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Eine Bloggerin verstieg sich kürzlich in der Behauptung, wir hätten es mittlerweile mit einer Generation MGMT zu tun. Was die 19- bis 29-Jährigen vereine, seien Selbstinszenierung, der Schwenk zwischen Ehrgeiz und Eskalation, Haarbänder und Seifenblasen. "Wir sind gelegentlich bisexuell, fotografieren gern, lesen die Neon, hassen sie aber eigentlich, denn sie ist die Wendy der Indiekultur", schreibt die Bloggerin.
Wenn man sich auf die Suche nach einem Soundtrack für diese Generation begibt, die natürlich aus Sicht urbaner Hipster mit latentem Verdacht auf Meinungsführer-Syndrom konstruiert ist, landet man für das Jahr 2009 schnell bei Miike Snow. Allein weil das schwedisch-amerikanische Trio mit Produzenten-Copyrights bei Britney Spears "Toxic" und Remixen von Vampire Weekend und Peter, Bjorn & John zu Honoren gekommen ist.
TRACKLISTE
Indie ist Pop, Pop ist Indie – und alles ist irgendwie Electro. Für das Ende musikalischer Klassenkämpfe stehen Miike Snow genauso wie MGMT. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum hat so den Startvorteil, sich niemandem mehr anbiedern zu müssen. Stattdessen erhebt das Trio die Perfektionierung dieses hybritisierten Milieu-Pops, der so nah am Zeitgeist sein soll, zur eigentlichen Kunstform.So strahlen die elf sorgsam austarierten Songs mit getragenen Piano-Passagen, vibrierenden Vintage-Synthesizern sowie einem New Wave-Korsett mit maritimem Rauschen und French-House-Anleihen eine gedämpfte Melancholie aus, in die man sich trotz manch verzwickter Rhythmen wohlig einwickeln kann. Schon der schimmernde Opener "Animal" wird so zum Clubhit erster Güte. "I change shapes just to hide in this place / but I'm still I'm still an animal", singt Andrew Wyatt ehrfürchtig – man selbst fistelt ab der ersten Wiederholung des Refrains fast zwangsläufig mit. Dem minimalistischen "Song For No One" gebühren mit fuzziger Gitarrenmelodie und dezent scheppernden Drums ähnliche Songehren. Das jubelierend "Burial" wiederum entwaffnet billigen Chart-Pop, "Silvia" nimmt die Ausfahrt zur Space-Disko und "Black & Blue" zitiert den souligen Groove von Phats & Smalls' "Turn Around". "Plastic Jungle" dagegen bedient sich noch mal des bratzenden Moog-Gewands, dass Kundinnen wie Britney oder Kylie Minogue als toughe Frauen inszeniert, während "In Search Of" gar die hypnotische Krautrock-Elektronik des schwedischen Kompakt-Acts The Field nachzeichnet.Miike Snow haben ein nahezu perfektes Pop-Album aufgenommen, auf das viele zu Recht anspringen werden. Allein die zur Schau gestellte Künstlichkeit hinterlässt den etwas schalen Beigeschmack: Als habe man einen Hasen bestellt und einen Klon mit Hirschgeweih untergejubelt bekommen. Als Generation MGMT könnte man ja reklamieren, wäre man nicht so faul.MEHR INFO
Starporträt
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