Bayern will Privatradios stärken und einem Ausbildungsradio für Nachwuchsjournalisten die Frequenz entziehen. Nun regt sich Widerstand.

München (pabi) - Dem Münchner Ausbildungsradio M94.5 droht der Entzug der Sendefrequenz, es könnte somit bald nur noch über das Internet empfangen werden. Erst im Sommer hatte das auf Initiative der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) gegründete Radio sein zwanzigjähriges Bestehen gefeiert.

Sprungbrett für Nachwuchsjournalisten

Eben jene Landeszentrale hegt nun den Plan, dem Ausbildungsradio die UKW-Frequenz zu entziehen und sie dem Privatsender Rock-Antenne zu überlassen. Die Aufregung, unter anderem auf Twitter unter dem Hashtag #savem945, ist dementsprechend groß. Das Radio fungiert seit jeher aus Ausbildungsplattform und Sprungbrett für Nachwuchsjournalisten und lokale Musiker, die hier die Chance erhalten ein live produziertes 24-Stunden Radioprogramm zu gestalten.

Privatsender sollen gestärkt werden

Was will die BLM mit dem Frequenzentzug erreichen? Im Grunde geht es schlicht darum, die Werbeeinnahmen der Privatradiosender in München zu erhöhen. Eine weitere UKW-Frequenz für ein Privatradio bedeutet mehr Hörer und damit mehr Werbeeinnahmen. Damit sollen die Privatsender vermarktungs- und konkurrenztechnisch gegenüber dem Bayerischen Rundfunk gestärkt werden.

Hintergrund der ganzen Geschichte ist eine verlorene Klage der Privatsender gegen den BR. Dieser wird 2018 die UKW-Frequenz von BR-Klassik dem BR Jugendsender Puls zuteilen. Damit haben die Privatsender weiteren Konkurrenzdruck gegenüber den öffentlich-rechtlichen Sendern. Um diese Konkurrenz auszugleichen, will die Landeszentrale für neue Medien nun M94.5 die UKW-Frequenz entziehen.

Endgültige Entscheidung vertagt

Bei der Abstimmung über die Entscheidung des Hörfunkausschusses der BLM am vergangenen Donnerstag gab es mit 8:8-Stimmen einen Patt, weshalb die Entscheidung auf den 9. Februar vertagt wird. Unterdessen haben Unterstützer des Ausbildungsradios eine Petition für den Erhalt von M94.5 gestartet.

Es ist durchaus nachvollziehbar, dass sich vor allem kleine, lokale Privatsender durch die Übermacht des BR benachteiligt fühlen, aber eine Stärkung der Privatwirtschaft sollte nicht auf Kosten einer Ausbildungsstätte für den Nachwuchs stattfinden.

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