laut.de-Kritik

Macht die Wütenden gelassen, päppelt die Traurigen auf.

Review von

Was muss eigentlich passieren, damit Yo La Tengo ein schlechtes Album aufnehmen? Eines, bei dem sich all die treu mitgealterten Fans tatsächlich einmal überdrüssig abwenden? Nun gut, zumindest Ende der 80er-Jahre wirkte ihr noisig-psychedelischer Twee-Pop vielleicht noch nicht ganz perfekt ausformuliert. Um so grandioser danach die Meilensteine "Painful", "I Can Hear The Heart Beating As One" und "And Then Nothing Turned Itself Inside-Out".

Also besser die Frage, woher sie eigentlich kommen könnte, diese Verlässlichkeit: Liegt es wie bei den Indierock-Institutionen Low und Sonic Youth vielleicht am reichlich uncoolen Kreativverbund der Proberaumehe, der seit beinahe 30 Jahren für eine derart wohlige Stiltreue und emotionale Geborgenheit sorgt? Und damit auch für die Abwesenheit vogelwilder Experimente und neumodischer Distinktionskämpfe?

"Fade" jedenfalls, das nunmehr 13. Studioalbum, das die Eheleute Georgia Hubley und Ira Kaplan mit ihrem stämmigen Bassisten James McNew und unter der Produzentenaufsicht von Tortoise-Mastermind John McEntire aufgenommen haben, kann man ob seiner fast schon altersmilden, zeitlosen Selbstreferenzialität ohne Umschweife neben seinen wunderbaren Vorgänger "Popular Songs" ins Plattenregal stellen.

"Fade" passt in seinem salbungsvollen Ton prinzipiell zu jedwedem Gemütszustand. Die Wütenden werden beim Hören gelassen, die Traurigen aufgepäppelt. Yo La Tengo schreiben nämlich immer noch mit traumwandlerischer Sicherheit und den selbstgenügsamen Produktionsmitteln eines Indierock-Trios ungekünstelte, flirrende und empathische Pop-Songs wie "Well You Better" oder "The Point Of It".

Das liegt sicherlich am Understatement, das in den feinsinnigen Rhythmen, den Farbverläufen im Gitarrensound, dem naiven Harmoniegesang und der assoziativen Songlyrik mitschwingt. Daneben lassen Yo La Tengo ihre Songs atmen. "Ohm" und "I'll Be Around" flirten mit Sixties-Psychedelic, das sehnsüchtige "Stupid Things" hält gar einen knatternden Krautrock-Beat durch. Das schöne Folk-Kleinod "Is That Enough" dagegen veredeln satte Streicher.

Überhaupt fällt positiv auf, dass Band und Produzent selbst den kernigen C86er-Gruß "Paddle Forward" mit dezenten Bläserarrangements ausstaffiert haben. "Before We Run" hat zum Abschluss fast schon die Qualität einer Indierock-Symphonie. Man kann es nicht anders sagen: "Fade" ist, entgegen seines Titels, kein Album, das einfach so verschwindet.

Trackliste

  1. 1. Ohm
  2. 2. Is That Enough
  3. 3. Well You Better
  4. 4. Paddle Forward
  5. 5. Stupid Things
  6. 6. I'll Be Around
  7. 7. Cornelia And Jane
  8. 8. Two Trains
  9. 9. The Point Of It
  10. 10. Before We Run

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1 Kommentar

  • Vor 4 Jahren

    Dass hier noch keine Kommentare stehen überrascht mich nicht, ist aber dennoch schade. War das Album in den ersten paar Hördurchgängen noch eher unscheinbar, hat es sich in der Zwischenzeit zu einem ihrer tollsten Alben entwickelt. Es erreicht zwar nicht die Vielseitigkeit von "I Can Hear The Heart Beating As One" oder die Stimmung von "Painful" - muss es aber auch nicht. "Fade" ist ein wunderbares Pop-Album (einmal mehr), das auch Ende 2013 zu meinen absoluten Jahreshighlights gehören wird. Überhaupt ist Yo La Tengo eine unglaublich tolle Band, die in ihrer ganzen Bandgeschichte nicht ein schlechtes Album rausgebracht haben. Eins der drei in der Rezension genannten Alben würde sich äusserst gut als Indie-Meilenstein der 90er machen! 4 Punkte kommen hin (treffend auch der Text!), auf der "Laut-Skala" nichts anderes als klare 5/5.