heute
  2. 2. Trocknet Eure Tränen
  3. 3. Mein Regen
  4. 4. Oh Oh
  5. 5. Moral
  6. 6. 1 2 3 4 5 6 7
  7. 7. Mein Traum
  8. 8. Diese Brille
  9. 9. 48 Stunden
  10. 10. Ich Blicke An Dir Vorbei

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LAUT.DE-PORTRÄT 1000 Robota

Da dachte man, der deutsche Sloganrock wäre nach den ersten Tocotronic-Alben wieder in der Schublade verschwunden, und dann das: "Schmeiß dein Ego weg …

10 Kommentare

  • Vor 12 Jahren

    Find ich ja lustig. Ich hab den Schlagzeuger vor ungefähr 4 Jahren mal in nem Handballcamp kennengelernt, da war das irgendwie grad mal in den Kinderschuhen. Die Welt ist klein usw. :)

  • Vor 12 Jahren

    "Mit ein bisschen Überwindung ist es sogar möglich, über das eher peinliche Divengehabe der knapp volljährigen Bandmitglieder hinwegzusehen."

    mit sehr viel Überwindung!

    "Für eine aufrichtige Rotzattitüde fehlt den dreien dank Soloshows in London und Hofierungen von anderen Hipstern wie Klaxons und Peaches Geldof schon jetzt die Bodenhaftung." !

  • Vor 11 Jahren

    Attitüde hin oder her, "Du Nicht Er Nicht Sie Nicht" macht trotzdem mehr Spaß als die Neue von Tomte.

    Die Rezension ist ziemlich gelungen, sagt fast alles, was es zu sagen gibt.

    "Schmeiß Dein Ego weg und feier was Du liebst."