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Paddy Kelly
In Exile


LAUT.STÄRKE

REVIEW VON

Paddy verleugnet seine Wurzeln nicht. Das wäre auch unsinnig, denn kaum einer würde ihn nicht der singenden Kelly-Großfamilie zuordnen. Dennoch hätte er versuchen können, sich vom Output mit seinen Geschwistern durch einen Stilwechsel abzugrenzen. Tut er aber nicht. Er hält es lieber mit Ehrlichkeit und musikalischer Handwerkskunst, die ihn in angenehmen kreativen Gegensatz zu den allgegenwärtigen Retortenbands setzt.

Paddy hat sein Solo-Album sehr einfach gehalten. Vielfalt erreicht er nicht durch zum Gähnen billige Effekte, sondern durch den Einsatz der verschiedensten Instrumente. Seine Kompositionen pendeln sich zwischen softem Rock, Balladen und Traditionals ein. Er spielt sogar den von der Kelly Family gerne interpretierten Englisch-Stunden Kracher "Knick-Knack-Paddy-Wack".

Die Balladen haben auf der Platte allerdings die Nase vorne. Langsame Stücke zu schreiben und zu singen, hat Paddy einfach besser drauf, als die teilweise kurz vor der Peinlichkeit stehenden Rocksongs. Diese klingen zu gewollt, zu angestrengt. Kreischende Gitarren wie im Opener "Living In The Line Of Fire" gehen selbst dem geübten Rock-Hörer schnell auf die Nerven.

Eine Ausnahme macht da "No Fuzz, No Buzz, Back To Rock'n'Roll". Ein guter Stadion Rock-Song mit eingängigen Melodien, der nicht so dämlich und uninspiriert daher kommt, wie der Haufen Retortensongs und -bands, der jede Woche auf den Markt geworfen wird. Das flottere "Movie" ist eines der besten Stücke des Albums. Uplifting Rhythmus und Melodie stimmen fröhlich und sind musikalisch mehr als ansprechend. Das Stück zeigt die umfassenden Songwriter-Qualitäten des Kelly-Sprosses.

Textlich hält Paddy es eher einfach. Sein Wunsch nach einer heilen Welt wird mehr als deutlich. Er will nicht länger mit den täglich verbreiteten Lügen leben. Das Album hebt sich deutlich von den Casting-Bands ab, die im Moment den Markt überschwemmen. Das Album ist ehrlich und auf musikalische Erfahrung aufgebaut. Man kann sich wünschen, dass mehr Menschen zu "In Exile" greifen, als zum Überangebot an Retortenpop.

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