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Wenn sich zwei etablierte Meister ihres Faches zusammentun, stellt sich gern Verwunderung oder auch Irritation ein. Mit der überzeugten Feststellung, die beiden hätten "zueinander gefunden, obwohl das eigentlich niemand für möglich gehalten hat", eröffnete etwa Die Welt ihren flugs veröffentlichten Verriss.
Dass Savas seit Jahren immer wieder auf Schmacht-Hooklines von Moe Mitchell setzt, und Xavier schon vor Ewigkeiten mit Deutschrap-Urgesteinen wie Moses Pelham, Tone und Curse kollaborierte sowie in zwei Hip Hop-affinen Künstlerkollektiven (Söhne Mannheims, Brothers Keepers) mitmischt, scheint erstaunlich vielen entgangen zu sein. Dennoch mussten sich beide Künstler für die intensive Zusammenarbeit ein Stück weit bewegen.
Was sich vom Endergebnis recht deutlich ablesen lässt. Um sich nicht als Duo der Gegensätze, sondern als eng zusammengewachsene, lediglich in zwei kreative Köpfe "Gespaltene Persönlichkeit" zu präsentieren, vollenden beide eine längst angedeutete Entwicklung und legen jeweils jahrelang gepflegte Merkmale ab. Die erschlagend tiefgreifende Religiosität bzw. der Anspruch auf den Rapthron bestimmten einst die Texte von Naidoo und Savas. Beides kehrt auf der vorliegenden Platte nur im Ansatz wieder.
Gemeinsam besinnen sich die zwei Künstler mit wenigen Ausnahmen auf eine melancholisch angehauchte und bis ins Detail durchdachte Themenschnittmenge - bestehend aus Liebe ("Du Bereicherst Mich"), Freundschaft ("Gegen Die Freundschaft"), Gefühlskälte ("Form Von Liebe"), Optimismus ("Schau Nicht Mehr Zurück"), dem Bösen ("Satan Weiche") und der reflektierten Umschreibung des eigenen Schaffens ("Wenn Es Nacht Ist"). Und so abgenutzt das auch klingen mag: Ihr Vortrag wirkt ausgereifter und kredibler als auf den meisten Soloreleases der letzten Jahre.
Als angenehmer Nebeneffekt halten sich Naidoos pathetische Ausschweifungen erstaunlich in Grenzen. Mit Ausnahme der dramatischen Nummer "Abschiedsfluss": "Es werden keine Abschiedstränen / es wird ein Abschiedsfluss / Gäbe es nur keine bösen Gründe / für diesen Abschiedskuss", schmachtet der Mannheimer im Refrain. Song-interne Entschädigung für den kitschigen Ausrutscher liefert Savas' eindringlicher Part über Krieg und Kulturkonflikte sowie ein angemessen episches Finale mit herrlicher Trompeten-Melodielinie.
Die hier und da, etwa im mächtigen "Die Zukunft Trägt Meinen Namen" eingestreute Selbstbeweihräucherung macht in dem Maß nicht nur ordentlich Laune, sie sei dem Duo auch gegönnt. Kein Geheimnis machen die beiden nämlich glücklicherweise aus den musikalischen Markenzeichen, mit denen sie sich quasi parallel zu Idolen des jeweiligen Genres entwickelten: die unerreicht hingebungsvolle Soulstimme auf der einen und der messerscharfe, leidenschaftliche Flow auf der anderen Seite.
Aus einer üppigen iTunes-Sammlung, in Naidoos Worten: "aus was weiß ich wie viel hundert Beats", pickten sich Xavas die 15 Instrumentals heraus. Um so beachtlicher, dass die Platte aus rein musikalischem Blickwinkel weniger als bunt zusammengewürfelte Mischung, denn als homogene Einheit erscheint. Klar, das synthetische Monstrum von "Die Zukunft Trägt Meinen Namen" hat mit den leichtfüßigen Harfenklängen bei "Lass Nicht Los" oder den Gitarrenakkorden bei "Form Von Liebe" nur wenig gemeinsam. Doch betrachtet man das Gesamtwerk, wandern Xavas mit ihrer Auswahl treffsicher zwischen Kontrastreichtum und rotem Faden.
Letzteren verdankt man in erster Linie dem dominanten Anteil organischer und orchestraler Soundelemente, der "Gespaltene Persönlichkeit" darüber hinaus auch in Sachen Arrangement und Sounddesign zum Erlebnis macht. Von der Extravaganz des Maeckes-Beats ("Wage Es Zu Glauben") zeigten sich Xavas im laut.de-Interview fest überzeugt. Tatsächlich verdankt man dem Orsons-Mitglied, von dessen Beschäftigung als Produzent vorrangig Hardcore-Fans wissen, das mit Abstand erfrischendste Instrumental der Tracklist.
Mit einfachen, aber außergewöhnlichen Mitteln und zahlreichen Brüchen bringt er atmosphärische Synthies, extrovertiertes Tomtom-Getrommel sowie einen schlingernden E-Gitarren-Loop unter einen Hut. Xavier und Savas machen mit angenehm lebensbejahenden Lyrics und einer Ohrwurmhook das Albumhighlight perfekt.
Einen weiteren Höhepunkt erreicht die Platte ausgerechnet mit dem recht Naidoo-typischen Liebeslied "Du Bereicherst Mich". Breitwandstreicher und Gitarrenzupfer bestimmen das Klangbild, und auch Savas' Zeilen kommen auf den Punkt, als hätte er nie über etwas anderes gerappt: "Ich zieh die Luft ein / atme deinen Duft ein / dein bloßer Anblick wäscht meine Seele vom Schmutz rein."
Zum Schluss spielen Xavas dem Hörer das "Lied Vom Leben". Dabei lässt der selbsternannte King of Rap der bereits auf "Aura" kredenzten Poesie freien Lauf und bringt nicht nur seine eigene Faszination, sondern eigentlich jegliche Form von Liebe zur Musik anrührend auf den Punkt. "Die Akkorde sagen mir, in welcher Stimmung ich bin / Hi-Hats zeigen mir, wo ich mich grade befind': HIER!" Mit dem Fadeout des treibenden, verhältnismäßig schlichten Beats scheint die Platte ihren abrundenden Endpunkt gefunden zu haben.
Ein paar stille Sekunden dahinter verbirgt sich dann allerdings eine bedingt erfreuliche Zugabe - ein düsterer Track über Ritualmorde, dessen Songtitel "Wo Sind Sie Jetzt" sich erst bei einem Blick in die Credits ergibt. Warum man ausgerechnet das mit Abstand heikelste und düsterste Thema des Albums am Ende der Spielzeit verstecken muss, leuchtet nicht wirklich ein. Immerhin ändert die musikalische Schwachstelle, auf den Posten des Hidden Tracks verbannt, nur wenig am überzeugenden Gesamtbild.
Dieses geben Xavier und Savas als "Gespaltene Persönlichkeit" nämlich zweifelsohne ab, auch wenn die ganz großen Überraschungen ausbleiben. Nach denen wird sich aber ohnehin kaum jemand sehnen, denn Savas' selbstbewusstem Statement gibt das Album mit wenigen Abstrichen Recht: "Man kann es anhören und sagen: Das ist geil."
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Bitte? Ich habe das Album tatsächlich gekauft und finde es sehr anstrengend! Erstaunlich wenig pathetisch. Ich musste vor lauter Pathos beinahe kotzen. Und außer seinem Flow ist Savas auch nix mehr geblieben was noch "kingwürdig" wäre.
Gut, die Beats sind gelungen!
2/5
Review klingt eher nach 4/5.
Nach meinem befinden sind 3/5 definitiv richtig, denn sowohl Savas als auch Naidoo Fans kommen auf ihre Kosten - aber eben nicht in jemen Maße, wie es auf jeweiligen Soloalben der Fall wäre. Mir wäre ja immer noch ne Kollabo mit Savas und Banjo lieber...
Was ich am Hip-Hop liebe: Seine Verachtung für den Pathos und das Insistieren auf einer gewissen Realität, bzw. Direktheit; aber wieso dann diese triviale Kehrtwende hin zu Sex, Frauen und Drogen? Wieso nicht Borges und Burroughs endlich musikalisch verarbeiten, also surrealistische Szenerien, Auflösung erzählerischer Traditionen (Cut-Up Technique, Verfließen von Handlungsebenen à la Rushdie)und magischer Realismus.
Meine Güte, all die Jahre hab ich Xavier Naidoo falsch eingeschätzt, er ist einer der größten Satiriker unseres Landes. Zumindest kann ich mir Zeilen wie "Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist?" oder "Wo sind unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?" nicht anders erklären. Ganz große Kunst, ich verneige mich vor solch einem Genius. Oder ist er am Ende doch nur ein kleingeistiger, homophober Katholik, der einen neuen Führerkult herbeisehnt, der uns vor dem Übel dieser Welt beschützt? In diesem Sinne: Im Gleichschritt Marsch, in eine neue Welt und in eine neue Zeit, die uns von allem Unbill befreit!
Boah, was ein Schmalz...Dani hätte es mit höchstens 2/5 abgewatscht.
Habe mir gestern das Xavas-Album und das neue von Blumentopf angehört, und das Topf-Album lässt das Xavas-Album ironischerweise ganz ganz alt aussehen, was Beats/Texte/Vielfalt angeht...was ein Trauerspiel! Die Töpfe sind wieder auf dem Weg der Besserung, endlich wieder feine Sample-Beats, wie man sie von denen kennt und schätzt, kaum Fanta 4-Pop wie bei Wir und Musikmaschine, dazu jede Menge tolle Sepalot-Cuts...was ein Comeback!
Und Xavas? Eigentlich das genaue Gegenteil, es geht weiter bergab...die Soul/Schmalzrap-Schiene passt überhaupt nicht zu KKS...am besten fand ich da noch das Intro, wo Savas auf nen treibenden Beat in Doubletime flext wie bei Gib Auf.

tbc: Du kratzt an der Oberfläche mein Lieber, HipHop ist nicht was Dir die Medien glauben machen. Es gibt natürlich reichlich Rap über Money, Cash, Hoes, aber es gibt auch EBENSOVIEL Rap über alle anderen Belange des Lebens und natürlich auch viel gehaltvolles und poetisches.
"Weiss wie Pantomime?" "jumpen wie trampoline?" Bitte??? Savas' Punches punchen höchstens sandkastenkinder.

@argemongo
Empfehl' mir was und ich hör' rein; nicht, dass ich noch als Hip-Hop-feindlich durchgehe :O
@Interzone
Bei Boogie Down komme ich überhaupt nicht mit der Postmoderne, ich habe nur behauptet, dass dies eine vorherrschende Strömung innerhalb der Kunst sei; das bezog sich auf eine Aussage des argemongo und hat mit Boogie Down nichts zu tun. Deutsche Soulschmonzetten haben nix mit Burroughs zu tun (leider/zum Glück?), und von mir aus können Xavas machen was sie wollen. Es ging mir nur darum, dass hier in den Kommentaren wie auch in den Rezensionen immer wieder munter gegen Pathos im Hip-Hop agititiert wird; eine tolle Einstellung und ich fand's schade, dass sich daraus kein Burroughs'nesker Verfalls-Hip-Hop ergibt (oder ich zumindest keinen kenne, was wohl eher der Fall ist), obgleich die Anlagen dafür durchaus gegeben sind; die Kausalkette erschien mir durchaus naheliegend.
@CafPow
Durchhalten mit den Versen, das Ende ist herz-zerreißend.

alternativ könnte er sich mal das schaffenswerk des psycho realms (insbesondere die war story 1 u. 2) geben. lyrisch und von der idee dahinter her mit das beste, das hiphop jemals hervor gebracht hat. nebenbei mit beats zum anbeten und wüsten, psychedelischen passagen.
Das können die doch gar nicht ernst meinen oder?





Sodi.. was Du so für relevant hälst ist halt Deine Welt. Andere Leute haben andere Relevanzen, ehrlich. Blogs und Mags, Allah - die Truppe ist Legende und eine Übermacht. Natürlich weiß ich worüber die Lyrics handeln. Zingalamaduni war eines meiner ersten eigenen Alben überhaupt. Und jetzt RUHE!
"ahistorisch" bedeutet einfach, dass du dich nicht für die Vergangenheit deines favorisierten Genre zu interessieren scheinst: a- (ohne) historie (geschichte). Das erschien mir erstaunlich; in anderen Genres werden doch auch immer wieder Klassiker aufgelegt.
@Sancho
"Antichrist"... das totale Spätwerk; ich würde zum Einstieg etwas empfehlen, dass noch aus Nietzsches früherer Zeit stammt und nicht ganz so wirr ist: bspw. "Fröhliche Wissenschaft" oder Jenseits von Gut und Böse; wichtig wäre es, dies in der KSA zu kaufen (kritische Studien-Ausgabe), da nur die von den Verunreinigungen der Schwester Nietzsches befreit wurde. Die göttliche Komödie ist ein furchtbar langweiliger Klassiker, aber kannst du wieder versuchen; Du solltest aber Ausdauer haben, dann kann es sich lohnen. Ich kann ja nur einen gewissen Burroughs... 
@argi: nein, nicht "ich" halte dieses album für "nicht" relevant, sondern die blogs, mags und pages. niemand hat seit 1994 über diese crew gesprochen. das du jetzt hier den afro-king spielst, nur weil du zufällig mal aufm konzert warst, ist so verdammt lächerlich bis traurig...
Sodi: Verdreh nicht immer die Wahrheit, Du musst auch schon mal wissen wann schluß ist und für Dich Schweigen angesagt ist. Ich bin Fan dieser Band seit Stunde Eins und bis heute ungebrochen dabei, bei jedem Release mit Vorfreude. Was Blogs und Pages (!) so für relevant halten und alte Heads wie ich so für relevant halten sei mal dahingestellt, ist mir so latte welche Am-Puls-der-Zeit-Medien diese ehrenwerte Truppe unter den Tisch fallen lassen. Das Konzert war eines der besten das ich je besucht habe und das waren wirklich viele. Das 2011 Album ist ein Burner und Du stänkerst nur ahnungslos rum und jammerst von Mags und Blogs wie ein Kiddie ohne eigene Meinung. Natürlich spiele ich NICHT den Afro-King, AD ist eine der ganz wenigen Bands mit diesem Einschlag (die Texte gehen oft weit über das Afrika-Thema hinaus, aber das kannst Du ja nicht wissen..) in meinem Repertoire. Dieses mal hast Du Dich definitiv zu weit aus dem Fenster gelehnt, mein räudiger Freund. Tue Buße!
@argi: du musst einfach lernen zu akzeptieren das sich niemand mehr für ad interessiert, nur weil ein par afro zausel mit jamaika shirt und fluppe im hals zufällig beim konzert erschienen sind, bedeutet das nicht das diese band in irgendeiner form relevant ist. das ist fakt. ausserdem hast du jederzeit die möglichkeit an der volkshochschule einen englisch kurs zu belegen um dir irgendwann mal die lyrics zu übersetzen. dann wirste nämlich merken dass das kein sound für ein weissbrot wie dich ist
Sodi, Du bist ein blöder Affe. Wie oft soll ich Dir noch erklären, dass mein Englisch locker ausreicht um die Lyrics zu verstehen, verstehe bis heute nicht wie Du auf den Trichter kommst, ich könne kein Englisch, irre. Und wie gesagt, Relevanz in Blogs und Medien heißt für Kunst einen Scheiß. Das Konzert war voll - und zwar von Menschen wie Du und ich, nicht irgendwelche hängengebliebenen Afro-Hippies. Und jetzt RUHE, sonst vergesse ich mich.
Massiv ist scheiße.
Arrested Development ist scheiße.
Intellektualität und Bildung sind scheiße.
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