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Cat Stevens ist zurück. Das klingt jetzt natürlich ein bisschen provokant, schließlich hat der Mann seinen Künstlernamen schon vor Jahrzehnten mitsamt der Gitarre abgelegt, um seine Hinwendung zur Religion auch äußerlich zu demonstrieren. Doch "An Other Cup" schließt so nahtlos an all die legendären Veröffentlichungen an, als wären seitdem nicht Jahrzehnte, sondern allenfalls Monate vergangen.
Höchsten Wiedererkennungswert hat vor allem die Stimme, die ganz offenbar von der dauerhaften Abstinenz von Bühne, Alkohol, Zigaretten und sonstigen Sünden profitiert. Sie wirkt tatsächlich "unzerstörbar", völlig alterslos und hat von ihrer eindringlichen Kraft nichts verloren.
So kommt einem "An Other Cup" von Anfang an wie ein alter Vertrauter vor, bis man merkt, dass man tatsächlich die eine oder andere Textzeile, die eine oder andere Melodielinie von früher kennt. Bis auf eine Coverversion ("Don't Let Me Be Misunderstood") bestehe das Album aus neuen Songs, behauptet Yusufs Webseite und führt damit doch ein wenig in die Irre.
Denn bereits der zweite Song "Heaven / Where True Love Goes" enthält einige leicht abgewandelte Elemente aus Cat Stevens' "The Foreigner Suite", der Text ist sogar stellenweise fast identisch: "I've seen many other girls before - ah but / Heaven must have programmed you" sang Cat Stevens damals, seitdem haben allein die "Girls" abgedankt und Platz für "Souls" gemacht, was natürlich viel spiritueller wirkt.
Auch der Track "I Think I See The Light" ist fast eins zu eins aus dem 70er Album "Mona Bone Jakon" übernommen. Ein einziges Wort hat Yusuf aus den Lyrics getilgt, und zwar ... ja genau: "Girl". So spiegelt sich die Abkehr vom Irdischen auch in Yusufs Texten wider. Da bleibt eine Leerstelle, denn an spirituellen Einsichten vermittelt "An Other Cup" kaum mehr als ein paar gut gemeinte Sprüche im Booklet.
Und dann: Souls statt Girls? Was soll denn der Blödsinn? Da drängt sich doch die biografische Anekdote geradezu auf, dass der umjubelte Popstar nach seiner Erleuchtung angeblich die Mutter seiner sieben Kinder von anderen aussuchen ließ! Die taz bemerkte dazu übrigens treffend, dass Religion eben meist als Schutz vor existenziellen Fragen dient und nicht etwa als Antwort auf dieselben.
Erstaunlich, wie wenig solche Kindereien den Musikgenuss stören. Selbst "When Butterflies Leave" und "Whispers From A Spiritual Garden" nimmt man allenfalls als seltsame Schrullen wahr. Dabei zeigen die beiden Tracks bei genauerem Hinhören, dass ein guter Musiker noch lange keinen guten Prediger abgibt.
In musikalischer Hinsicht hat "An Other Cup" aber eine Menge zu bieten. Da sind die tatsächlich neuen Songs, etwa der ungemein eingängige Opener "Midday (Avoid City After Dark)" mit seinen tollen Bläsersätzen im Refrain, oder "The Beloved", das westliche, arabische und fernöstliche Klänge vereint. Da sind die von Produzent Rick Nowels (Madonna, Stevie Nicks, Dido, Rod Stewart) ungemein einfühlsam arrangierten, rhythmisch erneuerten und mit leichten Weltmusik-Anleihen versehenen Neueinspielungen.
Es sei trotzdem eine GANZ ANDERE Tasse als die auf dem "Tea For The Tillerman"-Cover, sagt Yusuf im Interview mit der FAZ: "Um zu sein, musst du aufgeben, was du bist". Das heißt so viel wie: Nur wer sich ändert, bleibt sich treu. Aus Sicht des Rezensenten allerdings hat sich sooo viel gar nicht geändert. Da steckt immer noch jede Menge Stevens in Yusuf Islam. Und das ist gut so!



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