Porträt

laut.de-Biographie

X Japan

"Wenn sie aus den USA oder Großbritannien stammen würden, wären sie heute die größte Band der Welt", sagt Gene Simmons über X Japan. 30 Millionen verkaufte Tonträger, weit mehr als ein Dutzend ausverkaufte Konzerte im Tokyo Dome, Genre- und Kulturpioniere – und doch stößt man in der Regel auf unwissende Gesichter, fragt man in der westlichen Welt nach diesem Namen.

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Alles beginnt im Jahr 1982 mit den Schulfreunden Yoshiki (Schlagzeug) und Toshi (Gesang). Die beiden tingeln zunächst als X mit wechselndem Line-Up durch diverse Bandcontests. Konkrete Formen nimmt die Sache an, als 1985 Bassist Taiji fest einsteigt – noch im selben Jahr erscheint die Debütsingle "I'll Kill You". Das Interesse der großen Plattenfirmen bleibt zwar noch aus, doch dank ihres extravaganten Auftretens erregen die Musiker im japanischen Underground einige Aufmerksamkeit. Sie entwickeln sich zur Speerspitze der aufkeimenden Visual Kei-Bewegung.

Schließlich gründet Yoshiki kurzerhand sein eigenes Label Extasy Records, um weiter voranzukommen. Er bringt die zweite Single "Orgasm" heraus, die sich auf Anhieb verkauft wie Reisbeutel. 1987 finden X in Pata und Hide zwei fähige Gitarristen. Gerade letzterer entpuppt sich dank seiner Erscheinung als Fotografentraum und damit echter Glücksgriff in Sachen Popularität. In dieser Besetzung gelingt X Ende 1988 schließlich der große Durchbruch: Die 10 000 Erstpressungen der Debüt-LP "Vanishing Vision" sind innerhalb einer Woche vergriffen – Vergleichbares gab es in der japanischen Independent-Szene bis dato noch nie.

Jetzt hält auch die Labels nichts mehr davon ab, auf den X-Zug aufzuspringen. Nachdem die Band schon Ende 1987 einen von Sony veranstalteten Wettbewerb gewannen, unterschreiben sie ein Jahr später bei der Tochter Ki/oon-Records ihren Major-Vertrag. Mit ihrem zweiten Album "Blue Blood" können sie schließlich auch im Mainstream Fuß fassen. Stilistisch sind sie zum Zeitpunkt stark vom Speed Metal beeinflusst und spielen entsprechend energetische Liveshows. Mastermind Yoshiki, dessen Gesundheitszustand schon als Heranwachsender so labil war, dass Ärzte einen Tod vor Erreichen des Erwachsenenalters voraussagten, fällt diesen mehrfach zum Opfer. Nach Auftritten kollabiert er wiederholt – bei einem Konzert in Shibuya gar mitten im Set auf der Bühne. Diese Zwischenfälle ereignen sich auch noch, als die Band 1991 mit dem Album "Jealousy" musikalisch ruhigere Schritte geht.

Als die Band am vorläufigen Zenit ihres Schaffens angelangt scheint, ereilt sie jedoch auch ein Rückschlag. Nach drei aufeinanderfolgenden Konzerten im Tokyo Dome verkündet Taiji seinen Ausstieg. Die Entscheidung zur Trennung fällte Yoshiki, der die Gründe dafür bis heute nicht öffentlich machen möchte, aber angibt, X wären zugrunde gegangen, wäre Taiji geblieben. Ein Nachfolger ist bald gefunden: In die Fußstapfen des virtuosen Taiji tritt Heath.

Im Zuge des Besetzungswechsels nimmt die Band außerdem eine Namensänderung vor. Auch in den USA existiert eine Band namens X – diese siegt im folgenden Rechtsstreit. Fortan touren Yoshiki und Co. als X Japan. Inzwischen konzentrieren sie sich darauf, auch den westlichen Markt zu erobern und dort ein neues Publikum zu erreichen. Wegen der Sprachbarriere gestaltet sich dieses Vorhaben zunächst schleppend.

Um seinem Ziel näher zu kommen, schreibt Yoshiki "Art Of Life" – ein halbstündiges, textlich auf Englisch gehaltenes Opus. Es erscheint 1993 bei Atlantic Records als X Japans viertes Album. Zumindest in der Heimat ist die Erfolgsmagie ungebrochen – ihnen die Ehre zuteil als erste japanische band überhaupt zum Jahresabschluss den Tokyo Dome zu bespielen. Zuvor durften am 30. und 31. Dezember nur ausländische Acts dort auftreten. Diese Ära beendeten X Japan nun endgültig – denn auch in den vier Folgejahren pachten sie das 55 000-Plätze-Stadion. Selbst Rennstrecken sind nicht mehr vor dem Phänomen sicher. X Japan sponsern zwei Jahre lang das Formel Nippon-Team X Japan Team LeMans. Am Steuer sitzt Ralf Schumacher und sichert der Band 1996 die Meisterschaft.

In der Zwischenzeit widmen sich die Mitglieder verstärkt ihren jeweiligen Soloprojekten. Yoshiki veröffentlichte schon seit 1991 eigene Alben, 1993 und 1994 zogen Pata, Toshi und Hide nach. Yoshiki nutzte die Pause, um sich gesundheitlich zu erholen – 1996 bricht er jedoch erneut zusammen. Ohne Halskrause, die seinen schwer beschädigten Halswirbel schützen soll, darf er ab sofort nicht mehr Schlagzeug spielen.

Und nicht nur Yoshikis Körper, sondern der ganz X Japans bröckelt. Toshi findet Gefallen an den Lehren eines Kultes und verliert sich schließlich ganz darin. Sowohl er als auch Yoshiki sprechen später von "Gehirnwäsche". X Japan zerbrechen daran. Am 31. Dezember findet im Tokyo Dome das Abschiedskonzert im Tokyo Dome.

Yoshiki und Hide überlegten daraufhin, die Band in irgendeiner Form weiterzuführen, doch nur fünf Monate nach dem Split verstirbt letzterer überraschend – erhängt am eigenen Türknauf. Ob es sich um Selbstmord oder einen Unfall handelt, bleibt unklar. Yoshiki, der im Alter von 10 Jahren bereits seinen Vater durch Freitod verlor, zieht sich daraufhin zurück und ist drauf und dran, mit der Musik abzuschließen. Er bildet sich ein, jeder in seiner Nähe sei verflucht.

Schließlich ist es der japanische Kaiser, der Yoshiki neuen Mut gibt – der Musiker soll zum Krönungsjubiläum ein Klavierkonzert komponieren. Der stellt sich der Aufgabe und bleibt Japan als gebrochener, aber nichtsdestotrotz höchst erfolgreicher Solokünstler erhalten. Unter anderem gründet er mit Miyavi die Supergroup Skin. Deren Gitarrist Sugizo tritt schließlich Hides Nachfolge in X Japan an. Denn 2007 versöhnen sich Yoshiki und Toshi, nachdem letzterer sich aus den Fängen des Kultes befreit hat. Über die Jahre erhielten X Japan mehrere Wiedervereinigungsangebote – verbunden mit hohen Geldsummen. Der anfänglich gegen X Japan predigende Sektenführer begann deshab plötzlich, Toshi eine Reunion nahezulegen, woraufhin dieser misstrauisch wurde und die Absichten infrage stellte.

Obwohl früh angekündigt, lässt ein neues Studioalbum zwar über ein Jahrzehnt auf sich warten, doch X Japan touren wieder! Gerade in Japan gelingt der Wiedereinstieg in überwältigendem Ausmaß. Der Tokyo Dome und seine 55 000 Plätze erscheinen angesichts zweier direkt aufeinanderfolgender, ausverkaufter Shows im 140 000 Leute fassenden Nissan Stadium geradezu mickrig. Und auch in den USA kommen die Fans in Scharen zu den Shows: So treten X Japan unter anderem auf dem Lollapalooza Festival auf. 2011 begeben sie sich auf Konzertreise durch Europa und Südamerika.

2014 schließlich erhalten X Japan Eintritt in den prestigeträchtigen New Yorker Madison Square Garden. Kameras begleiten den Auftritt und die Vorbereitungen. Die Produktionsfirma hinter dem Oscargewinner "Searching For Sugar Man" verarbeitet das Material zu der Dokumentation "We Are X", die 2017 weltweit in die Kinos kommt. Im Zentrum steht Yoshiki, um den herum Regisseur Stephen Kijak die Geschichte X Japans, einer der erfolgreichsten japanischen Bands allerzeiten, aufarbeitet.

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