Porträt

laut.de-Biographie

Discipline

Holländische Fußballfans haben nicht immer den besten Ruf. Vor allem, wenn sie sich selbst auch noch voller Stolz als Hooligans bezeichnen, macht man besser einen großen Bogen um die Herren. Bei den Mitgliedern der 1990 in Eindhoven gegründeten Band Discipline handelt es sich um Exemplare dieser Gattung, weshalb der Ruf der Band zunächst alles andere als positiv ist.

Discipline - Downfall Of The Working Man Aktuelles Album
Discipline Downfall Of The Working Man
Hollands Antwort auf die Böhsen Onkelz.

Auch das optische Auftreten der Niederländer wirkt entsprechend (Glatzen, Springerstiefel, etc), und da die musikalische Richtung zu Beginn schwer in die Oi-Punk Ecke geht, muss man sich unwillkürlich Gedanken über die politische Einstellung der Band machen. Da diese im Laufe der Jahre aber mit einigen der namhaftesten Hardcore-Acts durch die Gegend zieht, kann man rechtsradikales Gedankengut (inzwischen) mit ziemlicher Sicherheit ausschließen.

Nachdem Sänger Joost De Graaf, Basser Carlo Geerlings, mit Unterstützung an Klampfe und den Drums, 1995 über das deutsche Lost & Found Records Label ihre EP "Stompin' Crew" veröffentlichen, notieren sie Eindhoven damit quasi zum ersten Mal auf der Hardcore-Landkarte. Ohne viel Zeit zu verlieren, schieben sie ein Jahr später den Longplayer "Guilty As Charged" nach und beackern nicht nur die holländischen Clubs, sondern flitzen auch mit The Business im Van durch Europa.

Zwei Jahre später erscheint "Bulldog Style", und man erkennt schon deutlich die Mischung aus Oi und Streetpunk. Inzwischen haben sich Discipline zwar einen Ruf als hervorragende Liveband erspielt, dafür gilt ihr Publikum als hochgradig gewaltbereit, Schlägereien sind auf ihren Konzerten beinahe die Regel. Mit der Zeit geht auch die gute Zusammenarbeit mit Lost & Found flöten (die es sich aber nicht nehmen lassen, noch die Best Of "Skinhead & Proud" zu veröffentlichen), weshalb sich die Oranjes nach einem neuen Partner umsehen. Leider hängt ihnen auch der Ruf an, rechtsradikales Gedankengut zu fördern, was aber nur bedingt an Vorwürfen haltbar ist.

I Scream Records machen das Rennen und veröffentlichen '99 "Nice Boys Finish Last". Inzwischen sind neben Joost und Carlo noch die beiden Gitarristen Eric Kusters und Erik Wouters sowie Drummer Joost Strijbos mit dabei. Um das Album live zu promoten, gehen sie mal mit Agnostic Front, mal mit den Dropkick Murphys oder den US Bombs auf Touren quer durch Europa. Mit Too Damn Hype Record finden sie sogar ein Label und einen Vertrieb für die USA.

Auf dem nächsten Album "Love Thy Neighbor" stellt man vor allem bei Sänger Joost eine deutliche Weiterentwicklung fest. Anstatt nur wie ein Pitbull zu bellen, kann man inzwischen fast von Gesang sprechen. Das klang auf der einen Monat zuvor erschienenen "Hoologans Heaven" EP noch ganz anders. Musikalische und textliche Parallelen zu den Böhsen Onkelz lassen sich nicht mehr verleugnen. Zusammen mit Agnostic Front, Ignite, Shutdown und The Forgotten geht es danach wieder auf die Straße, um sich der Unity-Tour 2000 anzuschließen.

Zwar ziehen anschließend erst einmal zwei Jahre ins Land, ehe man eine neue Veröffentlichung der Holländer in den Händen hält, jedoch lassen sie sich dabei nicht lumpen. Zunächst erscheint mit "Working Class Heroes" eine Split-Live-CD mit Agnostic Front, die über 30 Songs enthält. Nur wenige Wochen später schieben Discipline das nächste Studiolangeisen "Saints & Sinners" hinterher. Dieses Mal geht es im Verein der 'Eastpack Resistance'-Tour durch die Lande, an der auch Hatebreed, Murphy's Law und die üblichen Verdächtigen teilnehmen.

Die Best Of "Rejects Of Society" erscheint Ende 2003 über das renommierte, britische Captain Oi! Label und bietet einen schönen Querschnitt des bisherigen Schaffens der Band. Ohne sich lange aufzuhalten, entern sie Anfang 2004 mit ihren alten Kumpels von Argy Bargy das Studio und nehmen dort drei neue Songs sowie drei Coverversionen auf, die sie auf der Split-CD "100% Thug Rock" veröffentlichen. Dass sie im Anschluss wieder sämtlichen Clubs und Bühnen beackern, versteht sich von selbst.

Die zehnte Scheibe "Downfall Of The Working Man" spielen sie nur zu viert ein, da Eric Kusters nicht mehr zur Band gehört. Live unterstützt sie schon länger Berry Black von Judasville. "Downfall ... " hat wieder einige Hymnen am Start und dürfte nicht nur unter Hooligans den einen oder anderen Fan finden.

Drei Jahre später nehmen sie sich ein paar ihrer alten Favorites zur Brust und packen auf "Old Pride, New Glory" Coverversionen von Bands wie Motörhead, Twisted Sister, Billy Idol und diversen anderen zusammen. Nachdem sie ihre Reihen mit dem ehemaligen Backfire-Gitarristen Dave Moors wieder aufgefüllt haben, machen sie sich an die Arbeiten zum nächsten Album "Angels & Demons".

Allerdings macht Ende Juli 2010 die News die Runde, dass Sänger Joost wegen Mordverdacht an seiner Frau verhaftet wurde und sich die Band daraufhin aufgelöst haben soll.

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