laut.de-Kritik

Lohnenswerter Überblick auf drei CDs.

Review von

"Eine bruchstückhafte Sammlung an funkelnden, alternden Liedern 1985-2003", lautet der Untertitel zum vorliegenden Album. Eine komplizierte, aber zutreffende Beschreibung für eine Best Of-Sammlung, die eigentliche keine ist. Yo La Tengo sind so ziemlich das Gegenteil einer Band, die nach den Charts schielt: Unbeirrt folgen sie ihrem Weg, dessen Richtung dorthin führt, wohin die Mitglieder gerade gehen wollen.

Dennoch – 20 Jahre Schaffen sind ein guter Zeitpunkt, um einen Zwischenbericht abzuliefern und einen Überblick zu schaffen. Drei prall gefüllte CDs scheinen nur auf den ersten Blick etwas übertrieben, denn mit elf Alben und mehreren EPs hat das Trio eine Menge Material veröffentlicht. So viel, dass es gereicht hat, um die dritte CD mit Raritäten oder gänzlich unveröffentlichtem Material zu bestücken.

CD 1 und 2 geben zunächst einen Überblick über das vielseitige Schaffen der Band aus Hoboken, NJ. Von ihrer ersten Single "The River Of Water" (1985) bis zu "Little Eyes" und "Season Of The Shark" aus "Summer Sun" (2003), dem Album, das auch in Deutschland so etwas wie den Durchbruch brachte, sind alle Schaffensperioden vertreten.

Dass es sich um keine leichtfüßige Angelegenheit handelt, stellen gleich die ersten Stücke klar. "Shaker" (1996) gründet auf lärmende, fast atonale Gitarren, bei denen Sänger Ira Kaplan monoton und emotionslos etwas ins Mikrophon brabbelt. "Sugarcube" (1997) fällt zwar etwas melodischer aus, gehört aber auch eher in die Kategorie "Lärm". Erst mit dem frühen "Barnaby, Hardly Working" (1990) kehrt eine leicht gestörte Ruhe ein.

Nicht nur beim Material, auch bei der Zusammenstellung der Retrospektive beweisen Yo La Tengo ein glückliches Händchen. "Little Eyes" (2003) geht fast nahtlos in "Stockholm Syndrome" (1997) über, das wiederum gut zu "Our Way To Fall" (2000) passt. Die anfängliche Klanganarchie lässt im weiteren Verlauf der ersten CD den eher nachdenklichen Facetten der Band Platz, wobei Kaplans fiese Gitarre den Hörer immer wieder aufschreckt.

CD 2 beginnt mit Yo La Tengos allererstem Stück, "The River Of Water" (1985). Wirre Trompeten mischen hier die ruhige Americana-Stimmung ebenso auf wie ein pulsierender Bass in "Autumn Sweater" (1997). Nach den angesäuerten "Big Day Coming" (1993), "Pablo And Andrea" (1995) und "Drug Test" (1987) bringt "Season Of The Shark" (2003) wieder Ruhe in die Kiste. "The Summer" (1990) bietet ein schönes Duett zwischen Kaplan und seiner Frau Georgia Hubley, der Schlagzeugerin der Band, und passt gut zum zuckersüßen, melancholischen "Tears Are In Your Eyes" (2000). "The Story Of Jazz" (1989) führt zu Giant Sand-inspirierter Verirrung, bevor "By The Time It Gets Dark" (1998) für ein versöhnliches Ende sorgt.

Hält sich Hubley auf dem regulären Material eher im Hintergrund, nimmt sie auf CD 3 am Mikrophon die zentrale Rolle ein. Einige Stücke klingen nach einer Verneigung vor Lou Reed, der nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt auf der anderen Seite des Hudson River sein Unwesen treibt.

Bei den Rarities handelt es sich um Material, das es auf kein Album schaffte ("Pencil Test", 1994, "Almost True", 1999, "Mr. Ameche Plays The Stranger", 1994), Liveaufnahmen, alternative Versionen (etwa von einem ihren beliebtesten Stücken, "Tom Courtenay", 1995), einem Cover ("Dreaming", 1999), einem Soundtrack-Beitrag ("Stay Away From Heaven", 2001) und einem Drum'n'Bass-Remix von "Autumn Sweater (1997). Auch hier fügen sich die Stücke gut aneinander. Lullt Hubley den Hörer mit ihrer ruhigen, hohen Stimme in "Pencil Test", "Tom Courtenay (Acoustic)" oder "Dreaming" fast ein, sorgen Kaplan und Bassist James McNew mit "Bad Politics", (1994) und "Out The Window (Original Version)" (1991) für punkige Zwischenspiele.

Mit "Prisoners Of Love" gelingt Yo La Tengo das seltene Kunststück, sowohl dem Fan als auch dem Neuling eine interessante Sammlung zu bieten. Da heißt es: Zuschlagen, zumal die 3 CDs zum günstigen Preis von einer einzelnen zu haben sind.

Trackliste

CD 1

  1. 1. Shaker
  2. 2. Sugarcube
  3. 3. Barnaby, Hardly Working
  4. 4. Little Eyes
  5. 5. Stockholm Syndrome
  6. 6. Our Way To Fall
  7. 7. From A Motel 6
  8. 8. Swing For Life
  9. 9. Tom Courtenay
  10. 10. Lewis
  11. 11. I Heard You Looking
  12. 12. You Can Have It All
  13. 13. Did I Tell You

CD 2

  1. 1. The River Of Water
  2. 2. Autumn Sweater
  3. 3. Big Day Coming
  4. 4. Pablo And Andrea
  5. 5. Drug Test
  6. 6. Season Of The Shark
  7. 7. Upside Down
  8. 8. The Summer
  9. 9. Tears Are In Your Eyes
  10. 10. Blue Line Swinger
  11. 11. The Story Of Jazz
  12. 12. Nuclear War
  13. 13. By The Time It Gets Dark

CD 3 (Outtakes And Rarities)

  1. 1. Stay Away From Heaven
  2. 2. Pencil Test
  3. 3. Almost True
  4. 4. Tom Courtenay (Acoustic)
  5. 5. Big Day Coming (Demo)
  6. 6. Dreaming
  7. 7. Bad Politics
  8. 8. Blue Green Arrow
  9. 9. Decora (Acoustic)
  10. 10. Out The Window
  11. 11. Weather Shy
  12. 12. Dreams
  13. 13. Autumn Sweater (Remix)
  14. 14. Ashes On The Ground
  15. 15. Mr. Ameche Plays The Stranger
  16. 16. Magnet

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