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Ray Davies, Kinks-Sänger, auf einer Stufe mit Lennon/McCartney oder Jagger/Richards, erstes Soloalbum seiner Karriere. Klar, dass da das Urteil "Meisterwerk" schnell bei der Hand ist. Schneller jedenfalls als Majestätsbeleidigungen wie "Durchschnitt". Man mag mir also bitte nicht vorwerfen, ich hätte es mir zu leicht gemacht. Doch bei aller Liebe zu den Kinks und dem Respekt vor künstlerischer Weiterentwicklung: "Other People's Lives" ist nur mit zwei zugedrückten Augen Mittelmaß. Mit offenen Ohren eher langweilig.
TRACKLISTE
Gleich "Things Are Gonna Change (The Morning After)" stimmt auf den melancholisch-behäbigen Rhythmus der Platte ein. Davies' Intonation belegt nebenbei, dass fortgeschrittenes Alter nicht zwangsläufig interessante Stimmfärbungen hervor bringt. Wobei es er selbst ist, der seinen klaren Ton immer wieder unnötig ins rauhbeinig Kratzige abgleiten lässt, was mit der musikalischen Alt-Herren-Vorstellung eine unglückliche Allianz eingeht. Und da dachte man schon, wenn es Paul McCartney noch bringt, dann bringt es jeder.Ein Lichtblick dann in den Strophen von "After The Fall", in denen der alte Kompositionsglanz leise durchschimmert, sich aber kaum auf den kompletten Song überträgt. Erst in "Next Door Neighbour" erliegt man wieder völlig dem Charme des Britpoppers der ersten Generation, auch wenn der so was gar nicht gerne hört. Schmeichelnde Akustikgitarren zeichnen diesen akkordreichen Song, dessen Thema ohnehin Ur-Davies ist: Eine akzentuierte Beschreibung des Lebens anderer Leute, das Hineinversetzen in die Alltagsprobleme des gemeinen Bürgers Mr. Smith.Höhepunkte bleiben indes rar. Da mag der mittlerweile in New Orleans beheimatete Davies im CD-Booklet Trent Reznor grüßen (?!) und noch so ausführlich und nicht unsympathisch die Zeiten seiner kompositorischen Unsicherheit offenlegen. Aus den Lautsprechern bröckeln entweder lahme Balladen ("Creatures Of Little Faith") oder schamlos auf Airplay schielende Midtempos ("Run Away From Time", "Is There Life After Breakfast?"), die selbst Bon Jovi nicht mehr einsingen würde. Wenngleich der natürlich eh niemals auch nur eine der vorhandenen, intelligenten Songzeilen zu Papier brächte.Positive Ausnahmen in musikalischer Hinsicht: Das sehr relaxte Gitarrenlick in "The Tourist" oder der völlig aus dem Konzept fallende Sprechgesang in der Mardi Gras-Party "Stand Up Comic" mit Art Brut-typischem Cockney-Akzent. Mit Abstand der beste Song des Albums. Dass Blur, Queens Of The Stone Age oder Morrissey einen Song von "Other People's Lives" covern, ist trotzdem unwahrscheinlich. Für Paul Weller lege ich lieber mal keine Hand ins Feuer.MEHR INFO
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