Die Geschichte von Arcade Fire klingt fast wie ein Märchen: Sänger und Gitarrist Win Butler gründet die Band daheim in Texas. Außer ein paar kleineren Konzerten ist dort für das Hobbyprojekt jedoch nichts zu holen. Also strebt Butler in die Ferne und löst seine Band auf, um das Musizieren an einem anderen Ort zu intensivieren.
Es verschägt ihn nach Montreal, wo er auf die Multi-Intrumentalistin Régine Chassagne trifft. Die Wurzeln ihrer Familie reichen zurück bis nach Haiti. Ihre Eltern flohen in den 60er Jahren nach Chicago, um dem Regime von Diktator Duvalier zu entfliehen. Nach einer Zwischenstation in Chicago landet die Familie in Montreal, einer Stadt in der kanadischen Provinz Québec. Dort wächst Regine Chassagne auf.
Win und Régine beschließen, es gemeinsam mit dem Musikmachen zu versuchen. Die neue Combo trägt denselben Namen wie Wins aufgelöste Texas-Band: Arcade Fire. Bald trägt die enge Zusammenarbeit auch privat Früchte - Win und Régine heiraten im August 2003. Mit der Zeit wächst die Band auf fünf Mitglieder an. Neben Win, Régine, Richard Parry (Orgel) und Tim Kingsbury (Bass), gehört auch Wins kleiner Bruder Will (Synthesizer und Percussion), der noch schulpflichtig ist, zur Band. Im März 2003 reist er nach Kanada, um sich Arcade Fire anzuschließen.
Da er der Schule durch dieses Manöver zu lange fern bleibt, holen ihn Sozialarbeiter kurzerhand im Sommer wieder ab und begleiten ihn zurück zur Schulbank. So kann Will nicht an den Aufnahmen zum ersten Album "Funeral" teilnehmen. Live steht er aber mit dem Rest der Gruppe auf der Bühne, sobald es Schulferien oder Sonderurlaub ermöglichen.
Ihr Debut nimmt die Band ab September 2003 auf. Schlagzeuger Howard Bilerman stößt für die Aufnahmen zu Arcade Fire. Abgesehen von den fünf Kernmitgliedern erscheinen auf dem Album noch viele andere befreundete Musiker, um für die nötige Klangfülle zu sorgen. Die Geigerin Sarah Neufeld ist seither ebenfalls fester Bestandteil bei Konzerten der Band. Mit Owen Pallett findet sich ein zweiter Violinist bei Arcade Fire. Kurz nach Vollendung der Aufnahmen sterben einige Familenangehörige der Band. Unter dem Eindruck der zahlreichen Trauerfälle taufen Arcade Fire ihr erstes Album "Funeral".
In den USA avanciert das Debütalbum von Arcade Fire schnell zu einem großen Erfolg - mehr als 400.000 verkaufte Einheiten bis 2009 sprechen für sich. Überall, wo die Band auftritt, hinterlässt sie einen bleibenden Eindruck. Sogar Musiker wie Eric Clapton und David Bowie tauchen bei ihren Konzerten auf und bleiben anschließend noch für einen Plausch im Backstagebereich. Auch in Deutschland tritt die Band rund um die Veröffentlichung des Albums bei den Kritikern eine Welle der Begeisterung los.
Für die Aufnahmen ihres Zweitwerks "Neon Bible" möchte sich die Band ein eigenes Studio zulegen - doch kein Gewöhnliches. Anfang Dezember berichten Arcade Fire in einem Interview, sie hätten sich zu diesem Zweck eine Kirche südlich von Montreal gekauft und bauten dieses nun in ein Studio um. Im Winter 2005 erscheint außerdem die Single "Wake Up", für deren B-Seite die Band mit David Bowie aufnimmt.
Doch damit nicht genug: Arcade Fire sind für zwei Grammys in den Kategorien "Best Alternative Music Album" und "Best Song Written For Motion Picture, Television Or Other Visual Media" nominiert. "Neon Bible" gelingt es letztlich trotz erneut sehr positiver Resonanz nicht ganz, den durchschlagenen Erfolg des Vorgängers zu wiederholen. Dafür zeigt die Konzert-DVD "Miroir Noir" 2009 anschaulich die Einspiel- und Auftrittsorte, die in und um "Neon Bible" herum eine Rolle gespielt haben.
Zwischenzeitlich engagieren sich verschiedene Bandmitglieder in Nebenprojekten. Richard Parry und Sarah Neufeld betreiben mit drei Freunden die Instrumentalband Bell Orchestre, deren erstes Album "Recording A Tape The Colour Of The Light" 2005 erscheint. Violinist Owen Pallett unterhält das Soloprojekt Final Fantasy, bei dem er seine Violine loopt und so Klangwelten schafft. Er bringt 2005 "Has A Good Home" heraus, 2006 folgt "He Poos Clouds".