laut.de-Kritik

Moderner als vieles, was sich junge Bands heute aus den Fingern saugen.

Review von

Na guck einer an, Jingo De Lunch. Da war doch watt. Genau. Muss so Anfang der Neunziger gewesen sein, als die Berliner in einschlägigen Schuppen gespielt wurden und die Formation so etwas ähnliches wie der Everybody's Darling der Alternative-Szene war.

Das musikalische Wetterleuchten aus der (damals noch nicht) Hauptstadt dauerte zwar relativ kurz, war dafür aber heftig und energetisch. Nach knapp zehnjähriger Bühnenabstinenz feierte das Quintett vergangenes Jahr die Rückkehr auf die Bühne, die anno 2007 von einer kleinen Tour abgerundet wird.

Passend zu diesen Feierlichkeiten kredenzen uns Rookie Records einen zusammen gewürfelten Sampler mit Beiträgen der ersten beiden Alben "Perpetuum Mobile" und "Axe To Grind" sowie der EP "Cursed Earth". Satte 21 Tracks rumpeln auf über eine Stunde Spielzeit durch die Speaker.

Wie immer bei Samplern, darf auch im Falle Jingo De Lunch aufs Herzlichste über die Zusammenstellung der Trackliste gestritten werden. Die Auswahl aus dem Back-Katalog ist scheinbar in enge Grenzen gequetscht worden. Von den beiden Longplayern sind jeweils sieben Songs vertreten, sechs stammen von der Mini-LP. Abgerundet wird die Sammlung von der Coverversion des Subhumans-Klassikers "Fuck You, das ehedem schon Overkill darboten.

So gut die einzelnen Covers (Thin Lizzy, Bad Brains) auch sind, wären sie nicht wirklich nötig gewesen, haben Jingo doch genug selbst verfasstes Zeugs auf der Pfanne, um damit mehr als nur eine CD zu füllen. Der Unterschied der einzelnen Veröffentlichungen manifestiert sich nicht zuletzt im Sound.

Wo das Debüt noch arg krachmeiert, wirken die Tracks von "Axe To Grind" stringenter im Sound und durchdachter im Arrangement. Okay gut, die späteren Kompositionen sind auch die eingängigeren, aber wer sich so schön an Angus Youngs Saitenakrobatik orientiert, erhält von mir gleich mal einen Sympathiebonus. Demgegenüber steht die rohe, ungestüme Punk- und Hardcore-Power des ersten Albums.

Zusammen ergibt das fast 67 Minuten, in denen das Quintett den Beweis erbringt, dass sich ihre Songs - mögen sie auch noch so alt sein - nichts, aber auch gar nichts an Aktualität eingebüßt haben. Im Gegenteil. Allzu oft klingen Jingo De Lunch moderner als vieles, was sich jüngere Bands heute so aus den Fingern saugen und als neuesten Hirnfurz anpreisen. Ein Hoch auf Yvonne und Co.: Wann kommt das neue Album?

Trackliste

  1. 1. What You See
  2. 2. Peace Of Mind
  3. 3. Jingo
  4. 4. Scratchings
  5. 5. Utopia
  6. 6. Scarecrow
  7. 7. Thirteen
  8. 8. No One Can Reach You
  9. 9. Bad Vibes From Suzy
  10. 10. Pay To Cum (Bad Brains)
  11. 11. Cursed Earth
  12. 12. Reaching
  13. 13. Cowboy Song (Thin Lizzy)
  14. 14. Different World
  15. 15. Did You Ever
  16. 16. Shot Down
  17. 17. Seen And Done
  18. 18. Axe To Grind
  19. 19. Steamed
  20. 20. Chill Out
  21. 21. Fuck You (Subhumans)

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