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Home » News + Stories » Special (30. Oktober 2009)

2000-2009
Die 50 besten Songs
33 Redakteure haben sich die Köpfe zerbrochen und die besten Songs der 'Nullerjahre' gekürt. Zum Abschluss der Reihe präsentieren wir euch demnächst die Charts, die Musiker und Bands von B (Bela) bis Z (Zoot Woman) für euch zusammengestellt haben.
So toll einzelne Alben auch geraten sind, die Nullerjahre gehen als das Jahrzehnt des Songs in die Annalen der Musikhistorie ein. Und zwar nicht, weil die Menschheit plötzlich wieder mehr Bock auf Singles als in den 90er Jahren bekommen hätte. Im Gegenteil: Die rührige Idee der Single als Marketinginstrument für ein komplettes Album wurde obsolet. Der Song dafür wichtiger.

Schon heute wirkt unglaublich, was vor zehn Jahren noch eherne Regel war: Ganz allein die Verantwortlichen der Labels bestimmten, welcher Song einzeln zu erwerben war. Heute ist es der Konsument, der frei wählen darf, während die Labels zumeist in devoter Vertretermanier ihr arg spät in Gang gebrachtes Online-Produktsortiment anpreisen. Willkommen in der Track-Kultur des iTunes-Zeitalters, wo der Lieblingssong zum Telefonsignal mutierte.

Dank des Internets und der pünktlich zur Jahrtausendwende einsetzenden, digitalen Musik-Revolution in Form von Peer-To-Peer-Tauschbörsen bestimmte nun der Fan, wo und zu welchem Preis er sich Musik nach Hause holte. Und ob er überhaupt dafür bezahlte. Sehr zum Leidwesen von Musikern (unvergessen: Metallica vs. Napster) und natürlich der Industrie.


Songkäufer als Feindbild von Album-Puristen

Die Geschichte der Nullerjahre ist auch die der Aufwertung des Songs. Maßgeblichen Beitrag hierzu lieferten Netzwerke wie MySpace, die die Distanz zwischen Fan und Musiker genauso zu überwinden wussten, wie die seit Jahrzehnten in Stein gemeißelte Rezeption des Studioalbums als in sich geschlossenes Kunstwerk.

Künstler wie Radiohead etwa sprachen Anfang des Jahrzehnts von dramaturgischem Diebstahl, nahmen sich den Songkäufer zum Feindbild und verpflichteten iTunes zum ausschließlichen Verkauf kompletter Alben.


Ein Bastard namens Mash-Up

Was aber, wenn aus Diebstahl mitunter auch tolle Sachen entstehen? 2004 überrollt die Bastard Pop- bzw. Mash-Up-Lawine die halbe Welt, angestoßen von einem US-Produzent namens Danger Mouse, der es ohne eingeholte Rechte-Erlaubnis wagt, die Vocals des Jay-Z-Albums "The Black Album" mit Instrumentalteilen des legendären "White Albums" der Beatles zu vermählen.

Die Labels zürnten, das Volk tanzte. Auch wir: Martin Gretschmanns Elektronikversion des Johnny Cash-Songs "I See A Darkness" unter seinem DJ-Aka Acid Pauli wurde 2004 zum laut.de-Song des Jahres gewählt. Der Song-Download auf Gretschmanns Homepage console.li war indes schnell verschwunden, der entsprechende Rechteinhaber war auf den Song aufmerksam geworden.


Eminem ein echter Jazzer?

Die ersten Masher, die das Remix-Format weiter dachten, waren indes andere: Schon 2003 puzzlet das französische Duo Loo & Placido offiziell für MTV UK die ersten Songteile ineinander. In der Folge verändert sich auch die Trackkultur: Beatles-Gesang auf Beats der Black Eyed Peas mit Einwürfen von Ludacris und Gitarrenspuren von Kelis - heute alles kein Problem mehr.

Die Bastarde klingen - im besten Fall - wie frisch eingespielte Songs. So wirkte Eminem dank der Ragtime-Version von "Without Me" plötzlich wie ein waschechter Jazzer. Die neuen Spielregeln riefen rasch eine neue Antizipation auf den Plan: Ach, "Dani California" von den Red Hot Chili Peppers ist gar kein Mash-Up mit Tom Petty? Wow!


Wider die Frustrationstoleranz

Auch im laut.de-Redaktionsgefüge veränderte sich in zehn Jahren so einiges, etwa drei Mal das Bürogebäude, vieles blieb aber auch gleich. Der Chefredakteur, der Kopfhörer im Logo und die Tatsache, dass uns Labels bis heute Maxi-CDs in der irrigen Annahme zuschicken, wir rezensierten auch Singles.

So weit kam es in der Tat (noch) nicht. Die regelmäßigen Distinktionskämpfe bei der Wahl zum "Song des Jahres" strapazierten die Frustrationstoleranz der einzelnen Redakteure schon genug. Noch schlimmer logischerweise die Frage nach den besten Songs des Jahrzehnts.


"Franz Ferdinand? Klar, aber welcher Song?"

Klar, Zoot Woman muss rein, Franz Ferdinand auch, hieß es allüberall, aber welcher Song? Nur bei wenigen Künstlern gab es kaum Diskussionen (Outkast, Chemical Brothers, Arctic Monkeys). Es sollte daher nicht verwundern, dass das Ergebnis einige Überschneidungen zu unseren Albumcharts aufweist. That's life. Der erste Platz hat uns dann letztlich selbst überrascht.

Nun wünschen wir euch viel Spaß beim Listenstöbern und freuen uns auf das anschließende Diskutieren im Forum!


50. The Strokes - "New York City Cops" (2001)

Kurz, spritzig, prägnant, so klang das gesamte Strokes-Debüt "Is This It". Voller Songs, die in den Refrains neue Euphorie-Ebenen zu erklimmen wussten. Hier stach "New York City Cops" besonders heraus. Das 'White Light White Heat' des Jahres 2001, es war ein schöner Sommer.

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49. Xzibit - "X" (2001)

"I don't rhyme, I stomp down beats", verkündete Mr. X to the Z an anderer Stelle. Recht hat er, "X" liefert den genickbrechenden Beweis: in bouncenden, nach vorne preschenden Track wie diesen entfaltet sich sein harscher, rauer Flow am allerbesten. Egal, was danach noch kommen mag: Diese Liste has officially been pimped.

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48. Overkill - "Old School" (2005)

Herrlich! Blitz keift und schreit sich in unnachahmlicher Weise durch einen nach Ramones und Pogues klingenden Track. Eine Hymne an alte Verfehlungen und Großtaten. "We drank some beers and broke some heads ..." - wie wahr!

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47. Sigur Rós - "Track 8 Untitled" (2003)

Typisch Sigur Rós schlendert "Untitled #8" a.k.a. "Popplagið" (Popsong) als finaler Akt des 2002er-Studioalbums "( )" gemütlich vom Traum in die Wirklichkeit, umschmeichelt und neckt, lullt in der Fanatasiesprache "Hopelandic" ein, knistert sich spannungsüberladen höher und höher und gipfelt bei Minute neuneinhalb in einem sinneslähmenden Euphoriegewitter epischen Ausmaßes: Die multiplen Post-Rock-Ejakulationen als Höhepunkt der fast zwölfminütigen Vorzeige-Klimax lassen den Zuhörer mit einer gnadenlos rauschhaften Gänsehaut alleine zurück.

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46. Fleet Foxes - "Your Protector" (2009)

"As you lay to die beside me, baby / On the morning the shootin' came / Would you wait for me? / The other one would wait for me." Duell mit dem Nebenbuhler? Mit dem Ehemann? Widerstandskämpfer? Über die Deutung der Lyrics wird munter spekuliert und diskutiert. Wie auch immer: Der Wahnsinn und die Liebe gehen Hand in Hand, "you run with the devil".

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45. Kylie Minogue - "Come Into My World (Fischerspooner Mix)" (2002)

Für schrille Bühnenoutfits und perfekt inszenierte Shows sind beide bekannt. Was wäre für Warren Fischer und Casey Spooner von Fischerspooner also passender, als den Kylie Minogue-Song "Come Into My World" zu remixen? Der Discotrack der Australierin erhält so elektronischere Züge, gewinnt aber gleichzeitig an Stimmung und Melodie. Mix it, baby!

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44. Björk & Antony Hegarty - "The Dull Flame Of Desire" (2008)

Wenn zwei hypnotisierende Stimmen sich treffen, kann das nur ein Erfolg werden. "The Dull Flame Of Desire" ist so ein Fall. Die leicht verschrobene isländische Sängerin Björk ist bekannt dafür, kein Experiment zu scheuen. Mit Antony Hegarty von Antony & The Johnsons holte sie sich einen talentierten und außergewöhnlichen Künstler mit ins Boot, dessen Stimme mindestens genauso fesselt wie die ihre.

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43. MGMT - "Kids" (2008)

Ein liebevoll gemachtes Video kursiert Anfang 2008 durchs World Wide Web. Im Mittelpunkt: zwei Harlekins, die zu Elektropop-Sound tanzen. Als ein Jahr später das offizielle Monstervideo von "Kids" auf den Markt kommt, läuft der Song bereits in allen Clubs rauf und runter - und das New Yorker Duo MGMT ist längst kein Geheimtipp mehr.

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42. System Of A Down - "Chop Suey!" (2001)

Aus "Toxicity" stammt dieser Prototyp eines System Of A Down-Songs. Das Wechselspiel aus Knüppelparts und fast traumhaft klingenden Melodien machen diese Nummer zu einem Band-Trademark. Ein Garant für volle Tanzflächen in der Indie-Disse deines Vertrauens.

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41. Maximo Park - "Books From Boxes" (2007)

Rundheraus ein Highlight des zweiten Albums der Newcastle-Gang. Ein Midtempo-Song, dessen Anfangsriff vielleicht als deutlichste Reverenz an die Smiths durchgeht. Paul Smiths unvergleichliche Stimme treibt den Song gewohnt sicher in eine supercatchy Hookline.

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