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"Wir haben uns die Hits fürs dritte Album aufgespart", ulkte Adam Blake auf der Tour zur letzten Platte im laut.de-Interview. Ironie im doppelten Sinne: Einerseits bestand "Zoot Woman" komplett aus Hits, andererseits sollte es stramme sechs Jahre dauern, bis dieses "dritte Album" tatsächlich fertig wurde.
In der Zwischenzeit muss es einer der zermürbendsten Jobs gewesen sein, das Marketing für diese Band zu organisieren. Den Gesetzen der Branche entsprechend wäre schon 2005 der ideale Zeitpunkt dafür gewesen, den ultimativen Verkaufshit nachzulegen. Doch nix dergleichen geschah. Weder in jenem, noch im darauf folgenden Jahr.
Stattdessen lebte plötzlich Bassist Stuart Price in einem (Hochglanz-) Magazin der Reichen und Schönen, wo er Madonna zeitweise näher kam als Guy Ritchie, bevor sogar Gitarrenpopper (Keane) und Soul-Stars (Seal) auf seine Klientenliste als Über-Produzent rutschten. Am meisten Furore machte aber wahrscheinlich sein Remix des Killers-Songs "Mr. Brightside", der ganz nebenbei vortrefflich Price' Bekenntnis zum sensitiv-gezügelten Wumms heraus stellte.
Als Zoot Woman-Fan beobachtete man dieses muntere Treiben stets zwiespältig, selbst als seine Kompagnons, die Blake-Brüder, mit dem ansehnlichen Price-Ersatz Jasmin O'Meara an seiner Stelle auf Tour gingen.
Um so verwunderlicher, dass die wiedervereinigten Zooties nun - als habe es nie eine Auszeit gegeben - auf knapp 45 Minuten Spielzeit mit gewohnt taschenspielergleicher Coolness eine ausgefuchste, schwerelose Dance-Scheibe vom Stapel lassen. Getreu dem Price'schen Motto "Ein Club ist nur so gut, wie der Vibe darin" überziehen housige Flächen die neuen Songs, die die spärlich vorhandenen Gitarren mit der Präzision eines Kantenschleifers rund wienern.
Das mag mancher schade finden, andererseits ist als Laktat-Test für stilvolles Clubben seit Sascha Funkes "Mango" im Album-Format auch nicht mehr allzu viel passiert.
Die herausragenden Appetitanreger "We Won't Break" und "Live In My Head" gehören im Gesamtkontext in die von Adam aufgestellte "Hit"-Kategorie, erhalten dort aber Gesellschaft. So funkelt das zart pumpende "Lonely By Your Side" wieder in diesem einzigartigen Flow, der dann zustande kommt, wenn Prices elaborierte Arrangements auf Johnny Blakes einfühlenden, nie prätentiösen Gesang treffen.
Im Gegensatz zum Vorgängeralbum lässt das Trio aus Reading nun öfter mal Song und Track verschmelzen, etwa im sechsminütigen "Saturation" oder dem etwas bemühten Four-To-The-Floor-Titeltrack, die beide jetzt schon klingen wie ihre eigenen Remixe.
"Witness" bietet dagegen klassisch-glamourösen ZW-Synthie-Pop. "Memory" könnte man fast schon als euphorischen "Grey Day"-Nachfolger bezeichnen. Äußerst gelungen sind auch die ruhigen Momente: Das analog zirpende "Take You Higher", das zur Endorphin-Klimax in einen Piano-Part hinein schlittert (den sich Price bei Keane oder gleich bei Coldplay abgeguckt haben muss).
Oder das hypnotische "Blue Sea", einer der wenigen Songs, die ich zehnmal hintereinander hören kann, ohne auch nur im Ansatz gelangweilt zu werden. Selten merkte man Johnny Blakes Stimme die ihr innewohnende Verzweiflung so an wie hier.
Der einzige Vorwurf, den man "Things Are What They Used To Be" daher machen kann, ist der, nicht bereits 2005 veröffentlicht worden zu sein. Und beweist dieser Vorwurf nicht gleichzeitig die Zeitlosigkeit des Zoot Woman-Sounds?
Wieder ist es eine Maxime der Band, die solch fragwürdige Überlegungen mit unumstößlicher Argumentationskraft vom Tisch wischt: "Besser kein Album als ein schlechtes Album."
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