Wer nur ihren Namen hört oder ihr drittes Album "Not Going Anywhere" in die Finger bekommt, käme wohl kaum auf die Idee, die Sängerin Keren Ann nach Frankreich zu verorten. Doch die 1974 geborene Keren Ann Zeidel lebt bereits seit ihrem elften Lebensjahr in Paris, veröffentlichte bis 2002 ihre ersten beiden Alben in französischer Sprache, und zählte so rasch zu den Senkrechtstartern der "Nouvelle Chanson"-Bewegung an der Seite von Benjamin Biolay, Dominique A oder Bertrand Burgalat.
Bis sie es an die Speerspitze in Pariser Musikerkreisen schaffte, musste Keren einige Ortswechsel hinter sich bringen. Aufgewachsen ist die Schöne im niederländischen Den Haag, nachdem sie das Licht der Welt in der Einöde am Rande von Tel Aviv erblickte. Als sie Ende der 80er Jahre schließlich nach Paris kommt, kann sie bereits Gitarre spielen und ergänzt ihr Können bald um Klarinette und Mundharmonika. Dies dürfte als Grundstock bereits genügt haben, um Songs ihrer erklärten musikalischen Helden wie Francoise Hardy, Bob Dylan, Joni Mitchell oder Carole King nach zu spielen. Auch die zarte und variable Stimme hilft der Tochter eines russisch-stämmigen Israeli und einer Holländerin, den Traum der Songwriterinnen-Karriere weiter zu verfolgen.
Fortan tut Keren alles, um eine Zukunft in Großraumbüros oder hinter Ladentheken zu vermeiden. Wie das geht? Morgens aufstehen und Songs schreiben bis die Dämmerung anbricht. "Ich habe nie einen ernsthaften Job angenommen, weil ich einen brauchte, bei dem ich nicht denken musste", so die Folksängerin über ihre beruflichen Ambitionen. Keren Anns betörende Jazz-Blues-Folk-Mischung bleibt denn auch nicht unbeachtet: Bereits Ende der 90er arbeitet sie mit Kritikerliebling Biolay zusammen, tritt auf Suzanne Vega-Konzerten im Vorprogramm auf und darf für ein neues Album der Chanson-Legende Henri Salvador eigene Songs beisteuern.
Ihr Debütalbum "La Biographie De Luka Philipsen" erscheint im Jahr 2000 in Zusammenarbeit mit Biolay. Der Titel ist eine Kombination aus Suzanne Vegas Hit "Luka" und dem Familiennamen von Anns Großmutter. Auch bei "La Disparition" (2002) lässt sie sich wieder von Melancholie-Großmeister Biolay helfen, der sie wiederum zu den Arbeiten an seinem Debütalbum ins Studio einlädt.
Als die großen französischen Zeitungen Liberation und Le Figaro applaudieren, spielen Biolay und Keren Ann längst vor ausverkauften Häusern. Auf ihrem dritten Album "Not Going Anywhere" veröffentlicht die Songwriterin erstmals ausschließlich ihre englischsprachigen Songs und lässt dabei keinerlei französischen Akzent erkennen. Erstmals hat Ann ein Album im Alleingang produziert, was ihr aber sehr entgegen kam, wie sie selbst betont. Zwar sind noch fünf Adaptionen dabei, die in französischer Sprache bereits auf "La Disparition" erschienen sind, der Rest ist gänzlich unveröffentlicht und lässt Keren Anns Songwriting-Fähigkeiten in leuchtendem Lichte erstrahlen.
Keren Ann (2007)
La Disparition (2002), La Biographie De Luka Philipsen (2000)
| Thema | Posts | Letzter Beitrag | |
|---|---|---|---|
| {ersteller.avatar} |
{thread.titel} {ersteller.name} |
{thread.antworten} |
{letzter.zeit} {letzter.name} |