Porträt

laut.de-Biographie

Nick Cave

Zu behaupten, dass Nick Cave aus jeder Pore seines Körpers Charisma ausströmt, wäre wahrscheinlich noch eine Untertreibung. Der Mann, der mit seiner Band The Bad Seeds gleich mehrere Klassiker veröffentlicht und mit dem Kylie Minogue-Duett "Where The Wild Roses Grow" 1996 kurz mit dem Mainstream geflirtet hat, ist aus der heutigen Musiklandschaft nicht mehr wegzudenken.

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Alles beginnt am 22. September 1957, als Nicholas Edward Cave, Sohn eines Englisch-Lehrers und einer Bibliothekarin, in Warracknabeal, Australien, das Licht der Welt erblickt. Als Kind genießt er eine strenge anglikanische Erziehung, die sich später auf seine Texte auswirkt. Nach dem Besuch der Caulfield Grammar School geht er für zwei Jahre an die heutige Monash University und studiert Kunst. Schon in Caulfield lernt er den Multiinstrumentalisten Mick Harvey kennen, mit dem er eine Highschool-Band gründet, aus der sich The Boys Next Door entwickeln.

Musikalisch sitzen sie tief in der Punk-Szene und veröffentlichen 1978 ihre erste Single "These Boots Were Made For Walking", der schon bald das Debütalbum "Door Door" folgt. 1980 siedeln die Boys nach London um und ändern ihren Namen. Obwohl einige Pressungen noch den Titel "The Birthday Party By The Boys Next Door" haben, bleibt der letzte Teil bald auf der Strecke und man spricht nur noch von The Birthday Party.

In der britischen Metropole schinden sie, dank ihrer Liveshows mit einer musikalischen Mischung aus Punk, Blues und Rock, großen Eindruck. Auch Der legendäre Radiomoderator John Peel ist begeistert und dürfte einen gewissen Einfluss auf den Deal mit Virgin Records haben, den die Band unterzeichnet. 1981 erscheint "Prayers On Fire", ein Jahr später "Junkyard". Es folgen zwei EPs namens "The Bad Seed" und "Mutinity", wobei vor allem letztere das stellenweise extreme Kunstverständnis der Mitglieder zeigt.

Die sind inzwischen nach West-Berlin gezogen, finden dort aber keinen gemeinsamen Nenner für ihre musikalischen Visionen und gehen auseinander. Cave zieht vorübergehend nach Los Angeles, wo er das Drehbuch für einen Film schreibt, den John Hillcoat und Evan English später als "Ghosts ... Of The Civil Dead" umsetzen. Doch die Musik lässt ihn nicht los, und so sucht er sich mit seinem Partner-in-Crime Harvey eine neue Band zusammen: The Bad Seeds. Auf den Namen kommt Nick durch den Film "Bad Seed" von Mervin LeRoy, 1956, der auf dem gleichnamigen Stück von Maxwell Anderson und dem Buch von William March basiert.

Dafür sichert er sich zunächst die Mitarbeit des Einstürzende Neubauten-Chefs Blixa Bargeld als Gitarristen. Des weiteren dabei sind Barry Adamson (Gitarre, Klavier), Hugo Race (Gitarre), Tracy Pew (Bass) und Anita Lane. Diese Besetzung ist 1984 auf dem Debüt "From Her To Eternity" zu hören. Zurück in Berlin macht sich Cave an die Niederschrift seines ersten Romans, der den Titel "Und die Eselin sah den Engel" trägt und 1989 erscheint. Die Themen, die er in seinem Buch behandelt, beschäftigen ihn auch auf dem nächsten The Bad Seeds-Werk "The First Born Is Dead" (1985).

Das Album, einspielt nur vom Quartett Cave, Harvey, Bargeld und Adamson, ist das bis dahin blueslastigste und treibt die Vorliebe des Australiers für biblische Themen auf einen neuen Höhepunkt. Das darauf folgende "Kicking Against The Pricks" (1986) setzt sich aus Coverversionen von Tim Rose, Velvet Underground und Gene Pitney zusammen. Als Drummer ist inzwischen Thomas Wydler (Ex-Die Haut) eingestiegen.

1987 spielt Cave in Peter Sempels Film "Dandy" (u.a. Blixa, Campino und Nina Hagen) und in Wim Wenders' "Der Himmel über Berlin"mit. Auf dem im selben Jahr erscheinenden "Your Funeral, My Trial" ist die Band um den ehemaligen Cramps/Gun Club-Basser Kid Congo Powers angewachsen, der den abgegangenen Adamson ersetzt. Ebenfalls neu dabei ist der Keyboarder Roland Wolf.

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1988 ist ein ereignisreiches Jahr, denn Cave veröffentlicht nicht nur sein Buch "King Ink", sondern tritt mit den Bad Seeds in Wim Wenders' Film "Wings Of Desire" auf. 1989 zieht er nach Sao Paulo zu Viviane Carneiro, die er während einer Tour kennen gelernt hat und mit der er einen Sohn zeugt. "The Good Son" (1990) hört man den Brazil-Einfluss nur zu deutlich an. Das Album gilt allgemein als das bis dato melodischste und freundlichste Werk des Künstlers. Im selben Jahr erscheint auch die Tourdokumentation "The Road To God Knows Where".

Nachdem 1992 "Henry's Dream" auf dem Markt ist, gehen Nick Cave And The Bad Seeds auf Welttournee. Auf dieser schneiden sie ihre erste offizielle Live-CD "Live Seeds" mit, die 1993 das zehnjährige Bandjubiläum feiert.

1994 arbeitet Cave auf "Let Love In" mit seinem alten Freund Tony Cohen als Produzenten und spielt auch erneut in einem Film von Peter Sempel mit. Für den experimentellen Dokumentarfilm "Jonas In The Desert" steht der Australier neben Al Pacino und Dustin Hoffman vor der Kamera. Dem folgt zwei Jahre später der Streifen "Rhinoceros Hunting In Budapest" von Michael Haussman. Für beide Filme schreibt Cave auch die Soundtracks.

Doch es ist vor allem das 1996er-Album "Murder Ballads", das diese Zeit für die Band so erfolgreich macht. Die Zusammenarbeit mit Kylie Minogue und PJ Harvey (mit der Cave eine stürmische Beziehung durchlebt) zahlt sich mehr als aus. Inzwischen wieder in London ansässig, hat sich das Line-Up der Bad Seeds erneut verändert, denn Warren Ellis (The Dirty Three) darf Violine spielen, während NoWave-Drummer Jim Sclavunos seine Stöcke schwingt.

Regisseur John Hillcoat gewinnt derweil Cave, Harvey und Bargeld erneut als Komponisten für den Soundtrack zu seinem neuen Film "To Have And To Hold". Mit "King Ink II" kommt außerdem die zweite Sammlung aus Lyrik und Essays auf den Markt. Die Nominierung als "Best Male Artist" bei den MTV Music Awards lehnt Cave allerdings dankend ab. Deutlich wichtiger ist ihm die Arbeit am mittlerweile zehnten Studioalbum mit den Bad Seeds, das 1997 erscheint.

"The Boatman's Call" unterscheidet sich von "Murder Ballads" beinahe wie Tag und Nacht, und das nicht nur lyrisch. Musikalisch ist das Album auf das Wesentliche reduziert und setzt auf große Atmosphären. Die Seeds spielen in der Royal Albert Hall, wo sie auch ein paar Aufnahmen mitschneiden. Die tauchen auf den Erstpressungen von "The Best Of Nick Cave And The Bad Seeds" auf, die neben eine Video-Collection im folgenden Jahr erscheint.

Schließlich gönnt sich der Australier etwas Ruhe, um sich von seiner jahrelangen Alkohol- und Heroinsucht zu befreien. Er heiratet das Model Susie Bick und kümmert sich um seine zwei Kinder aus vergangenen Beziehungen sowie den gemeinsamen Zwillingen. Solo erscheint von ihm 2000 "The Secret Life Of The Love Song, The Flesh Made Word, Two Lectures by Nick Cave". Im selben Jahr nimmt Johnny Cash eine spirituelle Version seines Songs "The Mercy Seat" auf.

2001 ruft Cave wieder die Bad Seeds zusammen, um am Material für "No More Shall We Part" zu arbeiten. Das Album ist vertonte Melancholie und zeigt erneut, welche Emotionen der Mann allein mit seiner Stimme erzeugen kann.

Kaum ein Monat, nachdem "Nocturama" (2003) in den Regalen steht schockt Blixa Bargeld mit der News, dass er The Bad Seeds verlassen hat. Ein Abgang mit Folgen, wie die Doppel-CD "Abattoir Blues/The Lyre Of Orpheus" (2004) zeigt.

2006 triumphiert der Australier dafür bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig, wo er für das Drehbuch zum Western "The Proposition" den Gucci Award erhält. Der Film spielt in der australischen Pionierzeit und zeigt den brutalen Kampf der Ureinwohner gegen das Gesetz in ziemlich ungeschminkten Bildern. Selbstverständlich liefert Cave in Zusammenarbeit mit Bad Seeds-Mitglied Warren Ellis auch den Film-Soundtrack.

Andere Künstler ziehen sich nach solch einer Arbeitsoffensive erst mal für ein oder zwei Jahre zurück. Nicht so Cave. Zusammen mit seinen alten musikalischen Weggefährten Ellis, Casey und Sclavunos gründet er 2007 Grinderman und holzt im Nu eine Platte ein. Der Longplayer kredenzt der Öffentlichkeit eine recht radikale Bluesrock-Kost, die von Dissonanzen lebt und somit ein wenig an Caves Vergangenheit bei Birthday Party erinnert.

Angesichts dessen ist es nicht überraschend, dass das nächste Seeds-Album "Dig, Lazarus, Dig!!!" wieder rockiger ausfällt. Es ist das letzte Werk, auf dem Mitbegründer Harvey in Erscheinung tritt. Anfang 2009 beendet er die 25 Jahre währende Zusammenarbeit mit Cave "aus verschiedenen persönlichen und geschäftlichen Gründen".

Das Ende der Bad Seeds bedeutet dieser Schritt natürlich nicht, aber eine längere Pause, in der Cave auch ein eigenes Label gründet, um seine Platten zu veröffentlichen. Zum 30. Bandjubiläum erscheint 2013 "Push The Sky Away", das wohl konsistenteste Werk der Band im neuen Jahrtausend. "Die neue Platte fühlt sich irgendwie neu an, aber neu im Sinne von Old School", erklärt Cave. Ein Satz, der im Prinzip für sein gesamtes Werk gilt, das er 2014 fiktional im Filmporträt "20.000 Days On Earth" sehen- und hörenswert nacherzählt.

Einen schweren Schicksalsschlag erleiden Cave und seine Familie im Juli 2015: Beim Sturz im LSD-Rausch von einem 20 Meter hohen Felsen in Brighton verunglückt sein Sohn Arthur im Alter von 15 Jahren tödlich. Auch wenn er um Wahrung die Privatsphäre bittet, verarbeitet Cave das Trauma fast schon öffentlich: Ein Jahr nach der Tragödie erscheinen im September 2016 das Album "Skeleton Tree" und der Film "One More Time With Feeling", der weltweit in über 800 Kinos zu sehen ist.

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Fotogalerien

Berlin, 2013 Beim einzigen Record-Release-Gig in Deutschland.

Beim einzigen Record-Release-Gig in Deutschland., Berlin, 2013 | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Beim einzigen Record-Release-Gig in Deutschland., Berlin, 2013 | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Beim einzigen Record-Release-Gig in Deutschland., Berlin, 2013 | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Beim einzigen Record-Release-Gig in Deutschland., Berlin, 2013 | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler)

Nick Cave & The Bad Seeds Headliner am Freitag und vor allem von seinen Fans gefeiert: Nick Cave.

Headliner am Freitag und vor allem von seinen Fans gefeiert: Nick Cave., Nick Cave & The Bad Seeds | © laut.de (Fotograf: Florian Schade) Headliner am Freitag und vor allem von seinen Fans gefeiert: Nick Cave., Nick Cave & The Bad Seeds | © laut.de (Fotograf: Florian Schade) Headliner am Freitag und vor allem von seinen Fans gefeiert: Nick Cave., Nick Cave & The Bad Seeds | © laut.de (Fotograf: Florian Schade) Headliner am Freitag und vor allem von seinen Fans gefeiert: Nick Cave., Nick Cave & The Bad Seeds | © laut.de (Fotograf: Florian Schade) Headliner am Freitag und vor allem von seinen Fans gefeiert: Nick Cave., Nick Cave & The Bad Seeds | © laut.de (Fotograf: Florian Schade) Headliner am Freitag und vor allem von seinen Fans gefeiert: Nick Cave., Nick Cave & The Bad Seeds | © laut.de (Fotograf: Florian Schade) Headliner am Freitag und vor allem von seinen Fans gefeiert: Nick Cave., Nick Cave & The Bad Seeds | © laut.de (Fotograf: Florian Schade) Headliner am Freitag und vor allem von seinen Fans gefeiert: Nick Cave., Nick Cave & The Bad Seeds | © laut.de (Fotograf: Florian Schade) Headliner am Freitag und vor allem von seinen Fans gefeiert: Nick Cave., Nick Cave & The Bad Seeds | © laut.de (Fotograf: Florian Schade) Headliner am Freitag und vor allem von seinen Fans gefeiert: Nick Cave., Nick Cave & The Bad Seeds | © laut.de (Fotograf: Florian Schade)

Live In Zürich Nick Cave 2001 im Limmat X-tra in Zürich (Schweiz)

Nick Cave 2001 im Limmat X-tra in Zürich (Schweiz), Live In Zürich | © LAUT AG (Fotograf: Giuliano Benassi) Nick Cave 2001 im Limmat X-tra in Zürich (Schweiz), Live In Zürich | © LAUT AG (Fotograf: Giuliano Benassi) Nick Cave 2001 im Limmat X-tra in Zürich (Schweiz), Live In Zürich | © LAUT AG (Fotograf: Giuliano Benassi) Nick Cave 2001 im Limmat X-tra in Zürich (Schweiz), Live In Zürich | © LAUT AG (Fotograf: Giuliano Benassi)

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