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Da habe ich neulich doch wirklich Bauklötze gestaunt. Beth Ditto in einer Preisfrage auf arte: "Worüber unterhalten sich Beth Ditto und ihre beste Freundin Kate Moss am liebsten? a) Feminismus, b) Dessous oder c) Immanuel Kants Kritik der reinen Vernunft?"
Nun, hoffentlich a) oder b), sonst muss ich mir um meinen Bildungshorizont doch ernsthaft Sorgen machen. Was solls. Ich wusste jedenfalls nicht, dass Beth Ditto den arte-Sehern offensichtlich ein Begriff ist.
TRACKLISTE
Aber klar, als neue Muse von Karl Lagerfeld, nebenbei auch Nackedei auf Hochglanzmagazin-Covern, steht sie heute mehr im Rampenlicht als seinerzeit in ihrer eigentlichen Bestimmung als stimmgewaltige Frontfrau der grandiosen The Gossip. Deren Eben-doch-nicht-Debütalbum "Standing in The Way Of Control" erschien bereits 2006, blieb zunächst aber relativ unbeachtet und wurde 2007 und 2008 in Deutschland (der großen Nachfrage wegen) nochmals veröffentlicht. Heute genießt die Scheibe allenthalben einen äußerst guten Ruf.Schön also, dass die Band nach gut drei Jahren mit "Music For Men" wieder ein musikalisches Lebenszeichen von sich gibt. Produziert wurde vom Godfather of Ultrafat Rockproduction, Mister Rick Rubin himself. Und entgegen seiner Gewohnheit, eher als Supervisor seiner Assistenten und Bands zu agieren (sozusagen als Metaproduzent), war er bei der Entstehung dieser Platte ganz nah dran, wie uns Beth kürzlich im Interview verriet.Der Sprung von Guy Picciottos roher Fugazi-Produktion ("Standing In The Way Of Control") hin zu Rubins doch deutlich massiverer Marmorwand ist denn auch ein Charakterzug von "Music For Men", der sofort auffällt - und dem Endprodukt durchaus gut zu Gesicht steht.Neu sind zudem die elektronischen Klangerzeuger, war man bis dato doch eine reine Gitarrenband, die in der Regel ja sogar auf die unterstützende Wirkung eines einfachen E-Bass verzichtete. Da Gossip schon immer irgendwie Dance waren, ist das ein durchaus nachvollziehbarer Move, der auch weitestgehend funktioniert.Derart bewehrt eröffnet das Trio mit "Dimestore Diamond", einem raffinierten Groover im Midtempoformat, der eine sehr gute Verbindung des "alten Sounds" mit den "neuen Gossip" darstellt. Die Single "Heavy Cross" zählt zwar nicht unbedingt zu den bemerkenswertesten Songs, geht unter marktstrategischen Gesichtspunkten jedoch als sichere Bank durch. Es folgen das ziemlich rotzige "8th Wonder" und das überwiegend elektronisch basierte "Pop Goes The World".Nach exakt einem Plattendrittel kennt man so die vier grundlegenden Songentwürfe: Midtemposchleicher, Dancemover, Punkrotzer und Groovegitarrenbrettle. Diese werden im weiteren Verlauf mehrfach variiert und interpretiert. Besonders erfreulich sind dabei das zunächst leicht dubbige, später luftig groovende "For Keeps" sowie der Hit der Platte, "2012". Hier zeigt Beth explizit, was sie stimmlich so auf dem Kasten hat und bewegt sich stimmlich und stimmungsmäßig doch zwischen der frühen Debbie Harry und der späten Siouxsie - natürlich plus 800 Prozent Volumenvorteil.Auch der Rest der Band offenbart in solchen Momenten, was im Idealfall musikalisch aus diesem flotten Dreier herauszuholen ist. Schade eigentlich, dass Rubin dies nicht noch häufiger aus den Musikern raus gekitzelt hat. Denn einige der Tracks ("Love And Let Love" oder auch "Men In Love" ) bleiben in ihrer finalen Version eher durchschnittlich, lassen jedoch erahnen, dass bei intensiverer Arbeit noch ein paar Körner mehr drin gewesen wären.Oder dokumentieren die Tracks einfach nur schwaches Songwriting? Fest steht: Gossip klingen hier schlicht belanglos. Schade. Denn weite Teile von "Music For Men" zeigen, dass in der Band viel Potential steckt, aus dem sich eine ziemlich hübsche und nachhaltige Bandkarriere stricken ließe. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass möglicherweise die Lagerfelds dieser Welt einem noch größeren musikalischen Wurf im Weg standen.MEHR INFO
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