Nach massiven Umsatzeinbrüche und der Einstufung von XCP als Spyware durch Microsoft lenkt Sonymusic ein und zieht den umstrittenen Kopierschutz aus dem Verkehr.

New York (joga) - Sonymusic will seinen umstrittenen Kopierschutz XCP "vorläufig" nicht mehr einsetzen. Nach einer Reihe von Katastrophenmeldungen gab das Majorlabel gestern bekannt, dass vorerst keine CDs mit dem umstrittenen Programm mehr ausgeliefert werden sollen. Nachdem die erst vereinzelte Kritik in der vergangenen Woche zum Sturm der Entrüstung angewachsen war, zog man bei dem Musikgiganten nun offenbar die Notbremse.

Vermutlich waren mehrere Gründe für den späten Sinneswandel ausschlaggebend. Nachdem zunächst vor allem Technik-Freaks und Bürgerrechtsorganisationen gegen den spionierenden Kopierschutz zu Felde gezogen waren, kritisierten in der vergangenen Woche auch renommierte Unternehmen und sogar staatliche Stellen die Software, die zu Rechnerabstürzen führen kann und fremden Viren Tür und Tor öffnet.

Am Donnerstag ermahnte die Policy-Abteilung des US-Heimatschutzministeriums das Label. Außerdem kündigte der Software-Gigant Microsoft an, in seinem nächsten Security-Update Maßnahmen gegen XCP zu ergreifen und klassifizierte die Software damit offiziell als Spyware.

Die massive Kritik soll vor allem in den USA bereits zu einem deutlichen Einbruch der Verkaufszahlen von Produkten aus dem Hause Sonymusic geführt haben. Den publizistischen Super-GAU erlebte das Label aber erst am Wochenende. Da berichteten mehrere Medien unter Berufung auf einen finnischen Software-Spezialisten, dass der Code des Kopierschutzprogrammes teilweise abgeschrieben sei, dass Sonymusic also mit dem Einsatz von XCP selbst das Urheberrecht verletze.

Unter diesen Umständen verwundert also kaum, dass Sonymusic seinen Kopierschutz nun zurückzieht, sondern allenfalls, dass dies erst so spät geschieht. Aus der Welt ist das Thema damit nicht, die bereits erfolgten Klagen gegen das Label werden weiter verhandelt, Schadensersatz-Zahlungen sind nicht auszuschließen.

Für das Label ein Debakel, hat die Geschichte für den Verbraucher durchaus ihre guten Seiten. Schließlich zeigte sie nicht nur aufs Neue die Macht des Kunden auf, sondern löste auch eine Diskussion darüber aus, wie weit eine Firma gehen darf, um ihre eigenen Rechte zu schützen. Diese Diskussion steht erst am Anfang.

Sollte etwa eine der mit XCP ausgestatteten CDs nach Deutschland gelangen, was früher oder später zweifellos passieren wird, ergäben sich ganz neue juristische Probleme. Denn seit der letzten Reform des Urheberrechtsgesetzes ist es dank massiver Lobbyarbeit seitens der Labels verboten, einen Kopierschutz zu umgehen oder außer Betrieb zu setzen - wie schadhaft oder gefährlich dieser auch sein mag.

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