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Kraftwerk
Der Katalog


LAUT.STÄRKE

REVIEW VON

Kraftwerk polieren ihre Klassiker digital auf, und zum Glück ignorieren sie bei der Soundqualität das Diktat des überall grassierenden Loudness-Wars. Vielmehr erfuhren die alten Aufnahmen ein behutsames und unaufdringliches Update. Kein Rauschen mehr, sattere Bässe, kristallklare Synthies und Effekte: So sollten Kraftwerk klingen.

Gefühlt muss die Ankündigung schon im letzten Jahrtausend gefallen sein, nur musste man dann doch noch einmal ca. 100 Jahre warten, ehe den Ankündigungen auch Taten folgten. Jetzt ist er endlich da, der "Katalog" mit den Studioalben von "Autobahn" bis "Tour De France".

TRACKLISTE
  • Autobahn
  • Radio-Aktivität
  • Trans Europa Express
  • Die Mensch-Maschine
  • Computer Welt
  • Techno Pop
  • The Mix
  • Tour De France
Vom aufgepäppelten Bass profitiert "Computer Welt" am meisten. Was im Titeltrack ehedem noch ein klein wenig kraftlos daherpoppte, erfährt in der remasterten Fassung einen effektiven Bumms. Analog hierzu peitschen die typischen Rhythmus-Effekte auf "Mensch Maschine" und nicht zuletzt "Trans Europa Express" messerscharf und blitzeblank.

"Spacelab" und der Titelsong stechen bei Ersterem besonders hervor. Bei Letzterem ballert das geniale Trio "Trans Europa Express", "Metall Auf Metall" und "Abzug" intensiver und drängender denn je durch die Boxen, bzw. Kopfhörer. Aber auch den ruhigeren Passagen von "Radio-Aktivität" und "Autobahn" (hier vor allem "Morgenspaziergang") steht die klangliche Rundumerneuerung gut.

"Radio-Aktivität" - mit dem etwas avantgardistischeren Ansatz - klingt auf einmal nicht mehr schwachbrüstig. "Ätherwellen" hoppelt - auch aufgrund des flotten Rhythmus' ganz famos. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass es eher weniger Sinn ergibt, sich diese Perlen der elektronischen Musik auf einem popeligen PC oder einer rumpeligen Murpel-Anlage zu hören. Um die neue klangliche Vielfalt richtig genießen zu können, sollte das Equipment mehr bieten als Dosensound. Außerdem sollte der Lautstärkeregler großzügig nach rechts wandern. Es lohnt sich.

Neue Songs findet man auf keinem Album - sieht man von "Electric Cafe" ab, das in der neuen Form den ursprünglich geplanten Titel "Techno Pop" zurück erhält. Dort findet sich nämlich "House Phone", ursprünglich eine B-Seite von "Der Telefon Anruf". Der wiederum ist lediglich in einem Single-Edit von nicht einmal vier Minuten vertreten.

Dafür hat sich das Artwork der Alben grundlegend geändert. Wo bislang meist die Vinyl-Cover im Booklet-Format abgedruckt wurden, kramten die Düsseldorfer nun in den Archiven und förderten weiter Bilder und Motive zutage. Sehr schön, zu den einzelnen Alben passend und stilvoll präsentiert sich die optische Seite.

Viel Licht also, wenig Schatten, nur welchen Effekt die Überarbeitung bei "The Mix" und "Tour De France" (das "Soundtracks fällt weg) hat, die ohnehin schon digital entstanden, erschließt sich nicht so recht.

Die einzelnen Scheiben sind seit letzter Woche auch separat erhältlich, nur für die beinharte Fan-Fraktion führt an der acht CDs umfassenden Box (ab 6. November) kein Weg vorbei. Wie Ralf Hütter im Interview mit dem Mojo Magazin verriet, seien Überarbeitungen der ersten drei - immer noch nicht offiziell auf CD erhältlichen Alben "Kraftwerk 1", "Kraftwerk 2" sowie "Ralf & Florian" zumindest in Planung. Ein Ende der Re-Releases scheint also noch nicht in Sicht.

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