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Von außen betrachtet machen Sigur Rós keinen sehr bestimmten Eindruck. Wenn die vier Jungs auf der Bühne stehen, ziehen sie die Brust ein, lassen die Schultern hängen und geben sich wortkarg. Anfänger der Jugendmusikschule sehen so aus, selbstbewusste Musiker nicht. Man könnte diese Isländer also milde belächeln, wenn sie Sätze sagen wie: "Die an uns gestellten Erwartungen interessieren uns nicht, wir wollten einfach eine Platte machen, die uns gefällt". Das allerdings sollte man nicht tun. Der Eindruck täuscht gewaltig, und dieses Album ist der Beweis.
Sigur Rós wissen, was sie wollen. Sie ließen sich ein eigenes Studio bauen und absolute künstlerische Freiheit in ihren Verträgen zusichern und nutzten beides weitläufig aus. Das neue Album heißt "( )", die Songs tragen allesamt keine Titel, im Booklet finden sich keine Texte. Wozu auch, Jón Thór Birgisson hat seine Stimme zum Instrument perfektioniert und singt durchweg in seiner Laut-Fantasie-Sprache "Hopelandic". Und der Hörer ist aufgefordert, eigene Assoziationen in das leere Büchlein zu schreiben. Oder zu malen. "( )" ist ein interaktives Album ohne überflüssige Multimedia-Features geworden.
TRACKLISTE
Die Musik ist der Star - selten hat eine Band dieses Konzept so konsequent umgesetzt. Das kommt dem Hörer entgegen, denn die acht Stücke sind nicht so zugänglich wie die des gelobten Vorgängers "Agaetis Byrjun", diesem erfrischend entrückten Meilenstein jenseits aller Beschreibungen, mit dem Sigur Rós bekannt wurden. Düsterer, getragener, orchestraler fallen die Songs auf "( )" aus. Der Sound ist rauer und atmosphärisch dichter, ähnlich wie bei einem Live-Mitschnitt. Die komplexen Arrangements lassen noch weniger Strukturen erkennen. Alles ist im Fluss, doch der plätschert vor allem in der zweiten Hälfte nicht mehr so sanft dahin. Die bittersüßen Melodien vom Einstieg weichen, die Dramen werden bis zu 13 Minuten lang, die Traumlandschaften mutieren zu Albträumen.Sigur Rós erinnern sich also ihrer Anfänge und an ihr Debütalbum. "Von", so der Name, geriet 1997 allerdings so sperrig, dass die nachfolgenden Songs sich im Vergleich wie Charthits ausnehmen. Diese Platte macht da keine Ausnahme. Man muss ihr nur ein wenig Zeit geben.MEHR INFO
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