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Die drei von ZZ Top haben musikalisch gesehen schon eine lange Reise hinter sich. Über Blues City ging es schnurgerade nach Boogie Town und Rock Village, bevor der Mega-Erfolg sie erfasste und sie einen Umweg nach Plastikhausen einschlugen. Dort haben sie sich gründlich verfahren, von Anfang der Achtziger bis Mitte der Neunziger. Der Kreativ-Sprit drohte schon auszugehen, als sie doch wieder den Weg in die Spur fanden und zurück ins staubtrockene Gebiet aufbrachen, von wo aus sie dereinst auszogen, um zu grooven.
Nachdem schon "Rhythmeen" und "XXX" ziemlich nah an die Ursuppe heran kamen, aus denen Gibbons, Hill und Beard aufstiegen, dringt "Mescalero" noch tiefer vor. Die Substanzen, aus denen sich Blues, Country und Rock zusammen setzen, dröselt das Trio weiter auf, und mixt daraus einen herrlich furztrockenen Cocktail. Der geht zwar runter wie Öl, hat jedoch einen facettenreichen und höllisch scharfen Nachgeschmack, wie auch das Getränk Mescal, das sich vom Albumtitel ableiten lässt. Von Mescal zu Mescalero ist es nicht weit. Das eine dient dem Genuss und dem Rausch, das andere ist ein Indianerstamm, der im heutigen New Mexico beheimatet ist.
So unterschiedlich diese Worte, so abwechslungsreich gestaltet sich das mittlerweile vierzehnte Studio-Album der drei Texaner. Beginnt "Mesacalero" mit dem Titeltrack und "Two Ways To Play" zwar rauh, aber immer noch recht typisch für die letzten Outputs, so wackelt sich der Groover "Alley Gator" mit Monster-Riffs und Quetschkommoden-Unterstützung zu einem Highlight empor. Weitere Sürprisen hält "Goin' So Good" bereit, das so dunkel bluest wie schon lange nicht mehr. Es gehört schon einiges dazu, cheesiges Steelgitarrengeplänkel so zu verkaufen, dass nicht Zeugs der Marke Truck Stop dabei heraus kommt.
Neben ruppigen Gitarrenparts und rumpelndem Bass kommen Melodien auch nicht zu kurz. Einen selten schnuckligen Mittelpart gilt es in "Stackin' Paper" zu denken. Nur fragt sich, was das soll, wenn da jemand per geschicktem Gedrösel die Fucks und Shits rausbügelt. Sind wir hier im Kindergarten oder was? Vielleicht habe ich auch nur die us-amerikanische "Clean Version" vor mir, wer weiß. Dezente Kopfschmerz bereiten aber auch die Vocoder-Effekte bei "What Would You Do", obwohl der Song mit einer herrlich schrägen Redneck-Country Einlage glänzt. Und überhaupt der Witz. Wenn nach dem Genuss aller sechzehn Songs auf einmal bei 3:40 Minuten "As Time Goes By" erklingt, brechen alle Dämme. Wieder diese Steel-Guitar und Billy Gibbons, der altersweise krächzt:
You must remember this A kiss is still a kiss A sigh is just a sigh The fundamental things apply as time goes by
Genau, und deshalb machen wir jetzt nochmals eine Flasche Bier auf und drücken noch einmal auf 'Play'. Danke für die Aufmerksamkeit.
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